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Lungenfisch

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Tierart – Fische > Sonstige Fische

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Dipnoi (Unterklasse)
  • Ordnung: Ceratodontiformes (Australischer Lungenfisch) / Lepidosireniformes (Südamerikanischer und Afrikanische Lungenfische)
  • Familien: Neoceratodontidae, Lepidosirenidae, Protopteridae
  • Gattungen: Neoceratodus (Australien), Lepidosiren (Südamerika), Protopterus (Afrika)
  • Lebensraum: Süßgewässer – Flüsse, Seen, Sümpfe und saisonale Überschwemmungsgebiete
  • Größe: 50 cm (Protopterus amphibius) bis 170 cm (Neoceratodus forsteri)
  • Gewicht: je nach Art 2 bis über 40 kg
  • Lebenserwartung: in freier Natur 20–25 Jahre; in Gefangenschaft bis über 80 Jahre (dokumentierter Rekord des Australischen Lungenfischs „Granddad" im Shedd Aquarium: über 90 Jahre)

Aussehen & Merkmale

Lungenfische besitzen einen langgestreckten, teils aalartigen Körperbau, der je nach Art unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Die Schuppen sind groß, rund und überlappend – bei Neoceratodus besonders kräftig und von kosmoidem Typ, bei den afrikanischen und südamerikanischen Vertretern dünner und tiefer eingebettet. Die Körperfärbung variiert von olivgrün und bräunlich bis graugrün, oft mit dunklerer Marmorierung oder Fleckung, die als Tarnung im trüben Wasser dient.

Ein zentrales anatomisches Merkmal ist die Lunge, die als Ausstülpung des Vorderdarms entstanden ist und funktionell der Schwimmblase anderer Knochenfische homolog ist. Bei den afrikanischen (Protopterus) und dem südamerikanischen Lungenfisch (Lepidosiren paradoxa) sind paarige Lungen ausgebildet, beim Australischen Lungenfisch nur eine einzelne. Die Kiemen sind bei allen Arten vorhanden, jedoch bei Protopterus und Lepidosiren stark reduziert, sodass diese Tiere ohne Luftatmung nicht überlebensfähig sind.

Die paarigen Flossen unterscheiden sich ebenfalls deutlich: Neoceratodus trägt breite, fleischige Flossenblätter mit einer zentralen Skelettachse (Archipterygium), während die Flossen bei Protopterus und Lepidosiren zu dünnen, fadenartigen Anhängen reduziert sind. Rücken-, Schwanz- und Afterflosse verschmelzen bei den letztgenannten Gattungen zu einem durchgehenden Flossensaum.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Lungenfische ist auf drei Kontinente der Südhalbkugel beschränkt – ein Relikt ihrer einst weltweiten Verbreitung im Devon vor rund 400 Millionen Jahren. Der Australische Lungenfisch (Neoceratodus forsteri) kommt natürlicherweise nur in den Einzugsgebieten der Flüsse Burnett und Mary in Queensland vor, wurde jedoch in einige weitere Gewässer eingesetzt. Sein Habitat sind langsam fließende Flussabschnitte mit dichter Wasservegetation und schlammigem Grund.

Die vier Arten der Gattung Protopterus besiedeln weite Teile des tropischen und subtropischen Afrika. Ihr Biotop umfasst flache Seen, Sümpfe, saisonale Überschwemmungsflächen und Flussmündungen. Der Südamerikanische Lungenfisch (Lepidosiren paradoxa) lebt in stehenden und langsam fließenden Gewässern des Amazonas- und Paraná-Beckens, besonders in sumpfigen, sauerstoffarmen Habitaten.

Ernährung

Lungenfische sind Allesfresser mit überwiegend karnivoer Ausrichtung. Der Australische Lungenfisch ernährt sich von Schnecken, Muscheln, Krebstieren, Würmern, Insektenlarven und gelegentlich pflanzlichem Material wie Wasserpflanzen und Algen. Seine kräftigen Zahnplatten, die den Gaumenknochen und dem Unterkiefer aufsitzen, ermöglichen das Zermalmen hartschaliger Beutetiere.

Afrikanische Lungenfische fressen Fische, Frösche, Schnecken und Wirbellose, während Lepidosiren sich vorwiegend von Schnecken, Algen und verrottendem Pflanzenmaterial ernährt. In der Trockenzeit, wenn Protopterus-Arten in den Trockenschlaf (Ästivation) fallen, wird keine Nahrung aufgenommen – der Stoffwechsel wird auf ein Minimum reduziert.

Verhalten & Lebensweise

Lungenfische sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber halten sie sich in Verstecken zwischen Wurzeln, Totholz oder in Höhlen am Gewässergrund auf. Sie sind Einzelgänger und verteidigen kein festes Revier, zeigen aber gegenüber Artgenossen durchaus aggressive Reaktionen, insbesondere während der Fortpflanzungszeit.

Die Ästivation der afrikanischen Lungenfische gehört zu den eindrucksvollsten Anpassungen an saisonale Trockenheit: Fällt das Gewässer trocken, gräbt sich Protopterus in den Schlamm ein und bildet einen Kokon aus Schleim und eingetrockneter Erde. In diesem Zustand kann das Tier monatelang – dokumentiert sind Fälle von über vier Jahren – ohne Wasser überleben. Die Atmung erfolgt dabei ausschließlich über die Lunge, der Stoffwechsel sinkt auf etwa ein Fünftel des Normalwerts. Der Australische Lungenfisch ist zu dieser Form des Trockenschlafs nicht in der Lage und benötigt permanenten Zugang zu Wasser.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Fortpflanzungsbiologie unterscheidet sich zwischen den Gattungen erheblich. Neoceratodus laicht im Frühjahr (australischer Frühling, September bis November) in dicht bewachsenen Flachwasserbereichen. Die großen, gallertumhüllten Eier werden einzeln oder in kleinen Gruppen an Wasserpflanzen geheftet.