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Grauwal

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Tierart – Säugetiere > Meeressäuger – Wale

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Eschrichtius robustus
  • Ordnung: Wale (Cetacea)
  • Unterordnung: Bartenwale (Mysticeti)
  • Familie: Grauwale (Eschrichtiidae)
  • Gattung: Eschrichtius
  • Lebensraum: Küstennahe Gewässer des Nordpazifiks; historisch auch im Nordatlantik
  • Größe: 13–15 Meter, maximal bis 16 Meter
  • Gewicht: 15.000–35.000 kg
  • Lebenserwartung: 50–70 Jahre, vereinzelt möglicherweise über 75 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Grauwal ist ein mittelgroßer Bartenwal mit einem robusten, seitlich leicht abgeflachten Körper. Seine Grundfärbung variiert von dunkelgrau bis schiefergrau und ist großflächig von hellen Flecken und Narben durchzogen. Diese Zeichnung entsteht vor allem durch Hautparasiten – insbesondere Walläuse (Cyamidae) und Seepocken (Cirripedia) –, die sich bevorzugt am Kopf, an den Lippen und an den Flipperrändern ansiedeln. Kein anderer Wal trägt derart dichte Kolonien von Aufwuchsorganismen.

Der Kopf ist dreieckig, von oben betrachtet leicht zugespitzt und im Verhältnis zum Körper relativ klein. Im Oberkiefer sitzen 130 bis 180 gelblich-weiße Bartenplatten je Seite, die mit etwa 20 Zentimetern Länge kürzer ausfallen als bei vielen anderen Bartenwalen. Eine Rückenflosse fehlt; stattdessen zeigt sich auf dem hinteren Körperdrittel eine Reihe von sechs bis zwölf niedrigen Knöchelhöckern, der sogenannte „Buckelkiel". Die Fluke ist breit, symmetrisch und weist eine deutliche Mittelkerbe auf. Die Flipper sind relativ kurz und paddelförmig.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Grauwals beschränkt sich heute auf den Nordpazifik. Man unterscheidet zwei Populationen: Die östliche Population (auch als „kalifornische Population" bezeichnet) wandert zwischen den Fortpflanzungsgebieten in den Lagunen von Baja California (Mexiko) und den sommerlichen Nahrungsgründen in der Beringstraße, der Tschuktschensee und dem westlichen Teil der Beaufortsee. Die westliche Population – oft als „koreanisch-ochotskische Population" bezeichnet – lebt vor den Küsten Sachalins und Kamtschatkas und ist zahlenmäßig deutlich kleiner.

Im Nordatlantik ist der Grauwal seit dem 17. oder 18. Jahrhundert ausgestorben. Subfossile Funde von Küsten Englands, Schwedens und der nordamerikanischen Ostküste belegen, dass die Art dort einst heimisch war. Vereinzelte Sichtungen im Mittelmeer und vor Israel in den Jahren 2010 und 2013 deuten darauf hin, dass Einzeltiere über arktische Routen in den Atlantik gelangen – möglicherweise eine Folge des Rückgangs der Meereisbedeckung durch den Klimawandel.

Das bevorzugte Habitat des Grauwals sind flache, küstennahe Gewässer über Sandböden und Schlickgrund. Im Gegensatz zu vielen anderen Großwalen meidet er das offene Hochseebiotop und hält sich überwiegend über dem Kontinentalschelf auf.

Ernährung

Der Grauwal ist der einzige Bartenwal, der regelmäßig am Meeresboden frisst. Er dreht sich typischerweise auf die Seite, pflügt mit dem Maul durch das Sediment und filtert die aufgewirbelten Organismen mit seinen kurzen, groben Barten. Diese Methode wird als „benthisches Saugfressen" bezeichnet und hinterlässt am Meeresgrund charakteristische Gruben von ein bis zwei Metern Durchmesser.

Die Hauptnahrung besteht aus Flohkrebsen (Amphipoda), vor allem Ampelisca-Arten, sowie aus Borstenwürmern (Polychaeta) und kleinen Krebstieren. Während der Wanderung und in den Fortpflanzungsgebieten frisst der Grauwal kaum oder gar nicht; er zehrt dann über Monate von seinen Fettreserven. Gelegentlich wurde beobachtet, dass Grauwale auch pelagisch fressen und Schwärme von Kleinkrebsen oder Fischlarven an der Wasseroberfläche filtern.

Verhalten & Lebensweise

Der Grauwal unternimmt eine der längsten Wanderungen aller Säugetiere. Die östliche Population legt jährlich rund 16.000 bis 22.000 Kilometer zurück – von den arktischen Nahrungsgründen bis zu den warmen Lagunen Mexikos und zurück. Die Tiere ziehen gewöhnlich einzeln oder in kleinen, losen Gruppen von zwei bis drei Individuen. Größere Ansammlungen von bis zu fünfzehn Tieren entstehen vor allem in den Nahrungsgründen und den Fortpflanzungslagunen.

Grauwale zeigen ein breites Repertoire an Oberflächenaktivitäten: Spyhopping (senkrechtes Auftauchen mit dem Kopf über Wasser), Breaching (Sprünge aus dem Wasser) und Lobtailing (Schlagen mit der Fluke auf die Wasseroberfläche) gehören zum Standardverhalten. In den Lagunen von Baja California nähern sich Grauwale häufig Booten und lassen sich von Menschen berühren – ein Verhalten, das als „Friendly Whale"-Phänomen bekannt ist und weltweit einzigartig unter Großwalen ist.

Zu den natürlichen Feinden gehören Schwertwale (Orcinus orca), die vor allem Kälber und geschwächte Alttiere angreifen. Narben von Orca-Zähnen finden sich auf der Fluke und den Flippern vieler Grauwale.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarung findet überwiegend in den warmen, flachen Lagunen Mexikos statt, hauptsächlich zwischen Dezember und Februar. Das Paarungsverhalten umfasst oft drei oder mehr Tiere gleichzeitig, wobei ein „Helfer"-Männchen das Weibchen stabilisiert, während das andere Männchen kopuliert. Die Tragzeit beträgt etwa 13 Monate. Pro Wurf kommt ein einzelnes Kalb zur Welt, das bei der Geburt rund 4,5 bis 5 Meter lang ist und etwa 500 Kilogramm wiegt.