Gicht
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Definition & Überblick
Gicht (medizinisch: Arthritis urica) ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der sich Harnsäurekristalle (Urate) in Gelenken, Organen und Geweben ablagern. Anders als beim Menschen, bei dem Gicht vorwiegend die Gelenke betrifft, spielt die Erkrankung in der Tiermedizin vor allem bei Vögeln und Reptilien eine bedeutende Rolle. Säugetiere wie Hunde und Katzen sind nur in extrem seltenen Fällen betroffen, da sie über das Enzym Uricase verfügen, das Harnsäure in das besser lösliche Allantoin umwandelt. Vögeln und Reptilien fehlt dieses Enzym weitgehend, weshalb Harnsäure bei ihnen das Hauptendprodukt des Purinstoffwechsels darstellt.
Man unterscheidet zwei Formen der Gicht: Die viszerale Gicht (Eingeweidegicht), bei der sich Urate auf inneren Organen wie Leber, Herzbeutel, Nieren und Luftsäcken ablagern, sowie die artikuläre Gicht (Gelenkgicht), bei der Harnsäurekristalle bevorzugt in den Gelenken der Zehen, Füße und Flügel akkumulieren. Die viszerale Form verläuft häufig unbemerkt und endet nicht selten tödlich, bevor äußere Symptome sichtbar werden.
Ursachen & Risikofaktoren
Die Hauptursache der Gicht bei Vögeln und Reptilien ist eine Hyperurikämie – ein dauerhaft erhöhter Harnsäurespiegel im Blut. Dieser entsteht entweder durch eine übermäßige Produktion von Harnsäure oder durch deren verminderte Ausscheidung über die Nieren. Folgende Faktoren begünstigen die Entstehung:
- Nierenerkrankungen (Nephropathien): Chronische oder akute Nierenschäden sind die häufigste Ursache. Geschädigte Nieren können Harnsäure nicht mehr ausreichend filtrieren, sodass sich diese im Blut anreichert.
- Fehlernährung: Eine proteinreiche Fütterung mit hohem Puringehalt – etwa durch übermäßige Gaben tierischer Eiweiße bei Ziervögeln – steigert die Harnsäureproduktion erheblich. Bei Reptilien führt die Fütterung ungeeigneter Beutetiere oder ein Überangebot an proteinreichen Insekten zum gleichen Problem.
- Dehydratation: Chronischer Wassermangel, unzureichende Luftfeuchtigkeit bei Reptilien oder Durchfallerkrankungen verdicken das Blut und beeinträchtigen die renale Harnsäureausscheidung.
- Medikamente: Bestimmte Wirkstoffe, darunter einige Antibiotika (z. B. Aminoglykoside) und nichtsteroidale Antiphlogistika, können nephrotoxisch wirken und so sekundär eine Gicht auslösen.
- Haltungsfehler: Zu niedrige Umgebungstemperaturen bei Reptilien verlangsamen den Stoffwechsel und beeinträchtigen die Nierenfunktion. Mangelnde Bewegung und Adipositas gelten als zusätzliche Risikofaktoren.
- Genetische Prädisposition: Bestimmte Vogelarten, insbesondere Papageien, Wellensittiche und Greifvögel, zeigen eine erhöhte Anfälligkeit.
Symptome & Erkennung
Die Symptome unterscheiden sich je nach Form und Schweregrad der Erkrankung erheblich:
Bei der artikulären Gicht fallen sichtbare, weißlich-gelbliche Schwellungen an den Zehengelenken auf, sogenannte Gichtknoten (Tophi). Betroffene Vögel zeigen Lahmheit, entlasten schmerzhafte Gliedmaßen, sitzen vermehrt auf dem Boden und greifen nur noch ungern mit den Füßen. Die Gelenke sind warm, geschwollen und druckempfindlich. Bei Reptilien fallen insbesondere geschwollene Zehen und steife Bewegungen auf.
Die viszerale Gicht verläuft wesentlich heimtückischer. Betroffene Tiere zeigen unspezifische Symptome wie Apathie, Fressunlust, Gewichtsverlust, aufgeplustertes Gefieder, verminderte Aktivität und gelegentlich wässrigen Kot. Da die Ablagerungen auf inneren Organen zunächst keine äußerlich erkennbaren Veränderungen hervorrufen, wird diese Form häufig erst im fortgeschrittenen Stadium oder post mortem bei der Sektion diagnostiziert.
Diagnose
Die tierärztliche Diagnose stützt sich auf mehrere Verfahren:
- Klinische Untersuchung: Inspektion und Palpation der Gelenke auf typische Tophi und Schwellungen.
- Blutuntersuchung: Bestimmung des Harnsäurespiegels im Serum. Werte oberhalb des artspezifischen Referenzbereichs deuten auf eine Hyperurikämie hin. Allerdings kann der Wert bei Vögeln schwanken, weshalb wiederholte Messungen sinnvoll sind.
- Röntgenuntersuchung: Darstellung von Weichteilschwellungen an den Gelenken und möglichen Organveränderungen. Kalzifizierte Uratablagerungen sind im Röntgenbild gelegentlich erkennbar.
- Gelenkpunktion (Arthrozentese): Entnahme von Gelenkflüssigkeit und mikroskopischer Nachweis nadelförmiger, doppeltbrechender Uratkristalle – gilt als sicherste Methode zur Bestätigung der Diagnose.
- Endoskopie: Bei Verdacht auf viszerale Gicht ermöglicht eine Endoskopie die direkte Sichtung weißlicher Uratbeläge auf Organoberflächen.
- Ultraschalluntersuchung: Besonders bei Reptilien hilfreich zur Beurteilung von Nieren und inneren Organen.
Behandlung & Therapie
Die Therapie der Gicht bei Tieren zielt darauf ab, den Harnsäurespiegel zu senken, die Nierenfunktion zu unterstützen und Schmerzen zu lindern. Eine vollständige Heilung ist bei fortgeschrittener Erkrankung selten möglich, doch das Fortschreiten lässt sich häufig verlangsamen:
- Allopurinol: Dieser