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Ketose

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Definition & Überblick

Die Ketose – auch als Acetonämie, Ketonämie oder im englischen Sprachraum als Ketosis bezeichnet – ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der der Körper aufgrund eines Energiedefizits vermehrt Fettreserven abbaut. Dabei entstehen sogenannte Ketonkörper (Acetoacetat, Beta-Hydroxybutyrat und Aceton), die sich im Blut anreichern und den Organismus belasten. Die Erkrankung betrifft vor allem hochleistende Milchkühe in den ersten Wochen nach der Kalbung, kommt aber auch bei Schafen (Trächtigkeitstoxikose), Ziegen und in seltenen Fällen bei anderen Tierarten vor. Bei Katzen spielt eine besondere Form – die hepatische Lipidose – eine eng verwandte Rolle, bei der eine übermäßige Fettmobilisation zu schwerem Leberversagen führen kann.

Man unterscheidet die klinische Ketose, die mit deutlichen Krankheitssymptomen einhergeht, von der subklinischen Ketose, bei der erhöhte Ketonkörperwerte im Blut messbar sind, das Tier jedoch keine offensichtlichen Anzeichen zeigt. Gerade die subklinische Form ist wirtschaftlich bedeutsam, da sie die Milchleistung senkt, die Fruchtbarkeit beeinträchtigt und das Risiko für Folgeerkrankungen wie Labmagenverlagerung, Metritis oder Klauenerkrankungen erhöht.

Ursachen & Risikofaktoren

Die zentrale Ursache der Ketose ist eine negative Energiebilanz (NEB). Dieser Zustand entsteht, wenn der Energiebedarf des Tieres die über das Futter aufgenommene Energie übersteigt. Bei Milchkühen ist dies typischerweise in der Frühlaktation der Fall: Die Futteraufnahme steigt nach der Geburt langsamer an als die Milchproduktion, sodass der Körper auf seine Fettdepots zurückgreift. Die dabei freigesetzten Fettsäuren werden in der Leber nur unvollständig oxidiert, was zur Bildung von Ketonkörpern führt.

  • Hohe Milchleistung: Kühe mit genetisch bedingter Hochleistung haben ein deutlich erhöhtes Risiko, da ihr Energiebedarf in den ersten Laktationswochen enorm ist.
  • Überkonditionierung: Tiere, die zum Zeitpunkt der Geburt zu fett sind (Body Condition Score über 3,75 auf der 5-Punkte-Skala), mobilisieren besonders aggressiv Körperfett.
  • Fütterungsfehler: Energiearme Rationen, minderwertiges Grundfutter, abrupte Futterwechsel oder unzureichende Kraftfuttergaben in der Transitperiode begünstigen die Erkrankung.
  • Stress und Begleiterkrankungen: Geburtskomplikationen, Nachgeburtsverhaltung, Klauenprobleme oder Rangordnungskämpfe in der Herde senken die Futteraufnahme zusätzlich.
  • Alter und Laktationsnummer: Mehrkalbskühe erkranken häufiger als Erstlingskühe, da ihre Milchleistung höher liegt.

Bei Schafen tritt die Ketose vor allem in der Hochträchtigkeit auf, insbesondere bei Tieren, die Mehrlinge tragen und gleichzeitig unzureichend gefüttert werden.

Symptome & Erkennung

Die Symptome der klinischen Ketose entwickeln sich meist schleichend innerhalb der ersten zwei bis sechs Wochen nach der Kalbung. Charakteristisch sind:

  • Verminderte Futteraufnahme: Zunächst wird Kraftfutter verweigert, später auch Grundfutter.
  • Milchleistungsabfall: Die Milchmenge sinkt oft drastisch innerhalb weniger Tage.
  • Gewichtsverlust: Trotz Fütterungsangebot magern die Tiere sichtbar ab.
  • Acetongeruch: Atem, Milch und Urin riechen süßlich-fruchtig nach Aceton – ein recht spezifisches Erkennungsmerkmal.
  • Verdauungsstörungen: Der Kot ist häufig fest und trocken, die Pansenaktivität reduziert.
  • Mattigkeit und Apathie: Die Tiere stehen abseits, zeigen verminderte Aufmerksamkeit und bewegen sich ungern.
  • Nervöse Form (selten): Einige Tiere zeigen Übererregbarkeit, Lecksucht, Zähneknirschen, taumelnden Gang oder sogar Krämpfe. Diese nervöse Ketose wird mit toxischen Ketonkörperspiegeln im Gehirn in Verbindung gebracht.

Die subklinische Ketose verläuft ohne offensichtliche Symptome, zeigt sich jedoch durch messbar erhöhte Ketonkörperwerte und eine schlechtere Gesamtleistung der Herde.

Diagnose

Die Verdachtsdiagnose ergibt sich aus der klinischen Untersuchung, dem typischen Zeitfenster nach der Kalbung und dem Acetongeruch. Zur Absicherung stehen verschiedene diagnostische Verfahren zur Verfügung:

  • Blutuntersuchung: Die Bestimmung von Beta-Hydroxybutyrat (BHB) im Blut gilt als Goldstandard. Werte über 1,2 mmol/l sprechen für eine subklinische, Werte über 3,0 mmol/l für eine klinische Ketose. Gleichzeitig werden häufig Glukose, freie Fettsäuren (NEFA) und Leberenzyme bestimmt.
  • Milchschnelltests: Teststreifen oder Pulvertests (z. B. auf Basis von Natriumnitroprussid) weisen Ketonkörper in der Milch nach und eignen sich gut für das Herdenscreening.
  • Harnuntersuchung: Ketonkörper-Teststreifen zeigen erhöhte Acetoacetat-Werte an, sind jedoch weniger präzise als Bluttests.
  • Elektronische BHB-Messgeräte: Tragbare Handgeräte ermöglichen eine schnelle und genaue Bestimmung direkt im Stall.

Bei gehäuftem Auftreten in der Herde ist eine Stoffwechselprofilanalyse sinnv