Lanolin
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Definition und Überblick
Lanolin, auch als Wollwachs oder Wollfett bezeichnet, ist ein natürliches Sekret aus den Talgdrüsen von Schafen. Es wird bei der Verarbeitung von Rohwolle gewonnen und zählt zu den ältesten vom Menschen genutzten Tierprodukten. Chemisch betrachtet handelt es sich nicht um ein Fett im engeren Sinne, sondern um ein komplexes Gemisch aus Wachsestern, freien Fettsäuren, Fettalkoholen und Kohlenwasserstoffen. Lanolin erfüllt beim Schaf eine Schutzfunktion: Es macht das Vlies wasserabweisend, schützt Haut und Haar vor Austrocknung und hält Parasiten sowie Umwelteinflüsse ab. In der Industrie findet gereinigtes Lanolin breite Verwendung in Kosmetik, Pharmazie, Lederpflege und zahlreichen weiteren Bereichen.
Herkunft und biologische Funktion
Lanolin wird von den Talgdrüsen (Glandulae sebaceae) der Schafhaut produziert. Diese Drüsen sind in der gesamten Haut verteilt und münden in die Haarfollikel, aus denen die einzelnen Wollfasern wachsen. Das Sekret verteilt sich entlang der Wollfaser und bildet einen dünnen, fetthaltigen Film. Dieser schützt das Schaf vor Nässe, da Regenwasser an der gewachsten Faser abperlt. Gleichzeitig hält Lanolin die Haut geschmeidig und verhindert, dass sie bei extremer Kälte, Wind oder Sonneneinstrahlung rissig wird.
Je nach Schafrasse, Haltungsbedingungen und Jahreszeit variiert der Lanolingehalt der Rohwolle erheblich. Merinoschafe, die für ihre besonders feine und dichte Wolle bekannt sind, produzieren vergleichsweise große Mengen Wollwachs. Der Anteil von Lanolin an der geschorenen Rohwolle kann bei diesen Rassen bis zu 25 Prozent des Gesamtgewichts ausmachen, während gröbere Wollrassen deutlich weniger Wollwachs aufweisen.
Gewinnung und Verarbeitung
Die Gewinnung von Lanolin erfolgt als Nebenprodukt der Wollverarbeitung. Nach der Schur wird die Rohwolle gewaschen – ein Vorgang, der in der Fachsprache als Wollwäsche oder Entschweißung bezeichnet wird. Dabei wird das Wollwachs zusammen mit Schmutz, Schweiß (Suint) und Pflanzenfasern aus dem Vlies herausgelöst. Das Waschwasser, auch Wollschweißwasser genannt, enthält das Lanolin in emulgierter Form.
Durch Zentrifugation wird das Rohlanolin vom Waschwasser getrennt. Anschließend durchläuft es mehrere Reinigungsstufen:
- Entfernung von Verunreinigungen – Schmutzpartikel, Pestizid-Rückstände und Farbpigmente werden herausgefiltert.
- Bleichung – Das gelblich-braune Rohprodukt wird aufgehellt, um ein helles, geruchsarmes Endprodukt zu erhalten.
- Desodorierung – Der charakteristische Eigengeruch wird reduziert.
Das Ergebnis ist Adeps Lanae (pharmazeutische Bezeichnung), ein salbenartiges, gelbliches Wachs mit einer pastösen Konsistenz. Es gibt verschiedene Handelsqualitäten: wasserfreies Lanolin (Lanolinum anhydricum) und wasserhaltiges Lanolin, das bereits mit Wasser zu einer Emulsion verarbeitet wurde. Weltweit werden jährlich schätzungsweise 15.000 bis 20.000 Tonnen Rohlanolin produziert, wobei Australien und Neuseeland als größte Erzeugerländer gelten.
Chemische Zusammensetzung
Die Zusammensetzung von Lanolin ist außerordentlich komplex. Es besteht aus über 10.000 verschiedenen chemischen Verbindungen. Den Hauptanteil bilden Wachsester, die durch Veresterung langkettiger Fettsäuren mit langkettigen Fettalkoholen entstehen. Daneben enthält Lanolin freie Fettsäuren (etwa Lanopalmitinsäure und Lanostearinsäure), freie Fettalkohole (wie Lanosterol und Cholesterol), Kohlenwasserstoffe sowie geringe Mengen an freien Sterolen.
Eine herausragende Eigenschaft von Lanolin ist seine Fähigkeit, große Mengen Wasser aufzunehmen und stabile Wasser-in-Öl-Emulsionen zu bilden. Wasserfreies Lanolin kann bis zum Doppelten seines eigenen Gewichts an Wasser binden. Diese Emulgierfähigkeit macht es zu einer idealen Grundlage für Salben und Cremes, da es als Trägerstoff sowohl fettlösliche als auch wasserlösliche Wirkstoffe aufnehmen kann.
Verwendung in Kosmetik, Pharmazie und Industrie
Die Anwendungsgebiete von Lanolin und seinen Derivaten sind vielfältig:
- Kosmetik: Lanolin ist ein gängiger Inhaltsstoff in Hautcremes, Lippenpflegestiften, Haarspülungen und Rasierschaum. Es wirkt rückfettend, feuchtigkeitsbewahrend und hautglättend. In der INCI-Deklaration (International Nomenclature of Cosmetic Ingredients) wird es als „Lanolin" aufgeführt.
- Pharmazie: Als Salbengrundlage dient Adeps Lanae in der Rezeptur zahlreicher Heilsalben. Seine gute Hautverträglichkeit und die Fähigkeit zur Wirkstoffaufnahme machen es zu einem bewährten Hilfsstoff. Brustwarzensalben für stillende Mütter basieren häufig auf hochreinem Lanolin.
- Technische Anwendungen: In der Metallverarbeitung wird Lanolin als Korrosionsschutz eingesetzt. Lederpflegemittel, Schmierstoffe und Textilhilfsmittel enthalten ebenfalls Lanolinderivate.
- Vitamin-D-Gewinnung: Aus dem im Lanolin enthaltenen 7-Dehydrocholesterol wird durch UV-Bestrahlung Vitamin D₃ (Cholecalciferol) synthetisiert. Ein großer Teil der industriell hergestellten Vitamin-D-Präparate hat somit seinen Ursprung in Schafwollfett.
Allergien und Verträglichkeit
Lanolin gilt grundsätzlich als gut verträglich, kann jedoch bei emp