Hautrötung
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Definition & Überblick
Hautrötung – in der tiermedizinischen Fachsprache als Erythem (von griechisch erýthema = Röte) bezeichnet – beschreibt eine sichtbare Rötung der Haut, die durch eine verstärkte Durchblutung der oberflächlichen Blutgefäße (Kapillaren) in der Dermis entsteht. Es handelt sich nicht um eine eigenständige Erkrankung, sondern um ein klinisches Symptom, das auf eine Vielzahl zugrunde liegender Ursachen hinweisen kann. Hautrötungen treten bei nahezu allen Haustierarten auf, sind jedoch bei Hunden und Katzen besonders häufig Anlass für eine tierärztliche Vorstellung.
Die Ausprägung reicht von leichten, lokal begrenzten Rötungen bis hin zu großflächigen, stark entzündeten Hautarealen. Entscheidend ist, dass eine Hautrötung stets als Signal des Körpers verstanden werden sollte: Die gesteigerte Durchblutung ist Teil der Entzündungsreaktion und zeigt an, dass das Gewebe auf einen Reiz reagiert – sei er infektiöser, allergischer, mechanischer oder immunologischer Natur.
Ursachen & Risikofaktoren
Die Ursachen für Hautrötungen bei Tieren sind außerordentlich vielfältig. Zu den häufigsten zählen:
- Allergien: Futtermittelallergien, Umweltallergien (atopische Dermatitis) und Kontaktallergien gehören zu den Hauptauslösern. Besonders Hunde bestimmter Rassen wie West Highland White Terrier, Französische Bulldogge oder Labrador Retriever zeigen eine genetische Prädisposition.
- Ektoparasiten: Flöhe, Milben (z. B. Demodex, Sarcoptes), Zecken und Läuse verursachen durch Bisse, Speichelallergene oder mechanische Reizung lokale bis generalisierte Rötungen. Die Flohspeichelallergiedermatitis (FAD) ist eine der häufigsten Hauterkrankungen beim Hund.
- Bakterielle Infektionen: Eine Pyodermie – eine bakterielle Hautentzündung, häufig durch Staphylococcus pseudintermedius – zeigt sich oft durch Rötung, Pusteln und Krustenbildung.
- Pilzinfektionen: Dermatophytosen, insbesondere durch Microsporum canis, verursachen kreisrunde, gerötete und schuppende Hautveränderungen, die auch zoonotisches Potenzial besitzen, also auf den Menschen übertragbar sind.
- Mechanische Reizung: Scheuerstellen durch schlecht sitzende Halsbänder oder Geschirre, übermäßiges Kratzen oder Belecken sowie Hitzestau in Hautfalten (Intertrigo) führen zu lokaler Rötung.
- Autoimmunerkrankungen: Erkrankungen wie Pemphigus foliaceus oder Lupus erythematodes manifestieren sich häufig zunächst als Hautrötung, bevor weitere Symptome hinzutreten.
- Hormonelle Störungen: Hypothyreose beim Hund oder Hyperadrenokortizismus (Morbus Cushing) können die Hautbarriere schwächen und sekundäre Rötungen begünstigen.
Zu den Risikofaktoren gehören neben der Rassedisposition auch ein geschwächtes Immunsystem, mangelnde Fellpflege, feuchtwarmes Klima, Adipositas (insbesondere bei Tieren mit Hautfalten) sowie eine unausgewogene Ernährung mit Defiziten an essenziellen Fettsäuren.
Symptome & Erkennung
Hautrötungen lassen sich bei Tieren mit hellem oder dünnem Fell relativ leicht erkennen. Bei dunkel pigmentierten oder stark behaarten Tieren ist die Diagnose anspruchsvoller – hier fällt die Rötung oft erst beim gezielten Scheiteln des Fells oder an weniger behaarten Stellen wie Bauch, Innenschenkeln, Achseln oder Ohrmuscheln auf.
Begleitsymptome, die häufig zusammen mit einem Erythem auftreten, umfassen:
- Pruritus (Juckreiz) – erkennbar an vermehrtem Kratzen, Beißen, Lecken oder Reiben an Gegenständen
- Schwellung (Ödem) der betroffenen Hautareale
- Schuppenbildung, Krustenbildung oder Exkoriation (Hautabschürfungen durch Kratzen)
- Haarausfall (Alopezie) im Bereich der geröteten Stellen
- Pusteln, Papeln oder Quaddeln (Urtikaria)
- Unangenehmer Hautgeruch, insbesondere bei sekundärer bakterieller oder Hefepilz-Infektion (Malassezia)
- Verhaltensänderungen wie Unruhe, verminderte Futteraufnahme oder Aggressivität bei Berührung
Die Verteilung der Rötung liefert dem Tierarzt wichtige diagnostische Hinweise: Eine Rötung an Pfoten und Gesicht deutet beispielsweise eher auf eine atopische Dermatitis hin, während eine Rötung am Rumpf und an der Schwanzbasis für Flohbefall spricht.
Diagnose
Die Diagnostik bei Hautrötungen folgt einem strukturierten Vorgehen. Zunächst erhebt der Tierarzt eine ausführliche Anamnese: Seit wann besteht die Rötung? Gibt es saisonale Muster? Wurde das Futter umgestellt? Wird Parasitenprophylaxe betrieben? Sind andere Tiere oder Menschen im Haushalt betroffen?
Die dermatologische Untersuchung umfasst die Adspektion der gesamten Haut einschließlich der Pfotenzwischenräume, Ohren und Perianalregion. Ergänzend kommen folgende diagnostische Verfahren zum Einsatz:
- Hautgeschabsel (oberflächlich und tief) zum Nachweis von Milben wie Demodex oder Sarcoptes
- Zytologische Untersuchung mittels Abklatschpräparat oder Tesafilmpräparat zur Identifikation von Bakterien, Hefepilzen oder Entzündungszellen
- Trichogramm – die mikroskopische Untersuchung ausgezupfter Ha