Leder
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Definition und Überblick
Leder ist ein durch Gerbung haltbar gemachtes Naturmaterial, das aus der Haut von Tieren gewonnen wird. Es zählt zu den ältesten Tierprodukten der Menschheitsgeschichte und wird seit mindestens 7.000 Jahren verarbeitet. Durch den Gerbprozess wird die rohe Tierhaut, die sonst verwesen würde, in ein langlebiges, flexibles und vielseitig einsetzbares Material umgewandelt. Die Lederherstellung ist weltweit ein bedeutender Wirtschaftszweig, der eng mit der Fleisch- und Milchindustrie verknüpft ist, da Tierhäute in den meisten Fällen als Nebenprodukt der Schlachtung anfallen.
Tierarten und Rohstoffe
Der überwiegende Teil des weltweit produzierten Leders stammt von Rindern. Rindsleder macht etwa 65 bis 70 Prozent der globalen Lederproduktion aus. Die Haut ausgewachsener Rinder ergibt ein robustes, dickes Leder, während Kalbsleder feiner und geschmeidiger ist.
Neben Rindern dienen zahlreiche weitere Tierarten als Rohstofflieferanten:
- Schafe und Ziegen: Schaf- und Ziegenleder ist dünner und weicher als Rindsleder. Es wird häufig für Handschuhe, Bekleidung und Bucheinbände verwendet. Ziegenleder, auch als Chevreauleder bekannt, zeichnet sich durch eine charakteristische Narbung aus.
- Schweine: Schweinsleder ist porös und atmungsaktiv, wird aber seltener eingesetzt als Rindsleder.
- Pferde: Pferdeleder findet vor allem als Cordovan Verwendung, ein besonders dichtes und glänzendes Leder aus der Kruppe des Pferdes.
- Exotische Tierarten: Krokodil-, Schlangen-, Straußen- und Eidechsenleder gelten als Luxusmaterialien. Auch Fischhäute von Lachs, Aal oder Rochen werden zu Leder verarbeitet.
Die Qualität der Rohhaut hängt von Tierart, Rasse, Alter, Haltungsbedingungen und Geschlecht des Tieres ab. Narben, Insektenstiche, Brandzeichen und Hautkrankheiten mindern den Wert der Haut erheblich.
Herstellungsprozess
Die Transformation von roher Tierhaut in fertiges Leder durchläuft mehrere aufwendige Arbeitsschritte, die sich in drei Hauptphasen gliedern lassen:
Wasserwerkstatt (Vorbereitung): Nach der Schlachtung wird die Rohhaut zunächst konserviert – meist durch Salzen oder Trocknen –, um Fäulnis zu verhindern. In der Gerberei erfolgt dann das Weichen, bei dem die Haut in Wasser eingelegt wird, um sie in ihren ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen. Anschließend werden beim Äschern und Enthaaren Epidermis, Haare und Unterhautgewebe entfernt. Übrig bleibt die sogenannte Blöße – die eigentliche Lederhaut (Dermis), die hauptsächlich aus Kollagenfasern besteht.
Gerbung: Die Gerbung ist der zentrale Schritt der Lederherstellung. Dabei werden die Kollagenfasern durch Gerbstoffe chemisch stabilisiert, sodass das Material nicht mehr fault und seine Struktur dauerhaft behält. Die drei wichtigsten Gerbverfahren sind:
- Chromgerbung: Mit etwa 80 bis 85 Prozent Marktanteil das weltweit dominierende Verfahren. Chromsalze (Chrom-III-Sulfat) reagieren mit den Kollagenfasern. Das Verfahren ist schnell und liefert weiches, gleichmäßig gefärbtes Leder, steht jedoch wegen möglicher Umweltbelastungen durch Chromabwässer in der Kritik.
- Pflanzliche Gerbung (vegetabile Gerbung): Eines der ältesten Verfahren, bei dem natürliche Tannine aus Rinden, Hölzern oder Früchten eingesetzt werden. Der Prozess dauert Wochen bis Monate und ergibt ein festes, formstabiles Leder mit warmem Farbton.
- Sämischgerbung: Hierbei werden Tran oder tierische Fette als Gerbmittel verwendet. Das Ergebnis ist ein besonders weiches, saugfähiges Leder, etwa das klassische Fensterleder.
Zurichtung (Finishing): Nach der Gerbung wird das Leder gefärbt, gefettet, getrocknet und je nach Verwendungszweck oberflächenbehandelt. Durch Schleifen, Prägen, Lackieren oder Wachsen erhält das Leder seine endgültige Optik und Haptik.
Lederarten und Qualitätsstufen
Leder wird nach verschiedenen Kriterien klassifiziert. Hinsichtlich der Schnittführung unterscheidet man Narbenspaltleder (die obere, wertvollere Schicht mit der natürlichen Oberfläche) und Fleischspaltleder (die untere Schicht, die oft beschichtet und als Spaltleder verkauft wird). Vollnarbiges Leder, bei dem die natürliche Hautoberfläche ungeschliffen erhalten bleibt, gilt als höchste Qualitätsstufe. Bei korrigiertem Leder wird die Oberfläche angeschliffen, um Fehler zu kaschieren, und anschließend mit einer Zurichtung versehen.
Weitere gängige Bezeichnungen sind Anilinleder (durchgefärbt, offenporig, ohne deckende Oberflächenbeschichtung), Semianilinleder (leicht pigmentiert) und Nappaleder (ein Sammelbegriff für besonders weiches, chromgegerbtes Glattleder).
Verwendung
Leder findet in zahlreichen Bereichen Anwendung. Zu den wichtigsten gehören die Schuhproduktion, die Möbel- und Automobilindustrie, die Bekleidungsherstellung sowie die Fertigung von Taschen, Gürteln, Sätteln und technischen Produkten. In der Buchbinderei, Musikinstrumentenherstellung und im traditionellen Handwerk spielt Leder ebenfalls eine Rolle.
Tierschutz und ethische Aspekte
Die Lederproduktion ist aus tierethischer Sicht umstritten. Während die Industrie argumentiert, dass Leder überwiegend ein Ne