Kaltgepresstes Futter
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Definition & Überblick
Kaltgepresstes Futter ist ein Trockenfutter, das bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen – in der Regel zwischen 30 °C und maximal 80 °C – hergestellt wird. Im Gegensatz zum deutlich weiter verbreiteten extrudierten Futter, bei dem Temperaturen von 120 °C bis über 180 °C zum Einsatz kommen, werden die Zutaten beim Kaltpressverfahren lediglich mechanisch durch eine Matrize gepresst. Dadurch entstehen feste Pellets ohne den Einsatz von Wasserdampf oder extremer Hitze. Der Begriff „kaltgepresst" ist allerdings nicht gesetzlich geschützt, weshalb die tatsächlichen Produktionsbedingungen je nach Hersteller variieren können.
Das Verfahren wird seit Jahrzehnten in der Nutztierfütterung eingesetzt und hat sich in den letzten Jahren zunehmend im Heimtierbereich etabliert – insbesondere bei Hundehaltern, die Wert auf eine möglichst schonende Verarbeitung der Rohstoffe legen. Befürworter argumentieren, dass durch die niedrigeren Temperaturen hitzeempfindliche Nährstoffe wie bestimmte Vitamine, Enzyme und essenzielle Fettsäuren besser erhalten bleiben als bei der Extrusion.
Zusammensetzung & Inhaltsstoffe
Die Zusammensetzung von kaltgepresstem Futter unterscheidet sich in der Zutatenliste nicht grundsätzlich von extrudiertem Futter. Typische Bestandteile sind:
- Tierische Proteinquellen: Fleisch- oder Fischmehl, getrocknetes Fleisch, tierische Nebenerzeugnisse
- Kohlenhydratquellen: Reis, Kartoffel, Hirse, Hafer oder andere Getreidesorten
- Fette und Öle: Geflügelfett, Lachsöl, Leinöl – wichtig für essenzielle Fettsäuren
- Rohfaser: Rübenschnitzel, Lignocellulose, Kräuter, Gemüsebestandteile
- Vitamine und Mineralstoffe: Ergänzt als Premix, um den Bedarf an Mikronährstoffen zu decken
Analytisch bewegen sich die Werte meist im Bereich von 20–28 % Protein, 8–16 % Fett, 2–5 % Rohfaser und 6–10 % Rohasche. Auffällig ist, dass kaltgepresste Pellets eine höhere Dichte aufweisen als extrudierte Kroketten, da sie beim Pressen nicht aufgebläht werden. Das hat direkte Auswirkungen auf die Futtermenge: Für die gleiche Energiezufuhr wird in der Regel weniger kaltgepresstes Futter benötigt als extrudiertes.
Ein wesentlicher Unterschied betrifft das Quellverhalten: Kaltgepresste Pellets quellen im Magen deutlich weniger auf als Extrudate. Stattdessen zerfallen sie relativ schnell in ihre Einzelbestandteile. Dieses Verhalten wird häufig als magenfreundlicher beschrieben, insbesondere für empfindliche Tiere.
Für welche Tiere geeignet?
Kaltgepresstes Futter wird überwiegend für Hunde angeboten und deckt dort – sofern als Alleinfuttermittel deklariert – den vollständigen Nährstoffbedarf. Es eignet sich grundsätzlich für Hunde aller Rassen und Altersgruppen, wird jedoch besonders häufig gewählt für:
- Hunde mit empfindlicher Verdauung oder Neigung zu Magendrehung (aufgrund des geringeren Quellverhaltens)
- Hunde mit Futtermittelunverträglichkeiten, da viele kaltgepresste Sorten auf wenige, klar deklarierte Zutaten setzen
- Ältere Hunde mit reduziertem Energiebedarf
- Halter, die zwischen Rohfütterung (BARF) und Trockenfutter einen Kompromiss suchen
Für Katzen ist das Angebot an kaltgepresstem Futter derzeit noch sehr begrenzt. Vereinzelt gibt es Produkte auf dem Markt, doch die Akzeptanz ist geringer, da Katzen häufig eine bestimmte Krokettentextur bevorzugen. Für Pferde und andere Nutztiere sind kaltgepresste Pellets als Ergänzungsfuttermittel seit Langem verbreitet – etwa als Heucobs oder Luzerne-Pellets.
Fütterungsempfehlung
Die korrekte Futtermenge richtet sich nach Körpergewicht, Aktivitätsniveau, Alter und individuellem Stoffwechsel des Tieres. Hersteller geben auf der Verpackung Richtwerte an, die als Orientierung dienen. Grundsätzlich gilt: Da kaltgepresste Pellets eine höhere Dichte haben, fällt die tägliche Futterration geringer aus als bei extrudiertem Futter gleicher Energiedichte.
Empfehlenswert ist die Aufteilung der Tagesration auf zwei Mahlzeiten. Bei Hunden großer Rassen, die zu Magenproblemen neigen, kann ein Fütterungsintervall von zwei bis drei Mahlzeiten sinnvoll sein. Die Pellets können trocken gefüttert oder kurz mit lauwarmem Wasser angefeuchtet werden – sie zerfallen dann schneller und werden von manchen Hunden besser akzeptiert.
Bei einer Futterumstellung auf kaltgepresstes Futter empfiehlt sich eine schrittweise Umgewöhnung über 5–7 Tage, bei der das neue Futter zunehmend mit dem bisherigen gemischt wird. Durchfall oder weicher Kot in den ersten Tagen ist nicht ungewöhnlich und normalisiert sich meist schnell.
Vorteile & Nachteile
Vorteile:
- Schonende Verarbeitung bewahrt hitzeempfindliche Vitamine und Nährstoffe besser
- Geringeres Quellverhalten im Magen – potenziell geringeres Risiko für Magenüberladung
- Schneller Zerfall der Pellets im Verdauungstrakt, was die Verdaulichkeit fördern kann
- Oft übersichtliche Zutatenlisten mit wenigen, nachvollziehbaren Komponenten
- Natürlicherer Geruch und Geschmack durch geringere thermische Veränderung der Rohstoffe
Nachteile