Glattwal
GTierart – Säugetiere > Meeressäuger – Wale
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Eubalaena spp. (Gattung Eubalaena); daneben wird auch der Grönlandwal (Balaena mysticetus) zur Familie gezählt
- Ordnung: Wale (Cetacea), Unterordnung Bartenwale (Mysticeti)
- Familie: Glattwale (Balaenidae)
- Gattungen und Arten: Nordatlantischer Glattwal (Eubalaena glacialis), Nordpazifischer Glattwal (Eubalaena japonica), Südlicher Glattwal (Eubalaena australis), Grönlandwal (Balaena mysticetus)
- Lebensraum: Gemäßigte bis polare Meeresgebiete aller Ozeane
- Größe: 13–18 m (Eubalaena-Arten); Grönlandwal bis 20 m
- Gewicht: 40.000–100.000 kg, je nach Art und Individuum
- Lebenserwartung: 50–100 Jahre; beim Grönlandwal sind über 200 Jahre dokumentiert
Aussehen & Merkmale
Glattwale verdanken ihren deutschen Namen der glatten, rückenfinnenlosen Körperoberseite – ein Merkmal, das sie sofort von Furchenwalen oder Grauwalen unterscheidet. Der Körperbau ist massig und rundlich; der Kopf macht etwa ein Viertel bis ein Drittel der Gesamtlänge aus. Die Haut ist überwiegend schwarz bis dunkelgrau gefärbt, wobei einige Individuen weiße Flecken am Bauch tragen. Der Südliche Glattwal zeigt bisweilen auffällige weiße Zeichnungen auf dem Rücken.
Ein charakteristisches Erkennungsmerkmal der Gattung Eubalaena sind die sogenannten Schwielen (Callosities) – verhornte, helle Hautwucherungen auf dem Kopf, am Unterkiefer und oberhalb der Augen. Diese Schwielen sind von Walläusen (Cyamidae) besiedelt, die ihnen eine weißliche bis gelbliche Färbung verleihen. Das Muster der Schwielen ist bei jedem Tier individuell und dient Forschenden zur Identifikation einzelner Individuen, vergleichbar mit einem Fingerabdruck.
Das Maul ist stark gebogen und beherbergt lange, elastische Barten aus Keratin. Bei Eubalaena-Arten werden die Barten bis zu 2,8 m lang; beim Grönlandwal sogar über 4 m. Die Brustflossen (Flipper) sind breit und paddelförmig. Die Fluke ist breit, tief gekerbt und wird beim Abtauchen häufig über die Wasseroberfläche gehoben.
Lebensraum & Verbreitung
Die Familie Balaenidae besiedelt ein weites Verbreitungsgebiet. Der Nordatlantische Glattwal bewohnt die küstennahen Gewässer des westlichen Nordatlantiks zwischen Florida und dem Golf von St. Lorenz. Der Nordpazifische Glattwal lebt im nördlichen Pazifik, vor allem im Beringmeer und im Golf von Alaska. Der Südliche Glattwal kommt in den gemäßigten und subantarktischen Gewässern der Südhalbkugel vor – von Argentinien über Südafrika bis Australien und Neuseeland. Der Grönlandwal ist eine ausgesprochen arktische Art und hält sich ganzjährig in der Nähe der Packeisgrenze auf.
Typisch für die Eubalaena-Arten sind saisonale Wanderungen: Im Sommer ziehen sie in nährstoffreiche, höhere Breiten zur Nahrungsaufnahme; im Winter wandern sie in wärmere, küstennahe Gebiete, wo Paarung und Geburt stattfinden. Der Grönlandwal hingegen verbleibt ganzjährig in arktischen Gewässern und folgt dem Rhythmus des Meereises.
Ernährung
Glattwale sind Filtrierer. Sie schwimmen mit geöffnetem Maul langsam durch dichte Planktonfelder und filtern mit ihren Barten kleine Krebstiere aus dem Wasser. Die Hauptnahrung besteht aus Copepoden (Ruderfußkrebsen), insbesondere der Gattung Calanus, sowie Krill (Euphausiidae). Ein ausgewachsener Glattwal benötigt täglich mehrere hundert Kilogramm Zooplankton, um seinen Energiebedarf zu decken. Die Filtertechnik wird als „Skim Feeding" bezeichnet: Das Tier durchpflügt die Wasseroberfläche oder tiefere Schichten mit offenem Maul, wobei das Wasser seitlich durch die Barten abfließt und die Beuteorganismen an den feinen Bartenfransen hängen bleiben.
Verhalten & Lebensweise
Glattwale leben nicht in festen sozialen Gruppen. Sie treten einzeln oder in losen, temporären Verbänden von zwei bis zwölf Tieren auf, die sich vor allem in Nahrungsgebieten oder Paarungsrevieren bilden. Anders als bei Zahnwalen gibt es keine dauerhaften Gruppenstrukturen vergleichbar mit Schulen oder Rudeln.
An der Wasseroberfläche zeigen Glattwale ein auffälliges Repertoire an Verhaltensweisen: Sie springen vollständig aus dem Wasser (Breaching), schlagen mit der Fluke auf die Oberfläche (Lobtailing) und strecken den Kopf senkrecht aus dem Wasser (Spyhopping). Diese Aktivitäten werden sowohl im Zusammenhang mit sozialer Kommunikation als auch mit dem Entfernen von Hautparasiten interpretiert. Ihr Blas ist V-förmig und bis zu 5 m hoch – ein verlässliches Erkennungsmerkmal auf See.
Die Lautäußerungen der Glattwale bestehen aus niederfrequenten Rufen im Bereich von 50 bis 500 Hz. Diese dienen der Kontaktaufnahme über größere Distanzen, insbesondere zwischen Müttern und Kälbern sowie zwischen paarungsbereiten Tieren.
Fortpflanzung & Aufzucht
Weibliche Glattwale werden mit etwa neun bis zehn Jahren geschlechtsreif. Die Tragzeit beträgt rund zwölf bis dreizehn Monate. In der Regel wird ein einzelnes Kalb geboren, das bei der Geburt bereits vier bis sechs Meter lang ist und etwa 1.000 kg wiegt. Die Geburt erfolgt in warmen, küstennahen Gewässern. Die Mutter säugt das Kalb etwa zehn bis zwölf Monate; die fettreiche Muttermilch