Grindwal
GTierart – Säugetiere > Meeressäuger – Wale
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Globicephala (zwei Arten: Globicephala melas – Langflossen-Grindwal; Globicephala macrorhynchus – Kurzflossen-Grindwal)
- Ordnung: Wale (Cetacea)
- Unterordnung: Zahnwale (Odontoceti)
- Familie: Delfine (Delphinidae)
- Gattung: Globicephala
- Lebensraum: Offene Ozeane, Kontinentalhänge, gelegentlich küstennahe Gewässer
- Größe: 3,8–6,5 m (Männchen größer als Weibchen)
- Gewicht: 1.000–3.000 kg
- Lebenserwartung: Weibchen bis 60 Jahre, Männchen ca. 35–45 Jahre
Aussehen & Merkmale
Grindwale zählen trotz ihres Namens und ihrer Größe zur Familie der Delfine. Sie gehören nach dem Schwertwal (Orcinus orca) zu den größten Vertretern dieser Familie. Der Körperbau ist robust und spindelförmig, mit einem auffallend runden, melonenartig vorgewölbten Kopf. Diese Stirnwölbung, das sogenannte Melon, ist mit einem fettreichen Gewebe gefüllt, das bei der Echoortung eine zentrale Rolle spielt. Die deutsche Bezeichnung „Grindwal" leitet sich vom altnordischen Wort „grind" für Kopf ab und bezieht sich auf eben diese markante Kopfform. Im Englischen werden die Tiere als „pilot whales" bezeichnet.
Die Hautfarbe ist überwiegend dunkelgrau bis schwarz. Hinter der Rückenflosse befindet sich bei vielen Individuen ein heller, sattelförmiger Fleck, dessen Form individuell variiert und zur Identifikation einzelner Tiere herangezogen wird. Auf der Bauchseite zeigt sich häufig eine ankerförmige hellere Zeichnung. Die Rückenflosse (Finne) ist sichelförmig, breit an der Basis und relativ weit vorn am Körper positioniert. Die Brustflossen (Flipper) unterscheiden sich je nach Art deutlich: Beim Langflossen-Grindwal erreichen sie etwa ein Fünftel der Körperlänge, beim Kurzflossen-Grindwal sind sie erheblich kürzer.
Im Ober- und Unterkiefer sitzen jeweils 7 bis 12 Paar kegelförmige Zähne, die vorwiegend dem Ergreifen schlüpfriger Beute dienen. Ältere Männchen entwickeln eine besonders ausgeprägte Stirnwölbung, die über den Oberkiefer hinausragt.
Lebensraum & Verbreitung
Die beiden Arten der Gattung Globicephala besiedeln unterschiedliche Verbreitungsgebiete mit geringer Überlappung. Der Langflossen-Grindwal (G. melas) bewohnt vorwiegend die kühleren und gemäßigten Gewässer des Nordatlantiks sowie eine Population auf der Südhalbkugel im Bereich des zirkumantarktischen Stroms. Der Kurzflossen-Grindwal (G. macrorhynchus) bevorzugt tropische und subtropische Meeresregionen weltweit.
Das bevorzugte Habitat liegt über dem Kontinentalhang und in tiefen ozeanischen Gewässern, wo die Tiere ihre Hauptnahrung finden. Gelegentlich nähern sich Grindwale jedoch auch Küsten und dringen in flachere Gewässer vor – ein Verhalten, das leider immer wieder zu Massenstrandungen führt. Saisonale Wanderungen folgen den Beutevorkommen und den Wassertemperaturen, wobei die Tiere keine streng festgelegten Zugrouten einhalten.
Ernährung
Grindwale ernähren sich überwiegend von Kopffüßern, insbesondere von Kalmaren verschiedener Arten. Daneben stehen je nach Region auch Fische wie Makrelen, Heringe oder Dorsche auf dem Speiseplan. Die Jagd findet häufig in der Nacht und in den frühen Morgenstunden statt, wenn die Beutetiere im Rahmen der vertikalen Wanderung näher an die Oberfläche kommen. Grindwale tauchen bei der Nahrungssuche regelmäßig in Tiefen von 500 bis 800 Metern, in Einzelfällen wurden Tauchgänge von über 1.000 Metern Tiefe dokumentiert. Ein einzelner Tauchgang kann dabei bis zu 15 Minuten dauern. Die Echoortung spielt bei der Beuteerkennung in der lichtlosen Tiefe eine entscheidende Rolle.
Verhalten & Lebensweise
Grindwale sind ausgesprochen soziale Tiere und leben in stabilen Gruppen, die als Schulen oder Pods bezeichnet werden. Eine typische Gruppe umfasst 10 bis 50 Individuen, gelegentlich schließen sich mehrere Pods zu Ansammlungen von mehreren Hundert Tieren zusammen. Die Sozialstruktur ist matrilinear aufgebaut: Verwandte Weibchen und deren Nachkommen bilden den Kern der Gruppe. Männchen verbleiben häufig lebenslang in ihrer Geburtsgruppe, paaren sich aber mit Weibchen anderer Pods – eine Strategie, die Inzucht vermeidet.
Die Kommunikation erfolgt über ein komplexes Repertoire an Pfeif-, Klick- und Pulslauten. Verschiedene Gruppen besitzen dabei eigene akustische Signaturen, die als Dialekte gedeutet werden. Grindwale gelten als eine der Walarten mit den engsten sozialen Bindungen, was sich unter anderem darin zeigt, dass gesunde Tiere gestrandete Artgenossen nicht verlassen. Dieses Verhalten führt dazu, dass Einzelstrandungen häufig in Massenstrandungen münden.
Tagsüber ruhen die Tiere oft nahe der Wasseroberfläche in enger Formation. Die aktive Nahrungssuche konzentriert sich vorwiegend auf die Dämmerung und die Nachtstunden.
Fortpflanzung & Aufzucht
Weibchen erreichen die Geschlechtsreife im Alter von etwa 6 bis 10 Jahren, Männchen erst mit 12 bis 17 Jahren. Die Tragzeit beträgt rund 12 bis 16 Monate. In der Regel wird ein einzelnes Kalb geboren, das bei der Geburt etwa 1,7 bis 1,8 Meter lang ist und rund 75 Kilogramm wiegt.
Die Stillzeit