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Definition und Bedeutung des Kommandos „Hier"
Das Kommando „Hier" – auch als Rückruf, Abruf oder Recall bezeichnet – gehört zu den grundlegendsten und zugleich wichtigsten Signalen in der Hundeerziehung. Es fordert den Hund auf, seine aktuelle Tätigkeit sofort zu unterbrechen und zügig zu seinem Menschen zurückzukehren. Der zuverlässige Rückruf bildet die Basis für ein sicheres Zusammenleben, ermöglicht dem Hund Freilauf und kann in Gefahrensituationen sogar lebensrettend sein. In der Hundeausbildung wird das „Hier" daher oft als das wichtigste Signal überhaupt eingestuft, noch vor dem Grundgehorsam wie Sitz oder Platz.
Abgrenzung zu verwandten Kommandos
Neben „Hier" existieren zahlreiche alternative Rückrufsignale wie „Komm", „Zu mir" oder ein individueller Pfiff mit der Hundepfeife. Entscheidend ist nicht das gewählte Wort, sondern die eindeutige Verknüpfung zwischen Signal und gewünschtem Verhalten. Viele Hundetrainer empfehlen, das Rückrufsignal bewusst von Alltagssprache abzugrenzen, damit es nicht im täglichen Gebrauch „verwässert" wird. Manche Hundeführer nutzen deshalb ein sogenanntes Notrückrufsignal – ein besonderes Wort oder einen bestimmten Pfeifton –, das ausschließlich in kritischen Situationen zum Einsatz kommt und durch besonders hochwertige Belohnungen konditioniert wurde.
Vom „Hier" zu unterscheiden ist das „Bei Fuß", das den Hund auffordert, in einer definierten Position neben dem Menschen zu gehen. Während „Bei Fuß" eine dauerhafte Positionierung beschreibt, meint „Hier" primär das schnelle Herankommen an den Halter.
Aufbau und Trainingsmethoden
Der Aufbau eines zuverlässigen Rückrufs erfolgt schrittweise und erfordert Geduld, Konsequenz und ein durchdachtes Belohnungssystem. Die moderne Hundeerziehung setzt dabei auf positive Verstärkung und arbeitet nach den Prinzipien der operanten Konditionierung.
- Phase 1 – Signalaufbau in reizarmer Umgebung: Der Hund lernt zunächst in der Wohnung oder im Garten, dass auf das Wort „Hier" eine hochwertige Belohnung folgt. Das Signal wird gesprochen, sobald der Hund sich ohnehin auf den Menschen zubewegt. So entsteht eine erste positive Verknüpfung.
- Phase 2 – Steigerung der Distanz: Die Entfernung zwischen Hund und Halter wird schrittweise vergrößert. Hilfsmittel wie eine Schleppleine (5 bis 10 Meter) geben Sicherheit, ohne dass der Hund die Möglichkeit hat, das Signal zu ignorieren und sich dadurch selbst zu belohnen.
- Phase 3 – Generalisierung: Das Training wird auf verschiedene Umgebungen mit zunehmendem Ablenkungsgrad ausgeweitet – Parks, Wiesen, Waldwege, Hundebegegnungen. Der Hund lernt, dass das Signal überall gilt, nicht nur zu Hause.
- Phase 4 – Festigung unter Ablenkung: In dieser fortgeschrittenen Phase wird der Rückruf gezielt in schwierigen Situationen geübt, etwa bei Wildkontakt, Spielkontakt mit anderen Hunden oder starken Umweltreizen.
Beim Trainingsaufbau hat sich der Einsatz eines Clickers oder eines Markerworts bewährt, um das gewünschte Verhalten sekundengenau zu bestätigen. Als Belohnung eignen sich je nach Hund besonders wertvolle Leckerli, Spielzeug oder gemeinsames Spiel. Entscheidend ist, dass die Belohnung aus Hundesicht attraktiver ist als der Reiz, von dem er sich abwenden soll.
Typische Fehler beim Rückruftraining
Zahlreiche Schwierigkeiten beim Rückruf lassen sich auf wiederkehrende Trainingsfehler zurückführen:
- Signal wird mit negativen Konsequenzen verknüpft: Wer den Hund nur dann ruft, wenn der Freilauf endet oder der Hund anschließend angeleint wird, erzeugt eine negative Assoziation. Der Hund lernt, dass „Hier" Spaßende bedeutet.
- Wiederholung ohne Konsequenz: Wird das Signal mehrfach hintereinander gerufen, ohne dass der Hund reagiert, verliert es an Bedeutung. In der Fachsprache spricht man von „erlernter Irrelevanz".
- Zu schnelle Steigerung der Ablenkung: Viele Halter erwarten nach wenigen Übungseinheiten bereits einen Rückruf vom jagenden Hund. Ein solides Rückruftraining erstreckt sich über Monate, nicht über Tage.
- Strafe nach dem Herankommen: Wer den Hund nach dem Rückruf schimpft – etwa weil er zuvor weggelaufen ist –, bestraft das Zurückkommen und nicht das Weglaufen. Der Hund verknüpft die unangenehme Erfahrung mit der letzten Handlung: dem Herankommen.
Rolle des Rückrufs im Hundesport
Im Hundesport spielt der zuverlässige Rückruf eine zentrale Rolle. In Disziplinen wie Obedience wird der Abruf aus verschiedenen Positionen und Entfernungen bewertet und gehört zu den Pflichtübungen. In der Begleithundeprüfung (BH/VT), die als Grundvoraussetzung für viele weiterführende Sportprüfungen gilt, wird der Rückruf im Freifolge-Teil geprüft. Auch im Rally Obedience und in der Fährtenarbeit ist ein solider Rückruf Voraussetzung für ein sicheres Arbeiten auf dem Trainingsgelände.
Bei der Rettungshundearbeit und im Mantrailing muss der Hund trotz hoher Erregungslage und starker Triebmotivation zuverlässig abrufbar sein. Gleiches gilt für den Jagdhundebereich, in dem der sichere Rückruf über die Brauchbarkeitsprüfung hinaus eine eth