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Hibernation

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Fachbegriffe (Aquaristik/Terraristik/Vogelhaltung) > Terraristik-Fachbegriffe

Definition & Überblick

Hibernation bezeichnet die Winterruhe bzw. Winterstarre wechselwarmer Tiere, wie sie in der Terraristik vor allem bei Reptilien und Amphibien vorkommt. Der Begriff stammt vom lateinischen hibernare (überwintern) und beschreibt einen Zustand drastisch reduzierter Stoffwechselaktivität, den viele Terrarientiere in ihrem natürlichen Lebensraum während der kalten Jahreszeit durchlaufen. In der artgerechten Haltung ist die Hibernation für zahlreiche Arten nicht nur empfehlenswert, sondern aus Tierschutzsicht zwingend notwendig.

Streng genommen unterscheidet die Biologie zwischen Hibernation (echte Winterstarre bei Ektothermen), Brumation (der spezifischere Begriff für Reptilien und Amphibien) und dem Winterschlaf bei Säugetieren. In der deutschsprachigen Terraristik werden diese Begriffe jedoch häufig synonym verwendet. Die Winterstarre unterscheidet sich vom Winterschlaf dadurch, dass die Körpertemperatur des Tieres passiv der Umgebungstemperatur folgt und nicht aktiv reguliert wird.

Typische Terrarientiere, die eine Hibernation benötigen, sind unter anderem Europäische Landschildkröten (Testudo hermanni, T. marginata, T. graeca), Bartagamen, Kornnattern, Königspythons (eingeschränkt), verschiedene einheimische Amphibienarten sowie Griechische und Maurische Landschildkröten. Auch viele Eidechsenarten aus gemäßigten Zonen wie Zauneidechsen oder Smaragdeidechsen brauchen diese Ruhephase.

Grundlagen & Voraussetzungen

Die Hibernation erfüllt mehrere biologisch essenzielle Funktionen. Sie synchronisiert den Hormonhaushalt, fördert die Fruchtbarkeit und ist bei vielen Arten der entscheidende Auslöser für das Fortpflanzungsverhalten im Frühjahr. Ohne regelmäßige Winterruhe zeigen viele Reptilien auf Dauer gesundheitliche Probleme: ein geschwächtes Immunsystem, Organschäden, Fettleibigkeit und eine deutlich verkürzte Lebenserwartung.

Bevor ein Tier in die Hibernation überführt wird, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Gesundheitscheck: Nur gesunde Tiere dürfen überwintert werden. Ein tierärztlicher Check inklusive Kotuntersuchung auf Parasiten ist unverzichtbar. Tiere mit Atemwegsinfektionen, Untergewicht oder Parasitenbefall müssen zunächst behandelt werden.
  • Ausreichender Ernährungszustand: Das Tier muss über genügend Fettreserven verfügen, darf aber nicht übergewichtig sein. Bei Schildkröten lässt sich dies über den Jackson-Ratio (Verhältnis von Körpermasse zu Panzerlänge) prüfen.
  • Leerer Magen-Darm-Trakt: Vor der Einwinterung muss der Verdauungstrakt vollständig entleert sein. Unverdaute Nahrung kann während der Starre im Körper gären und tödliche Folgen haben.
  • Geeigneter Überwinterungsort: Kühlschrank, Keller, Garage oder Freilandgrube – der Ort muss frostsicher, dunkel und gut belüftbar sein, mit stabilen Temperaturen im artspezifischen Bereich.

Praktische Umsetzung

Die Hibernation gliedert sich in drei Phasen: Einleitungsphase, eigentliche Ruhephase und Ausleitungsphase.

Einleitungsphase (2–4 Wochen): Ab etwa Mitte Oktober wird im Gehege schrittweise die Beleuchtungsdauer und Temperatur reduziert. Die Fütterung wird eingestellt, während Wasser weiterhin angeboten wird. Warme Bäder helfen Schildkröten, den Darm vollständig zu entleeren. Die Temperatur wird stufenweise von der normalen Haltungstemperatur auf etwa 10–12 °C gesenkt.

Ruhephase: Die optimale Überwinterungstemperatur liegt je nach Art zwischen 4 und 8 °C. Europäische Landschildkröten überwintern idealerweise bei 4–6 °C. Kornnattern vertragen 8–12 °C, Bartagamen benötigen 15–18 °C bei ihrer etwas milderen Winterruhe. Die Dauer beträgt artabhängig 8 bis 20 Wochen. Junge Schildkröten im ersten Lebensjahr überwintern kürzer (6–8 Wochen), adulte Tiere entsprechend länger.

Viele Halter nutzen einen separaten Kühlschrank zur Überwinterung, da sich dort Temperatur und Luftfeuchtigkeit präzise steuern lassen. Der Kühlschrank sollte täglich kurz geöffnet werden, um frische Luft zuzuführen. Das Substrat – beispielsweise leicht feuchte Gartenerde, Buchenlaub oder Moos – muss regelmäßig auf Feuchtigkeit kontrolliert werden, damit die Tiere nicht austrocknen.

Ausleitungsphase (1–2 Wochen): Die Temperatur wird langsam angehoben. Sobald das Tier Aktivität zeigt, wird es zunächst lauwarm gebadet, um die Flüssigkeitsaufnahme anzuregen. Beleuchtung und Wärme im Terrarium oder Gehege werden stufenweise auf Normalniveau gebracht. Futter wird erst angeboten, wenn das Tier aktiv danach sucht.

Häufige Fehler

  • Hibernation komplett weglassen: Der schwerwiegendste Fehler. Viele unerfahrene Halter glauben, ihren Tieren etwas Gutes zu tun, indem sie die Winterruhe ausfallen lassen. Das Gegenteil ist der Fall – bei obligat hibernierenden Arten ist das ein ernsthaftes Tierschutzproblem.
  • Überwinterung bei falschen Temperaturen: Temperaturen über 10 °C bei Landschildkröten führen dazu, dass der Stoffwechsel nicht ausreichend heruntergefahren wird und die Energiereserven zu schnell aufgebraucht werden. Temperaturen unter 2 °C bergen Erfrierungsgefahr.
  • Keine Voruntersuchung: Tiere mit unerkanntem Parasitenbefall oder Infektionen sterben in der Winterstarre, weil das Immunsystem im Ruhezustand nicht arbeiten kann.