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Leistenbruch

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Definition & Überblick

Ein Leistenbruch – in der tiermedizinischen Fachsprache als Hernia inguinalis bezeichnet – beschreibt den Durchtritt von Bauchorganen oder Bauchfell durch den Leistenkanal (Canalis inguinalis) oder den Leistenring (Anulus inguinalis). Dabei gelangen Organteile wie Dünndarmschlingen, Netzgewebe (Omentum) oder bei weiblichen Tieren auch der Uterus durch eine anatomische Schwachstelle in der Bauchwand in den Leistenbereich oder bis in den Hodensack (dann als Skrotalhernie bzw. Hodensackbruch bezeichnet).

Betroffen sind grundsätzlich alle Haustierarten, besonders häufig treten Leistenbrüche jedoch bei Hunden, Pferden und Schweinen auf. Bei Hunden sind vor allem intakte Hündinnen mittleren Alters sowie bestimmte Rassen überrepräsentiert. Beim Pferd stellt der Leistenbruch bei Hengsten und Wallachen ein klinisch bedeutsames Problem dar, das rasch lebensbedrohlich werden kann.

Man unterscheidet grundsätzlich zwischen einem direkten Leistenbruch, bei dem der Bruchinhalt direkt durch die Bauchwand tritt, und einem indirekten Leistenbruch, bei dem der Durchtritt entlang des Samenstrangs durch den inneren Leistenring erfolgt. Klinisch besonders relevant ist die Differenzierung zwischen reponiblen (zurückverlagerbaren), irreponiblen (nicht zurückverlagerbaren) und inkarzerierten (eingeklemmten) Hernien, da letztere einen chirurgischen Notfall darstellen.

Ursachen & Risikofaktoren

Die Ursachen eines Leistenbruchs sind vielfältig und lassen sich in angeborene und erworbene Faktoren unterteilen:

  • Angeborene Prädisposition: Ein zu weiter Leistenring ist häufig genetisch bedingt. Bei Fohlen und Ferkeln treten Leistenbrüche oft bereits in den ersten Lebenswochen auf. Bestimmte Hunderassen wie Pekinese, Basset Hound, West Highland White Terrier und Cocker Spaniel zeigen eine erbliche Veranlagung.
  • Hormonelle Einflüsse: Bei Hündinnen begünstigt Östrogen eine Erschlaffung des Bindegewebes im Leistenbereich. Trächtige und scheinträchtige Hündinnen sind daher überproportional häufig betroffen.
  • Erhöhter Bauchdruck: Übergewicht (Adipositas), Trächtigkeit, chronischer Husten, starkes Pressen beim Kotabsatz (Obstipation) oder Bauchwassersucht (Aszites) erhöhen den intraabdominalen Druck und begünstigen den Organvorfall.
  • Trauma: Stumpfe Bauchverletzungen, beispielsweise durch Tritte bei Pferden oder Unfälle, können den Leistenring erweitern oder die umgebende Muskulatur schwächen.
  • Alter und Gewebeschwäche: Mit zunehmendem Alter lässt die Festigkeit des Bindegewebes nach, wodurch die Bauchwand anfälliger für Brüche wird.

Symptome & Erkennung

Die klinischen Anzeichen variieren je nach Größe des Bruchs, Art des Bruchinhalts und dem Vorliegen einer Einklemmung:

  • Sichtbare oder tastbare Schwellung: In der Leistenregion fällt eine weiche, oft schmerzlose Umfangsvermehrung auf, die sich bei unkomplizierten Hernien zurückdrücken lässt und beim Pressen oder Aufstehen des Tieres deutlicher hervortritt.
  • Schmerzreaktion: Bei einer Inkarzeration (Einklemmung) zeigen Tiere deutliche Schmerzäußerungen – Hunde jaulen bei Berührung, Pferde zeigen Koliksymptome wie Scharren, Flehmen und Wälzen.
  • Verdauungsstörungen: Sind Darmschlingen eingeklemmt, kommt es zu Appetitlosigkeit, Erbrechen (bei Hund und Katze), ausbleibendem Kotabsatz und zunehmender Aufgasung des Abdomens.
  • Allgemeinbefinden: Bei fortgeschrittener Inkarzeration verschlechtert sich der Allgemeinzustand rapide. Fieber, Apathie, beschleunigter Puls (Tachykardie) und Anzeichen eines Schockgeschehens können auftreten.
  • Hodensackschwellung: Bei männlichen Tieren, insbesondere Hengsten, kann eine einseitige Vergrößerung des Skrotums auf eine Skrotalhernie hinweisen.

Kleine, unkomplizierte Leistenbrüche – etwa bei neugeborenen Ferkeln oder Welpen – bleiben häufig zunächst symptomlos und werden als Zufallsbefund entdeckt.

Diagnose

Die Diagnosestellung erfolgt durch eine systematische klinische Untersuchung und gegebenenfalls bildgebende Verfahren:

  • Palpation: Die manuelle Untersuchung der Leistenregion ist der erste und wichtigste diagnostische Schritt. Der Tierarzt beurteilt Größe, Konsistenz und Reponibilität der Schwellung. Ein typisches Gurgelgeräusch beim Zurückdrücken kann auf Darminhalt hindeuten.
  • Ultraschalluntersuchung (Sonografie): Die Sonografie gilt als Methode der Wahl, um den Bruchinhalt zu identifizieren – ob Darmschlingen, Netz, Harnblase oder Uterus vorliegen. Gleichzeitig lässt sich die Durchblutung des Bruchinhalts beurteilen und eine Inkarzeration erkennen.
  • Röntgenuntersuchung: Röntgenbilder des Abdomens können gasgeblähte Darmschlingen im Bruchsack darstellen und Hinweise auf einen mechanischen Darmverschluss (Ileus) liefern.
  • Rektale Untersuchung: Beim Pferd ermöglicht die rektale Palpation eine Beurteilung des inneren Leistenrings und der dort möglicherweise eingeklemmten Strukturen.
  • Labordiagnostik: Blutuntersuchungen (Blutbild, Laktat, Elektrolyte) helfen, den Schweregrad einer möglichen Darmschädigung einzuschätzen und den Patienten für eine Operation vorzubereiten.