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Grönlandwal

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Tierart – Säugetiere > Meeressäuger – Wale

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Balaena mysticetus
  • Ordnung: Wale (Cetacea)
  • Unterordnung: Bartenwale (Mysticeti)
  • Familie: Glattwale (Balaenidae)
  • Gattung: Balaena
  • Lebensraum: Arktische und subarktische Meere, überwiegend in Gewässern mit Packeis
  • Größe: 14–18 m, Weibchen bis 20 m
  • Gewicht: 75.000–100.000 kg
  • Lebenserwartung: über 200 Jahre (ältestes nachgewiesenes Säugetier)

Aussehen & Merkmale

Der Grönlandwal ist ein massig gebauter Bartenwal mit einem auffallend großen Kopf, der etwa ein Drittel der gesamten Körperlänge ausmacht. Der Oberkiefer ist stark gewölbt und trägt die längsten Barten aller Walarten: Einzelne Bartenplatten erreichen eine Länge von über vier Metern. Diese Platten bestehen aus Keratin und hängen in dicht gereihten Reihen vom Oberkiefer herab. An ihrer Innenseite tragen sie feine Fransen, die als Filterapparat dienen.

Die Körperform ist gedrungen und spindelförmig. Im Gegensatz zu vielen anderen Großwalen besitzt der Grönlandwal keine Rückenflosse – eine Anpassung an das Leben zwischen Eisschollen, die das Auftauchen unter geschlossenen Eisflächen erleichtert. Die Haut ist überwiegend dunkelgrau bis schwarz gefärbt, wobei am Unterkiefer und gelegentlich am Schwanzstiel helle, weißliche Flecken auftreten. Die Brustflossen (Flipper) sind kurz und paddelförmig, die Schwanzflosse (Fluke) breit und kräftig mit einer deutlichen Einkerbung in der Mitte.

Unter der Haut liegt eine Speckschicht (Blubber) von bis zu 50 Zentimetern Dicke. Diese dient sowohl der Wärmeisolation in den eisigen Gewässern der Arktis als auch als Energiespeicher. Damit verfügt der Grönlandwal über die dickste Fettschicht aller Wale.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Grönlandwals ist auf die arktischen und subarktischen Regionen der Nordhalbkugel beschränkt. Er bewohnt die Gewässer rund um Grönland, in der Beringstraße, der Beaufortsee, der Hudson Bay, im Ochotskischen Meer sowie im Gebiet um Spitzbergen und Franz-Josef-Land. Sein bevorzugtes Habitat sind flache Schelfmeere und Küstengewässer mit saisonaler Eisbedeckung.

Der Grönlandwal ist die einzige Großwalart, die ganzjährig in arktischen Gewässern lebt und nicht in wärmere Breiten zieht. Saisonale Wanderungen finden dennoch statt: Im Frühjahr folgen die Tiere den sich zurückziehenden Packeiskanten nordwärts, im Herbst und Winter ziehen sie mit dem vorrückenden Eis wieder südwärts. Dabei legen einzelne Populationen Strecken von mehreren Tausend Kilometern zurück.

Es werden derzeit fünf geographisch getrennte Bestände unterschieden, von denen die Population in der westlichen Arktis (Beringmeer–Beaufortsee–Tschuktschensee) mit geschätzten 10.000 bis 16.000 Tieren die größte ist. Die Bestände im östlichen Nordatlantik, etwa vor Spitzbergen, sind dagegen stark dezimiert und umfassen nur wenige hundert Individuen.

Ernährung

Als Filtrierer ernährt sich der Grönlandwal vorwiegend von Zooplankton. Seine Hauptnahrung besteht aus Kleinkrebsen, insbesondere Copepoden (Ruderfußkrebse) und Euphausiaceen (Krill). Er schwimmt mit geöffnetem Maul durch Schwärme dieser Organismen und presst das aufgenommene Wasser durch die Bartenplatten nach außen, wobei die Nahrungspartikel an den feinen Fransen hängen bleiben und mit der Zunge abgestreift werden.

Ein ausgewachsener Grönlandwal nimmt täglich schätzungsweise zwei Tonnen Nahrung auf. Die Nahrungssuche findet überwiegend in den oberen Wasserschichten statt, gelegentlich auch in Bodennähe auf dem Kontinentalschelf, wo sich dichte Planktonkonzentrationen bilden.

Verhalten & Lebensweise

Grönlandwale leben in lockeren Verbänden von zwei bis zehn Tieren, die sich vor allem während der Nahrungssuche und der Wanderungen bilden. Feste soziale Strukturen wie bei Zahnwalen (Odontoceti) sind nicht ausgeprägt. Die Tiere kommunizieren über ein breites Repertoire an Lautäußerungen, darunter tieffrequente Rufe, die über große Distanzen unter Wasser übertragen werden. Während der Paarungszeit produzieren die Männchen komplexe Gesangssequenzen, die sich von Jahr zu Jahr verändern.

Eine herausragende Eigenschaft des Grönlandwals ist seine Fähigkeit, mit dem Schädel Eis von bis zu 60 Zentimetern Dicke aufzubrechen, um Atemlöcher zu schaffen. Dazu nutzt er die enorme Kraft seines gewölbten Kopfes und den Auftrieb seines Körpers. Tauchgänge dauern in der Regel 10 bis 20 Minuten, können aber auch 40 Minuten oder mehr betragen. Typische Tauchtiefen liegen bei 100 bis 200 Metern.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarungszeit fällt in die Monate Februar bis Mai. Die Tragzeit beträgt etwa 13 bis 14 Monate. Das Weibchen bringt in der Regel ein einzelnes Kalb zur Welt, das bei der Geburt bereits 3,5 bis 4,5 Meter lang ist und etwa 900 Kilogramm wiegt. Die Stillzeit erstreckt sich über 9 bis 15 Monate, wobei die fettreiche Muttermilch (mit einem Fettgehalt von rund 30 Prozent) ein rasches Wachstum ermöglicht.

Die Geschlechtsreife tritt bei beiden Geschlechtern im Alter von etwa 15 bis 25 Jahren ein. Weibchen gebären nur alle drei bis sieben Jahre, was eine vergleichsweise niedrige Reproduktionsrate darstellt. Diese wird jedoch