Grant-Gazelle
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Nanger granti (früher Gazella granti)
- Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
- Familie: Hornträger (Bovidae)
- Unterfamilie: Gazellenartige (Antilopinae)
- Gattung: Nanger
- Lebensraum: Offene Grasländer, Halbwüsten und Buschsavannen Ostafrikas
- Schulterhöhe: 75–95 cm
- Gewicht: Weibchen 35–50 kg, Männchen 50–80 kg
- Lebenserwartung: 12–14 Jahre in freier Wildbahn, bis zu 18 Jahre in Gefangenschaft
Aussehen & Merkmale
Die Grant-Gazelle zählt zu den größten Vertretern der Gazellen und ist deutlich kräftiger gebaut als die verwandte Thomson-Gazelle (Eudorcas thomsonii), mit der sie häufig denselben Lebensraum teilt. Der Körperbau ist schlank, langbeinig und auf Ausdauer bei hohen Geschwindigkeiten ausgelegt. Die Oberseite des Fells ist sandfarben bis gelblich-braun, während Brust, Bauch und die Innenseiten der Beine reinweiß gefärbt sind. Ein mehr oder weniger deutlich abgegrenzter dunkler Seitenstreifen kann vorhanden sein, variiert jedoch je nach Unterart erheblich und fehlt bei manchen Populationen ganz.
Beide Geschlechter tragen Hörner, wobei sich diese in Form und Größe stark unterscheiden. Die Hörner der Männchen sind lang, kräftig und leierförmig geschwungen – sie erreichen Längen von 50 bis 80 cm, in Einzelfällen über 80 cm. Die Hörner der Weibchen sind kürzer, dünner und weniger stark gebogen. Der weiße Spiegel am Hinterteil, der bis über die Schwanzwurzel hinausreicht, ist ein auffälliges Erkennungsmerkmal und dient der Unterscheidung von der Thomson-Gazelle, bei deren Spiegel eine dunkle Begrenzung nach oben hin deutlich sichtbar ist.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Grant-Gazelle erstreckt sich über Ostafrika, von Süd-Sudan und Äthiopien über Kenia und Tansania bis in den Nordosten Ugandas. Das bevorzugte Habitat sind offene, trockene Grasebenen, lichte Buschsavannen und Halbwüsten. Anders als viele andere ostafrikanische Huftiere meidet die Grant-Gazelle dichter bewachsene Gebiete und geschlossene Waldlandschaften. Sie kommt von Meeresniveau bis in Höhen von etwa 2.500 Metern vor.
Ein bedeutender Anteil der Gesamtpopulation lebt in großen Schutzgebieten wie dem Serengeti-Nationalpark, dem Amboseli-Nationalpark und dem Masai-Mara-Reservat. Außerhalb geschützter Areale ist das Verbreitungsgebiet durch landwirtschaftliche Nutzung und Besiedlung in den vergangenen Jahrzehnten geschrumpft.
Taxonomisch werden mehrere Unterarten unterschieden, darunter Nanger granti granti, N. g. robertsi und N. g. notata. Die genaue Anzahl gültiger Unterarten wird unter Systematikern diskutiert. Die früher als Unterart geführte Peters-Gazelle (Nanger petersii) wird heute von vielen Autoren als eigenständige Art betrachtet.
Ernährung
Grant-Gazellen sind überwiegend Äser mit einer gemischten Ernährungsstrategie: Sie fressen sowohl Gräser als auch Kräuter, Blätter und Triebe von Büschen. Der Anteil an Laub und krautigen Pflanzen ist im Vergleich zu reinen Grasern wie dem Gnu verhältnismäßig hoch, was ihnen in der Trockenzeit einen Vorteil verschafft. Während viele andere Huftiere in der Trockenperiode auf Wanderschaft gehen müssen, um Wasser und frisches Gras zu finden, können Grant-Gazellen über längere Zeiträume ohne freies Trinkwasser auskommen. Ihren Flüssigkeitsbedarf decken sie dann weitgehend über den Feuchtigkeitsgehalt der aufgenommenen Pflanzennahrung. Diese Anpassung ermöglicht es ihnen, in arideren Biotopen zu verbleiben, die von anderen Arten während der Trockenzeit verlassen werden.
Verhalten & Lebensweise
Grant-Gazellen sind tagaktiv und leben in lockeren Herden, deren Zusammensetzung sich häufig ändert. Weibchen bilden mit ihren Jungtieren kleine Gruppen von fünf bis dreißig Tieren, während geschlechtsreife Männchen entweder Territorien halten oder sich in Junggesellenverbänden zusammenschließen. Territoriale Böcke verteidigen ihr Revier gegen Rivalen durch ritualisierte Drohgebärden, bei denen die Hörner zur Schau gestellt und der Kopf in übertriebenen Bewegungen gesenkt und gehoben wird. Ernsthafte Kämpfe, bei denen die Kontrahenten die Hörner ineinanderhaken und drücken, kommen vor, sind aber seltener als die Imponierrituale.
Gegenüber Fressfeinden – vor allem Gepard, Löwe, Leopard, Hyäne und Afrikanischer Wildhund – setzen Grant-Gazellen auf Flucht. Sie erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 80 km/h und halten hohe Laufgeschwindigkeiten über vergleichsweise lange Strecken durch. Ein typisches Verhalten bei Bedrohung ist das sogenannte „Stotting" oder „Pronking": Die Gazelle springt wiederholt mit allen vier Beinen gleichzeitig steil in die Höhe. Dieses Verhalten wird als Signal an den Prädator gedeutet, das die Fitness und Fluchtfähigkeit des Einzeltiers demonstriert.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzung ist nicht streng saisonal, doch häufen sich Geburten in Perioden mit besserem Nahrungsangebot, oft nach Beginn der Regenzeit. Territoriale Männchen verpaaren sich mit den Weibchen, die ihr Revier durchqueren. Die Tragzeit beträgt etwa 180 bis 200 Tage. In der Regel wird ein einzelnes Jungtier geboren; Zwillinge sind selten.
Das Kalb ist ein sogenannter Ablieger