Lymphsystem
LAnatomie & Körperbau > Körperbau – allgemein
Definition & Überblick
Das Lymphsystem (Systema lymphaticum) ist ein neben dem Blutgefäßsystem existierendes, offenes Drainagesystem, das aus Lymphgefäßen (Vasa lymphatica), Lymphknoten (Nodi lymphatici) und lymphatischen Organen besteht. Es durchzieht den gesamten Körper der Haussäugetiere und Vögel und erfüllt zwei zentrale Aufgaben: den Abtransport interstitieller Flüssigkeit zurück in das venöse Blutgefäßsystem sowie die immunologische Überwachung des Organismus. Die im System transportierte Flüssigkeit wird als Lymphe (Lympha) bezeichnet – ein klares bis leicht gelbliches, eiweißhaltiges Filtrat, das aus dem Blutkapillarbett in das Interstitium austritt und von den initialen Lymphgefäßen aufgenommen wird.
Aufbau & Struktur
Das Lymphgefäßsystem beginnt blind im Gewebe mit den Lymphkapillaren (Vasa lymphocapillaria). Diese dünnwandigen, endothelausgekleideten Gefäße besitzen keine durchgehende Basalmembran, sondern verfügen über überlappende Endothelzellen, die als Einwegventile fungieren und den Eintritt interstitieller Flüssigkeit ermöglichen. Ankerfilamente verbinden das Endothel mit dem umliegenden Bindegewebe und halten die Kapillaren bei steigendem Gewebsdruck offen.
Aus den Lymphkapillaren entwickeln sich Präkollektoren und schließlich die größeren Lymphkollektoren (Vasa lymphatica collectoria), die über eine dreischichtige Wandstruktur mit Tunica intima, Tunica media und Tunica adventitia verfügen. Zahlreiche Klappen (Valvulae lymphaticae) verhindern den Rückfluss der Lymphe. Die Abschnitte zwischen zwei Klappen werden als Lymphangione bezeichnet und besitzen glatte Muskulatur, die durch rhythmische Kontraktionen den Lymphfluss aktiv vorantreibt.
Die Kollektoren leiten die Lymphe durch einen oder mehrere Lymphknoten. Jeder Lymphknoten ist von einer bindegewebigen Kapsel (Capsula) umgeben und in Rinde (Cortex) mit Lymphfollikeln sowie Mark (Medulla) mit Marksinus und Marksträngen gegliedert. Zuführende Gefäße (Vasa afferentia) münden am konvexen Rand, das abführende Gefäß (Vas efferens) verlässt den Knoten am Hilum.
Die großen Lymphstämme (Trunci lymphatici) münden schließlich in den Ductus thoracicus (Milchbrustgang), der die Lymphe aus dem größten Teil des Körpers sammelt und in den linken Venenwinkel (Angulus venosus sinister) drainiert. Der Ductus lymphaticus dexter leitet die Lymphe aus dem rechten kranialen Körperquadranten ab.
Zu den lymphatischen Organen zählen neben den Lymphknoten auch Thymus, Milz (Lien/Splen), die Tonsillen (Tonsillae) sowie das darmassoziierte lymphatische Gewebe (GALT – gut-associated lymphoid tissue), einschließlich der Peyerschen Platten (Noduli lymphoidei aggregati) im Ileum.
Funktion
Die primäre Aufgabe des Lymphsystems ist die Drainage überschüssiger Gewebsflüssigkeit. Täglich filtriert das Blutkapillarbett mehr Flüssigkeit ins Interstitium, als venös reabsorbiert wird. Ohne Lymphdrainage käme es rasch zu Ödemen. Die Lymphe transportiert zudem Proteine, Lipide (insbesondere Chylomikronen aus dem Darm über die Chylusgefäße), Zelltrümmer und Fremdpartikel ab.
Die zweite essenzielle Funktion ist die Immunabwehr. In den Lymphknoten findet die Antigenpräsentation durch dendritische Zellen und Makrophagen statt. B-Lymphozyten reifen in den Keimzentren der Follikel zu Plasmazellen heran und produzieren Antikörper. T-Lymphozyten werden in der parakortikalen Zone aktiviert. Die Lymphknoten wirken somit als biologische Filterstationen, die Pathogene, Tumorzellen und Fremdkörper aus der Lymphe abfangen.
Unterschiede zwischen Tierarten
- Schwein (Sus domesticus): Die Lymphknoten des Schweines zeigen einen invertierten Aufbau – die Lymphfollikel liegen zentral, die Marksinus peripher. Afferente Gefäße treten am Hilum ein, efferente Gefäße verlassen den Knoten an der konvexen Oberfläche. Dieser umgekehrte Lymphfluss ist einzigartig unter den Haussäugetieren und klinisch bei der Fleischbeschau bedeutsam.
- Pferd (Equus caballus): Das Pferd besitzt eine auffallend große Anzahl von Lymphknoten, besonders im Bereich des Mesenteriums. Die Lymphonodi mesenterici können mehrere hundert Einzelknoten umfassen. Die Darmlymphknoten sind häufig von physiologischer Pigmenteinlagerung (Melanose) betroffen, insbesondere bei Schimmeln.
- Wiederkäuer (Ruminantia): Rinder besitzen eine ausgeprägte lymphatische Versorgung des Euters. Die Lymphonodi inguinales superficiales (Euterlymphknoten) sind palpierbar und dienen der klinischen Diagnostik bei Mastitiden. Insgesamt sind die Lymphknoten größer und zahlreicher als bei Fleischfressern.
- Geflügel (Aves): Vögel besitzen keine typischen Lymphknoten, mit Ausnahme einiger Wasservögel (Enten, Gänse), die rudimentäre zervikale und lumbale Lymphknoten aufweisen. Stattdessen finden sich diffuse lymphatische Aggregate und spezialisierte Organe wie die Bursa fabricii (Bursa cloacalis), die als primäres lymphatisches Organ der B-Zell-Reifung dient.
- Hund und Katze (Carnivora): Die Lymphknoten sind relativ klein und kompakt. Beim Hund sind die Lymphonodi mandibulares, poplitei