Knochenmehl
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Definition und Überblick
Knochenmehl ist ein fein gemahlenes Produkt, das durch das Zerkleinern und Verarbeiten von Tierknochen gewonnen wird. Es handelt sich um ein tierisches Nebenprodukt, das seit Jahrhunderten in der Landwirtschaft, Tierhaltung und Gartenpflege Verwendung findet. Die Hauptbestandteile sind Calciumphosphat, Kollagenreste und verschiedene Spurenelemente. Je nach Herstellungsverfahren unterscheidet man zwischen rohem, gedämpftem und entleimtem Knochenmehl. Als konzentrierter Lieferant von Phosphor und Calcium zählt es zu den ältesten organischen Düngemitteln der Menschheitsgeschichte und spielte über lange Zeit auch als Futtermittelzusatz eine bedeutende Rolle.
Herstellung und Verarbeitung
Die Produktion von Knochenmehl beginnt mit der Sammlung von Schlachtabfällen, insbesondere Knochen von Rindern, Schweinen und Geflügel. Diese stammen aus Schlachthöfen und fleischverarbeitenden Betrieben. Der Herstellungsprozess umfasst mehrere Schritte:
- Reinigung und Entfettung: Die rohen Knochen werden von Fleischresten befreit und entfettet. Dies geschieht häufig durch Kochen oder Dampfbehandlung.
- Sterilisation: Zur Abtötung von Krankheitserregern werden die Knochen unter hohem Druck bei Temperaturen von mindestens 133 °C über 20 Minuten bei 3 bar erhitzt. Dieses Verfahren wird als Drucksterilisation bezeichnet.
- Trocknung: Nach der thermischen Behandlung wird das Material getrocknet, um den Wassergehalt zu senken und die Haltbarkeit zu erhöhen.
- Vermahlung: Die getrockneten Knochen werden in Mühlen zu einem feinen Pulver oder Granulat zerkleinert.
Je nach Verarbeitungsintensität variiert die Zusammensetzung des Endprodukts. Gedämpftes Knochenmehl enthält noch organische Anteile wie Stickstoff aus Proteinresten, während entleimtes Knochenmehl – auch als Knochenasche bezeichnet – fast ausschließlich aus mineralischen Bestandteilen besteht. Letzteres entsteht durch Veraschen bei Temperaturen über 600 °C.
Zusammensetzung und Nährstoffgehalt
Knochenmehl weist eine charakteristische Nährstoffzusammensetzung auf, die es von anderen organischen Düngern und Futtermitteln unterscheidet. Typische Werte für gedämpftes Knochenmehl liegen bei:
- Phosphor (P₂O₅): 20–30 %
- Calcium (CaO): 25–35 %
- Stickstoff (N): 1–5 %, abhängig vom Restproteingehalt
- Spurenelemente: Magnesium, Eisen, Zink, Mangan in geringen Mengen
Das im Knochenmehl enthaltene Phosphat liegt überwiegend als Tricalciumphosphat vor. Dieses ist in Wasser schwer löslich, wird jedoch im Boden durch mikrobielle Aktivität und Pflanzenwurzeln langsam freigesetzt. Dadurch wirkt Knochenmehl als Langzeitdünger, der über mehrere Wochen bis Monate Nährstoffe abgibt.
Verwendung als Düngemittel
In der Landwirtschaft und im Gartenbau dient Knochenmehl vor allem als phosphorbetonter organischer Dünger. Es wird in Böden eingearbeitet, um die Phosphorversorgung von Pflanzen zu verbessern, und eignet sich besonders für Kulturen mit hohem Phosphorbedarf wie Kartoffeln, Zwiebeln, Obstgehölze und Blühpflanzen. Durch seinen hohen Calciumanteil hat es zusätzlich eine leicht kalkende Wirkung, die auf sauren Böden den pH-Wert anheben kann.
Gegenüber synthetischen Phosphordüngern wie Superphosphat bietet Knochenmehl den Vorteil einer langsameren, gleichmäßigeren Nährstofffreisetzung. Die Gefahr einer Überdüngung oder Auswaschung ins Grundwasser ist deutlich geringer. In der ökologischen Landwirtschaft war Knochenmehl lange Zeit ein geschätzter Dünger, unterliegt heute jedoch in der EU strengen Auflagen gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1069/2009 über tierische Nebenprodukte.
Einsatz in der Tierernährung
Historisch wurde Knochenmehl als Mineralfuttermittel in der Tierhaltung eingesetzt. Es diente als Calcium- und Phosphorquelle in der Fütterung von Rindern, Schweinen, Geflügel und Hunden. Insbesondere in der Aufzucht von Jungtieren und bei laktierenden Kühen sollte es den erhöhten Mineralbedarf decken und Mangelerscheinungen wie Rachitis oder Osteomalazie vorbeugen.
Diese Praxis wurde nach dem Auftreten der Bovinen Spongiformen Enzephalopathie (BSE) in den 1990er-Jahren grundlegend infrage gestellt. Die Verfütterung von aus Säugetieren gewonnenem Tiermehl – einschließlich Knochenmehl – an Wiederkäuer wurde in der Europäischen Union 1994 verboten. Seit 2001 gilt ein erweitertes Verfütterungsverbot von verarbeitetem tierischem Protein an alle Nutztiere, das nur schrittweise und unter strengen Bedingungen gelockert wurde. Seit 2021 ist die Verfütterung von verarbeitetem tierischem Protein aus Schweinen an Geflügel und umgekehrt unter bestimmten Voraussetzungen wieder zugelassen, jedoch bleibt die innerartliche Verfütterung verboten.
Rechtliche Rahmenbedingungen
Die Herstellung, der Handel und die Verwendung von Knochenmehl unterliegen in der EU umfangreichen Vorschriften. Die zentrale Rechtsgrundlage bildet die Verordnung (EG) Nr. 1069/2009, die tierische Nebenprodukte in drei Kategorien einteilt. Knochenmehl wird je nach Ausgangsmaterial und Verwendungszweck als Material der Kategorie 2 oder 3 eingestuft. Material der Kategorie 3, das aus genusstauglichen Schlachtkörpern stammt, darf unter bestimmten Bedingungen als Düngemittel oder in der Futtermittelproduktion verwendet werden.