Kondor
KTierart – Vögel > Greifvögel
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Vultur gryphus (Andenkondor), Gymnogyps californianus (Kalifornischer Kondor)
- Ordnung: Cathartiformes (Neuweltgeier)
- Familie: Cathartidae (Neuweltgeier)
- Lebensraum: Hochgebirge, offene Graslandschaften, Küstenregionen
- Größe: Andenkondor: 100–130 cm Körperlänge, Flügelspannweite bis 320 cm
- Gewicht: Andenkondor: 8–15 kg (Männchen schwerer als Weibchen); Kalifornischer Kondor: 8–10 kg
- Lebenserwartung: 50–70 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft über 75 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Kondor zählt zu den größten flugfähigen Vögeln der Erde. Der Andenkondor (Vultur gryphus) erreicht eine Flügelspannweite von bis zu 320 Zentimetern und übertrifft damit nahezu alle anderen landlebenden Vogelarten. Sein Gefieder ist überwiegend glänzend schwarz, an den Flügeloberseiten durchzogen von breiten weißen Binden, die besonders im Flug auffallen. Am Hals trägt der Andenkondor eine auffällige weiße Halskrause aus flauschigen Daunenfedern, die als eine Art Schutz gegen Verschmutzung beim Fressen dient.
Der Kopf und der obere Halsbereich sind nahezu unbefiedert und zeigen rötliche bis dunkelgraue Haut. Bei den Männchen fällt ein großer, fleischiger Kamm (Karunkel) auf dem Oberkopf auf, der bei den Weibchen fehlt – einer der wenigen sichtbaren Geschlechtsunterschiede (Sexualdimorphismus). Die Iris der Männchen ist braun, die der Weibchen rötlich. Der kräftige, hakenförmige Schnabel ist an der Basis dunkel und an der Spitze elfenbeinfarben.
Der Kalifornische Kondor (Gymnogyps californianus) ist etwas kleiner, erreicht aber dennoch eine Spannweite von rund 280 Zentimetern. Sein Gefieder ist einheitlich schwarz mit dreieckigen weißen Feldern an den Flügelunterseiten. Der unbefiederte Kopf variiert farblich von gelblich-orange bis rötlich, je nach Alter und Stimmungslage des Tieres.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Andenkondors erstreckt sich entlang der gesamten südamerikanischen Andenkette, von Venezuela und Kolumbien im Norden bis nach Feuerland im Süden. Sein bevorzugtes Habitat sind offene Hochgebirgsregionen in Höhen zwischen 3.000 und 5.000 Metern, doch er kommt auch an der pazifischen Küste Südamerikas vor, wo er die aufsteigenden Küstenwinde zum Segeln nutzt. Steile Felsklippen und Felsvorsprünge dienen als Schlaf- und Nistplätze.
Der Kalifornische Kondor bewohnte ursprünglich weite Teile des westlichen Nordamerikas. Sein Verbreitungsgebiet schrumpfte im 20. Jahrhundert dramatisch. Heute beschränkt sich sein Biotop auf wenige Regionen in Südkalifornien, Arizona und Baja California (Mexiko), wo er dank intensiver Auswilderungsprogramme wieder angesiedelt wurde. Er bevorzugt felsige, offene Landschaften mit Schluchten und trockene Grasebenen.
Ernährung
Beide Kondorarten sind obligate Aasfresser (Nekrophagen). Sie ernähren sich ausschließlich von Kadavern und töten keine lebende Beute. Der Andenkondor findet seine Nahrung sowohl im Hochgebirge – vor allem verendete Guanakos, Vikunjas, Rinder und Schafe – als auch an der Küste, wo er sich von angespülten Meereskadavern, toten Robben und Seevögeln ernährt.
Die Nahrungssuche erfolgt ausschließlich visuell. Anders als manche Altweltgeier verfügen Kondore über keinen ausgeprägten Geruchssinn und orientieren sich stattdessen am Verhalten anderer Aasfresser, etwa Truthahngeier (Cathartes aura), die über einen guten Geruchssinn verfügen. Ein ausgewachsener Kondor kann mehrere Kilogramm Fleisch auf einmal aufnehmen und anschließend tagelang ohne weitere Nahrung auskommen.
Verhalten & Lebensweise
Kondore sind tagaktiv und verbringen einen Großteil des Tages im Segelflug. Dank ihrer enormen Flügelspannweite und der breiten, geschlitzten Handschwingen nutzen sie thermische Aufwinde und Hangaufwinde mit äußerster Effizienz. Aktiver Flügelschlag ist selten und energetisch kostspielig; Kondore können stundenlang segeln, ohne ein einziges Mal mit den Flügeln zu schlagen. Dabei legen sie auf der Nahrungssuche Entfernungen von über 200 Kilometern am Tag zurück.
Andenkondore schlafen gemeinschaftlich an geschützten Felsvorsprüngen, sogenannten Schlafplatzgemeinschaften (Kommunalschlafplätzen), die teils von Dutzenden Individuen genutzt werden. Innerhalb dieser Gruppen besteht eine Rangordnung, die sich über Körperhaltung, Drohgebärden und gelegentliche Auseinandersetzungen manifestiert. Ältere, größere Männchen dominieren in der Regel den Zugang zu Kadavern.
Ein festes Revier im klassischen Sinne verteidigen Kondore nicht. Ihre Nahrungsquellen sind räumlich und zeitlich unvorhersehbar, weshalb sie nomadisch große Gebiete durchstreifen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Kondore erreichen die Geschlechtsreife erst im Alter von sechs bis acht Jahren – eine für Vögel ungewöhnlich späte Reife. Die Balz des Andenkondors umfasst Imponierverhalten der Männchen, die mit gespreizten Flügeln, aufgeblasenem Halssack und rhythmischem Zungenschnalzen um die Gunst der Weibchen werben. Kondore bilden monogame Paarbindungen, die oft lebenslang bestehen.
Das Weibchen legt ein einzelnes Ei, seltener zwei, direkt auf den blanken Felsuntergrund einer geschützten Nische oder Hö