Kreuzverschlag
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Definition & Überblick
Der Kreuzverschlag – in der veterinärmedizinischen Fachsprache als Rhabdomyolyse, Myoglobinurie oder Belastungsmyopathie bezeichnet – ist eine akute und äußerst schmerzhafte Erkrankung der Skelettmuskulatur, die vorwiegend bei Pferden auftritt. Dabei kommt es zu einer massiven Zerstörung von Muskelfasern, insbesondere in der Kruppen- und Rückenmuskulatur. Historisch war die Erkrankung unter Begriffen wie Feiertagskrankheit oder Lumbago bekannt, da sie klassischerweise nach Ruhetagen bei gleichbleibend hoher Kraftfutterzufuhr und anschließender plötzlicher Belastung auftrat.
Der Name „Kreuzverschlag" leitet sich von der auffälligen Steifheit und Schmerzhaftigkeit im Bereich der Kruppe (Kreuz) ab. Die Erkrankung kann in unterschiedlichen Schweregraden auftreten – von milden Formen mit leichter Bewegungsunlust bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen mit Festliegen und akutem Nierenversagen. Grundsätzlich wird zwischen der sporadischen Form, die einzelne Episoden umfasst, und der chronisch-rezidivierenden Form unterschieden, bei der genetische oder metabolische Grunderkrankungen eine Rolle spielen.
Ursachen & Risikofaktoren
Die Ursachen des Kreuzverschlags sind vielschichtig. Im Zentrum steht ein Missverhältnis zwischen Energiezufuhr und Energieverbrauch der Muskulatur, das zu einer Störung des Zellstoffwechsels führt. Folgende Mechanismen und Risikofaktoren sind von Bedeutung:
- Überschüssige Glykogenspeicher: Eine kohlenhydratreiche Fütterung (hohe Kraftfuttergaben) in Kombination mit unzureichender Bewegung führt zur übermäßigen Einlagerung von Glykogen in der Muskulatur. Bei plötzlicher Belastung entsteht eine massive Milchsäurebildung (Laktatakkumulation), die die Muskelfasern schädigt.
- Fütterungsfehler: Zu hohe Rations an Getreide oder stärkereichen Futtermitteln, besonders an Ruhetagen, gelten als klassischer Auslöser.
- Trainingsmangel oder unregelmäßiges Training: Pferde, die nach Ruhephasen abrupt intensiv belastet werden, sind besonders gefährdet.
- Genetische Prädisposition: Bestimmte Rassen wie Quarter Horses, Warmblüter und Vollblüter zeigen eine erhöhte Anfälligkeit. Erbliche Erkrankungen wie die Polysaccharid-Speichermyopathie (PSSM) oder die Recurrent Exertional Rhabdomyolysis (RER) verursachen wiederkehrende Episoden.
- Elektrolytimbalancen: Ein Mangel an Kalium, Natrium, Kalzium oder Selen kann die Muskelzellfunktion beeinträchtigen.
- Stress und Temperatur: Nervöse Pferde, Transportstress sowie extreme Wetterbedingungen erhöhen das Risiko.
- Geschlecht: Stuten scheinen häufiger betroffen zu sein als Wallache oder Hengste, was auf hormonelle Einflüsse hindeutet.
Symptome & Erkennung
Die Symptome des Kreuzverschlags treten typischerweise während oder kurz nach einer körperlichen Belastung auf und können stark variieren:
- Steifer, klammeriger Gang – häufig das erste erkennbare Anzeichen. Das Pferd tritt verkürzt und zeigt eine deutliche Unwilligkeit, sich zu bewegen.
- Starkes Schwitzen – oft unverhältnismäßig zur geleisteten Arbeit.
- Verhärtete, druckempfindliche Muskulatur – besonders an Kruppe, Lende und Oberschenkeln tastbar. Die betroffenen Muskeln können bretthart erscheinen.
- Erhöhte Atem- und Herzfrequenz (Tachykardie, Tachypnoe) als Ausdruck starker Schmerzen.
- Dunkelverfärbter Urin – ein alarmierendes Zeichen. Die bräunliche bis kaffeefarbene Verfärbung entsteht durch Myoglobin, das aus den zerstörten Muskelzellen freigesetzt und über die Nieren ausgeschieden wird.
- Bewegungsverweigerung bis Festliegen – in schweren Fällen kann das Pferd nicht mehr aufstehen.
- Kolikartige Symptome: Flehmen, Wälzversuche und Unruhe können auftreten und zu Verwechslungen mit einer Kolik führen.
Diagnose
Die Verdachtsdiagnose ergibt sich häufig bereits aus dem klinischen Bild in Verbindung mit der Vorgeschichte (Ruhetag, anschließende Belastung). Zur Absicherung und Einschätzung des Schweregrads stehen dem Tierarzt folgende diagnostische Verfahren zur Verfügung:
- Blutuntersuchung: Die Bestimmung der Muskelenzyme ist das wichtigste diagnostische Werkzeug. Erhöhte Werte der Kreatinkinase (CK) und der Aspartat-Aminotransferase (AST) zeigen das Ausmaß der Muskelzellschädigung an. CK-Werte können bei schweren Episoden auf das Hundertfache der Norm ansteigen.
- Urinuntersuchung: Der Nachweis von Myoglobin im Urin bestätigt die Diagnose. Gleichzeitig werden die Nierenwerte überprüft, da Myoglobin die Nierentubuli verstopfen und ein akutes Nierenversagen auslösen kann.
- Elektrolytbestimmung: Zur Erkennung von Imbalancen bei Kalzium, Kalium, Natrium und Phosphor.
- Muskelbiopsie: Bei wiederkehrenden Episoden ist eine Gewebeentnahme aus der Muskulatur indiziert, um genetisch bedingte Erkrankungen wie PSSM oder RER histologisch nachzuweisen.
- Genetischer Test: Für PSSM Typ 1 steht ein DNA-Test zur Verfüg