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Lecken

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Definition & Überblick

Lecken gehört zum normalen Verhaltensrepertoire nahezu aller Säugetiere. Hunde, Katzen, Pferde und viele weitere Tierarten lecken sich selbst, Artgenossen oder auch Menschen aus unterschiedlichsten Gründen – zur Körperpflege, als soziale Geste oder zur Wundversorgung. Wird das Lecken jedoch übermäßig, zwanghaft oder auf bestimmte Körperstellen fokussiert, handelt es sich um ein pathologisches Verhalten, das als Symptom einer zugrunde liegenden Erkrankung zu werten ist.

In der Tiermedizin wird übermäßiges Lecken als exzessives Leckverhalten bezeichnet. Eine besonders häufige Ausprägung ist das sogenannte Leckgranulom (auch akrale Leckdermatitis), bei dem das Tier durch ständiges Belecken einer Hautstelle eine chronische, granulomatöse Hautveränderung verursacht. Das Phänomen betrifft vor allem Hunde und Katzen, kann aber grundsätzlich bei allen Haustierarten auftreten. Die Ursachen reichen von dermatologischen über orthopädische bis hin zu psychischen Erkrankungen, weshalb eine sorgfältige diagnostische Aufarbeitung unerlässlich ist.

Ursachen & Risikofaktoren

Die Ursachen für pathologisches Lecken sind vielfältig und lassen sich in mehrere Kategorien einteilen:

  • Dermatologische Ursachen: Allergien (Futtermittelallergie, Umweltallergien bzw. atopische Dermatitis, Flohspeichelallergie), bakterielle oder mykotische Hautinfektionen, Parasitenbefall (Demodikose, Sarkoptesräude), Kontaktdermatitis sowie Hotspots (akute feuchte Dermatitis).
  • Orthopädische und neurologische Ursachen: Gelenkerkrankungen wie Arthrose, Frakturen, Sehnenverletzungen, Neuropathien oder Bandscheibenvorfälle können lokalen Schmerz verursachen, den das Tier durch Lecken der betroffenen Stelle zu lindern versucht.
  • Gastrointestinale Ursachen: Übelkeit, Gastritis, Fremdkörper im Magen-Darm-Trakt oder Reflux führen bei manchen Tieren – insbesondere bei Hunden – zu exzessivem Lecken von Oberflächen, Pfoten oder Lippen. Dieses Verhalten wird als Excessive Licking of Surfaces (ELS) beschrieben.
  • Psychogene Ursachen: Langeweile, Stress, Trennungsangst, mangelnde Auslastung oder Veränderungen im sozialen Umfeld können eine Zwangsstörung (kompulsive Verhaltensstörung) auslösen, bei der das Lecken als Übersprungshandlung oder Bewältigungsstrategie dient.
  • Hormonelle Ursachen: Erkrankungen wie Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) oder Hyperadrenokortizismus (Cushing-Syndrom) können über Hautveränderungen oder allgemeines Unwohlsein Leckverhalten begünstigen.

Zu den Risikofaktoren zählen bestimmte Rassen – Labrador Retriever, Deutsche Doggen, Dobermänner und Weimaraner sind beim Hund überdurchschnittlich häufig betroffen. Auch höheres Alter, Einzelhaltung, reizarme Umgebung und ein ängstliches Temperament erhöhen das Risiko.

Symptome & Erkennung

Die Anzeichen für krankhaftes Lecken unterscheiden sich deutlich von der normalen Fellpflege:

  • Häufigkeit und Dauer: Das Tier leckt wiederholt und über längere Zeiträume dieselbe Körperstelle, oft über Minuten bis Stunden am Stück.
  • Lokale Hautveränderungen: Haarausfall (Alopezie), gerötete oder feuchte Haut, Verfärbung des Fells (bräunlich durch Speichel, besonders bei hellem Fell), Verdickung der Haut (Lichenifikation), offene Wunden oder knotige Gewebezubildungen (Granulome).
  • Sekundärinfektionen: Durch die ständige Feuchtigkeit und mechanische Reizung siedeln sich häufig Bakterien an. Es entstehen eitrige, übelriechende Wunden.
  • Verhaltensauffälligkeiten: Das Tier lässt sich vom Lecken nur schwer ablenken, zeigt Unruhe, wenn es daran gehindert wird, oder leckt bevorzugt in Stresssituationen.
  • Bei gastrointestinaler Ursache: Vermehrtes Schlucken, Lippenlecken, Speicheln, Lecken an Böden, Wänden oder Möbeln, gelegentlich begleitet von Appetitlosigkeit oder Erbrechen.

Katzen zeigen exzessives Lecken häufig in Form der psychogenen Alopezie – symmetrischer Haarausfall, meist am Bauch, an den Innenschenkeln oder Flanken, ohne sichtbare Hautentzündung.

Diagnose

Die diagnostische Aufarbeitung ist oft komplex, da eine psychogene Ursache erst als Ausschlussdiagnose gestellt werden darf – also nachdem alle organischen Erkrankungen ausgeschlossen wurden.

  • Klinische Untersuchung: Gründliche Inspektion der Haut und der beleckten Stellen, Palpation der Gelenke und Gliedmaßen, allgemeine körperliche Untersuchung.
  • Dermatologische Diagnostik: Hautgeschabsel zum Ausschluss von Ektoparasiten, zytologische Untersuchung (Abklatschpräparate) zum Nachweis von Bakterien oder Hefepilzen, Trichogramm (mikroskopische Haaruntersuchung), Pilzkultur.
  • Allergietests: Eliminationsdiät über mindestens acht Wochen bei Verdacht auf Futtermittelallergie, serologische Tests oder Intrakutantests bei Verdacht auf Umweltallergien.
  • Bildgebende Verfahren: Röntgenaufnahmen oder weiterführende Diagnostik wie CT oder MRT bei Verdacht auf orthopädische oder neurologische Grunderkrankungen.
  • Blutuntersuchung: Großes Blutbild, Organprofil, Schilddrüsenwerte (T4, fT4, TSH), gegebenenfalls Cor