Lederhaut
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Definition & Überblick
Die Lederhaut (lat. Dermis oder Corium) bildet die mittlere der drei Hautschichten bei Wirbeltieren. Sie liegt zwischen der äußeren Oberhaut (Epidermis) und der darunter befindlichen Unterhaut (Subcutis, Hypodermis). Die Bezeichnung „Lederhaut" leitet sich von der Tatsache ab, dass aus dieser Schicht durch Gerbung tierischer Häute Leder gewonnen wird. Die Dermis verleiht der Haut ihre mechanische Widerstandsfähigkeit, Elastizität und Reißfestigkeit. Als bindegewebige Schicht beherbergt sie Blutgefäße, Nerven, Haarfollikel, Drüsen und Sinneszellen und stellt damit die funktionell komplexeste Zone der Cutis (Oberhaut und Lederhaut zusammen) dar.
Aufbau & Struktur
Histologisch gliedert sich die Lederhaut in zwei Schichten, die ohne scharfe Grenze ineinander übergehen:
- Stratum papillare (Papillarschicht): Diese oberflächliche Zone besteht aus lockerem, gefäßreichem Bindegewebe. Sie bildet fingerförmige Ausstülpungen – die Papillen (Papillae dermales) –, die in die Epidermis hineinragen und eine mechanische Verzahnung zwischen den beiden Schichten herstellen. In den Papillen verlaufen Kapillarschlingen, die die gefäßlose Epidermis per Diffusion mit Nährstoffen versorgen. Hier befinden sich außerdem freie Nervenendigungen sowie eingekapselte Mechanorezeptoren wie die Meissner-Körperchen.
- Stratum reticulare (Netzschicht): Die tiefere, deutlich dickere Schicht besteht aus straffem, geflechtartig angeordnetem Bindegewebe. Dicke Bündel aus Kollagenfasern (vorwiegend Kollagen Typ I und III) durchziehen diese Zone in verschiedenen Richtungen und verleihen der Haut ihre enorme Zugfestigkeit. Eingelagerte elastische Fasern aus Elastin sorgen für die Rückstellfähigkeit nach Dehnung. Im Stratum reticulare liegen die Haarfollikel mit ihren Musculi arrectores pilorum, Talg- und Schweißdrüsen sowie tiefere Nervenstrukturen wie Vater-Pacini-Körperchen (Lamellenrezeptoren für Vibration).
Die Grundsubstanz der Dermis enthält Glykosaminoglykane – vor allem Hyaluronsäure und Dermatansulfat –, die große Mengen Wasser binden und so den Turgor der Haut aufrechterhalten. Fibroblasten als vorherrschender Zelltyp synthetisieren sowohl Fasern als auch Grundsubstanz. Daneben finden sich Mastzellen, Makrophagen und dendritische Zellen als Bestandteile des dermalen Immunsystems.
Funktion
Die Lederhaut erfüllt mehrere zentrale Aufgaben:
- Mechanischer Schutz: Das kollagene Fasernetzwerk absorbiert Zug-, Scher- und Druckkräfte und schützt tieferliegende Strukturen vor Verletzungen.
- Ernährung der Epidermis: Über das dichte Kapillarnetz der Papillarschicht werden Sauerstoff und Nährstoffe an die gefäßlose Oberhaut abgegeben.
- Thermoregulation: Arteriovenöse Anastomosen und subpapilläre Venenplexus ermöglichen eine gezielte Steuerung der Hautdurchblutung. Bei Wärme weiten sich die Gefäße (Vasodilatation), bei Kälte verengen sie sich (Vasokonstriktion).
- Sensorik: Unterschiedliche Rezeptortypen registrieren Berührung, Druck, Vibration, Temperatur und Schmerz und leiten die Informationen über dermale Nervenfasern an das zentrale Nervensystem weiter.
- Immunabwehr: Dermale Makrophagen, Mastzellen und dendritische Zellen bilden eine immunologische Barriere gegenüber eingedrungenen Erregern.
- Verankerung von Hautanhangsgebilden: Haarfollikel, Drüsen und bei manchen Spezies auch Schuppen oder Federfollikel sind in der Dermis verankert.
Unterschiede zwischen Tierarten
Die Dicke und Beschaffenheit der Lederhaut variiert erheblich zwischen den Tierarten und korreliert mit den jeweiligen Anforderungen an mechanischen Schutz und Thermoregulation.
- Pferd: Die Dermis des Pferdes ist besonders an den Gliedmaßen relativ dünn, weist aber an der Huflederhaut (Corium ungulae) eine hochspezialisierte Struktur auf. Hier bilden lange Papillen und Lamellen (Blättchen) die Verbindung zwischen Hufbein und Hornkapsel. Die Huflederhaut wird in Saum-, Kron-, Wand-, Sohlen- und Ballenlederhaut unterteilt.
- Rind: Das Corium des Rindes ist insgesamt dicker als beim Pferd, was die Haut widerstandsfähiger gegenüber mechanischen Einflüssen macht. Diese Eigenschaft macht Rinderhaut zum bevorzugten Ausgangsmaterial für die Lederherstellung. An der Klaue zeigt die Klauenlederhaut eine den Pferdehufen analoge, aber vereinfachte Gliederung.
- Hund und Katze: Die Dermis ist dünner als bei Großtieren und relativ locker mit der Unterhaut verbunden, was die ausgeprägte Hautverschieblichkeit dieser Spezies erklärt. Die Haardichte und Follikelarchitektur variiert rassebedingt stark.
- Schwein: Die Schweinehaut weist histologisch große Ähnlichkeit mit der menschlichen Haut auf. Die Dermis enthält weniger Haare und eine vergleichsweise dicke Papillarschicht, weshalb Schweinehaut in der biomedizinischen Forschung als Modell dient.
- Vögel: Die Lederhaut ist generell dünn und zart, da das Federkleid den primären mechanischen Schutz übernimmt. An den unbefiederten Ständern (Lauf und Zehen) verdickt sich die Dermis und bildet die Grundlage für die Hornsc