Lebendfutter
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Definition & Überblick
Als Lebendfutter bezeichnet man lebende Organismen, die als Nahrung an gehaltene Tiere verfüttert werden. In der Terraristik umfasst dieser Begriff ein breites Spektrum an Futtertieren – von Insekten über Würmer bis hin zu kleinen Wirbeltieren. Lebendfutter stellt für viele Reptilien, Amphibien und Wirbellose die artgerechteste Form der Ernährung dar, da es dem natürlichen Beutespektrum in freier Wildbahn entspricht und gleichzeitig wichtige Verhaltensweisen wie den Jagdtrieb stimuliert.
Typische Futtertiere in der Terraristik sind Heimchen (Acheta domesticus), Grillen (Gryllus bimaculatus), Heuschrecken (Schistocerca gregaria, Locusta migratoria), Schaben (z. B. Blaptica dubia, Shelfordella lateralis), Mehlwürmer, Zophobas, Wachsmotten und deren Larven, Fruchtfliegen (Drosophila) sowie verschiedene Wurmarten. Für größere Reptilien kommen auch Mäuse, Ratten oder Küken in Frage, wobei bei der Verfütterung von Wirbeltieren besondere Tierschutzaspekte zu beachten sind.
Lebendfutter liefert nicht nur hochwertige Proteine, Fette und Mikronährstoffe, sondern bietet den Pfleglingen auch Beschäftigung. Das Jagen und Fangen der Beute fördert die körperliche und geistige Aktivität – ein zentraler Aspekt artgerechter Haltung im Gehege.
Grundlagen & Voraussetzungen
Wer Lebendfutter einsetzen möchte, muss einige Grundvoraussetzungen verstehen. Zunächst ist die Artbestimmung des Pfleglings entscheidend: Ein Leopardgecko hat völlig andere Ansprüche als ein Chamäleon oder ein Pfeilgiftfrosch. Die Größe der Futtertiere muss zur Körpergröße des gehaltenen Tieres passen – als Faustregel gilt, dass das Futtertier nicht breiter sein sollte als der Kopf des Fressers.
Wichtige Grundlagen im Überblick:
- Nährstoffgehalt: Verschiedene Futtertierarten unterscheiden sich erheblich in ihrem Protein-Fett-Verhältnis. Wachsmottenlarven sind extrem fettreich und eignen sich nur als gelegentlicher Snack, während Heimchen und Heuschrecken ein ausgewogeneres Nährstoffprofil bieten.
- Calcium-Phosphor-Verhältnis: Die meisten Futterinsekten haben ein ungünstiges Calcium-Phosphor-Verhältnis. Ohne Supplementierung drohen Mangelerscheinungen wie metabolische Knochenerkrankung (MBD).
- Gut-Loading: Darunter versteht man die gezielte Fütterung der Futtertiere mit nährstoffreicher Kost (Gemüse, Obst, spezielle Gut-Loading-Mischungen) 24–48 Stunden vor der Verfütterung. Damit verbessert sich der Nährstoffgehalt erheblich.
- Supplementierung: Das Bestäuben der Futtertiere mit Calcium- und Vitaminpulver unmittelbar vor der Fütterung ist bei den meisten insektivoren Reptilien und Amphibien unverzichtbar.
Aus Tierschutzperspektive ist zu beachten, dass auch Futtertiere empfindungsfähige Lebewesen sind. Ihre Haltung muss angemessene Bedingungen bieten: ausreichend Platz, Futter, Wasser und Versteckmöglichkeiten. Das deutsche Tierschutzgesetz schützt grundsätzlich alle Wirbeltiere – die Lebendfütterung von Wirbeltieren (z. B. Mäusen) an Reptilien ist nur erlaubt, wenn eine Ernährung mit toten Futtertieren nicht möglich ist.
Praktische Umsetzung
Die praktische Handhabung von Lebendfutter beginnt mit der Beschaffung. Futtertiere sind im Zoofachhandel, auf Reptilienbörsen oder bei spezialisierten Online-Händlern erhältlich. Viele erfahrene Halter betreiben zudem eine eigene Futtertierzucht, was langfristig kostengünstiger und nachhaltiger ist.
Bei der Fütterung im Terrarium gibt es verschiedene Methoden:
- Freie Fütterung: Die Futtertiere werden direkt ins Gehege gegeben. Das fördert natürliches Jagdverhalten, birgt aber das Risiko, dass sich Futtertiere verstecken und nachts am schlafenden Tier nagen – besonders bei Heimchen und Grillen ein reales Problem.
- Pinzettenfütterung: Einzelne Futtertiere werden mit einer stumpfen Futterpinzette angeboten. Das ermöglicht eine genaue Kontrolle der Futtermenge und eignet sich besonders für scheue oder kranke Tiere.
- Futternäpfe und Escape-Proof-Schalen: Glatte, hohe Schalen verhindern das Entkommen der Futtertiere und erleichtern die Kontrolle.
Die Fütterungsfrequenz variiert stark: Junge, wachsende Reptilien benötigen oft tägliche Fütterung, adulte Tiere je nach Art nur alle zwei bis drei Tage oder seltener. Übergewicht durch übermäßige Fütterung ist ein häufiges Problem in der Terraristik.
Häufige Fehler
- Einseitige Ernährung: Wer ausschließlich eine einzige Futtertierart anbietet, riskiert Mangelerscheinungen. Ein abwechslungsreiches Beutespektrum ist entscheidend für eine artgerechte Ernährung.
- Fehlende Supplementierung: Das Vergessen von Calcium- und Vitaminpulver führt über Wochen und Monate zu schweren Stoffwechselstörungen, die bei Reptilien oft erst spät erkennbar sind.
- Zu große Futtertiere: Überdimensionierte Beute kann zu Verletzungen im Maulbereich oder zu Verdauungsproblemen führen. Bei Schlangen besteht sogar Erstickungsgefahr.
- Futtertiere über Nacht im Terrarium lassen: Nicht gefressene Heimchen und Grillen können Hautverletzungen an ruhenden oder geschwächten Tieren verursachen. Überzählige