Mantrailing
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Definition und Überblick
Mantrailing (von englisch man = Mensch und trail = Spur, Fährte) bezeichnet die gezielte Suche eines Hundes nach einer bestimmten Person anhand deren individuellen Geruchs. Im Unterschied zur klassischen Fährtenarbeit folgt der Hund dabei nicht den Bodenverletzungen, die eine Person beim Gehen hinterlässt, sondern dem einzigartigen Geruchsbild, das jeder Mensch durch Hautpartikel, Schweiß und Bakterien abgibt. Diese Geruchsmoleküle – sogenannte Rafts – schweben in der Luft, lagern sich an Oberflächen ab und bilden eine unsichtbare Geruchsspur, die ein ausgebildeter Hund über Stunden oder sogar Tage hinweg verfolgen kann.
Mantrailing hat seinen Ursprung im professionellen Einsatz von Suchhunden bei Polizei und Rettungsdiensten, insbesondere in den USA. Seit den 2000er-Jahren hat sich die Disziplin im deutschsprachigen Raum zunehmend auch als Freizeitbeschäftigung und artgerechte Auslastung für Familienhunde etabliert. Heute wird Mantrailing sowohl im professionellen Bereich der Personensuche als auch im Hundesport und in der Verhaltenstherapie eingesetzt.
Grundprinzip und Ablauf
Beim Mantrailing erhält der Hund zunächst einen Geruchsartikel (auch Geruchsträger oder Scent Article genannt) der zu suchenden Person. Dies kann ein getragenes Kleidungsstück, ein Gegenstand oder ein in einem Beutel gesicherter Geruchsgegenstand sein. Der Hundeführer – im Mantrailing als Trailer-Handler bezeichnet – bietet dem Hund diesen Artikel an, damit er den Individualgeruch aufnehmen kann. Anschließend beginnt der Hund, die Geruchsspur vom Startpunkt (dem sogenannten Point Last Seen) aus zu verfolgen.
Der Hund arbeitet dabei an einer Schleppleine mit einer Länge von meist fünf bis zehn Metern und trägt ein gut sitzendes Suchgeschirr, das sich vom Alltagsgeschirr unterscheidet. Das Anlegen dieses speziellen Geschirrs dient als ritualisiertes Signal und versetzt den Hund in den Arbeitsmodus. Der Handler folgt dem Hund, liest dessen Körpersprache und unterstützt ihn bei Bedarf, ohne die Suchrichtung aktiv zu beeinflussen.
Die Geruchsspur, der sogenannte Scent Trail, verläuft nicht zwangsläufig exakt dort, wo die gesuchte Person entlanggegangen ist. Wind, Thermik, Bebauung und Bodenbeschaffenheit beeinflussen die Verteilung der Geruchsmoleküle. Der Hund pendelt daher häufig, überprüft Kreuzungen und arbeitet sich so schrittweise zur Zielperson vor. Am Ende der Spur zeigt der Hund den Fund der Person durch ein zuvor trainiertes Anzeigeverhalten – etwa durch Anstupsen, Verbellen oder stilles Verweilen.
Geeignete Hunderassen und Voraussetzungen
Grundsätzlich kann jeder Hund Mantrailing erlernen, da alle Hunde über einen ausgeprägten Geruchssinn verfügen. Die Hundenase besitzt je nach Rasse zwischen 125 und 300 Millionen Riechzellen – im Vergleich zu etwa fünf Millionen beim Menschen. Bestimmte Rassen zeigen aufgrund ihrer Zuchtgeschichte besondere Veranlagungen für die Nasenarbeit:
- Bloodhound: Gilt als die Referenzrasse im Mantrailing und verfügt über die höchste Anzahl an Riechzellen aller Hunderassen. Seine langen Ohren und die ausgeprägte Lefzenbildung unterstützen das Auffangen von Geruchspartikeln.
- Beagle: Ursprünglich als Meutehund für die Hasenjagd gezüchtet, zeigt er ausgeprägte Spurfreude und Ausdauer.
- Schweißhunde (z. B. Bayerischer Gebirgsschweißhund, Hannoverscher Schweißhund): Diese Rassen wurden speziell für das Verfolgen von Schweißfährten (Blutspuren) im jagdlichen Kontext selektiert.
- Labrador Retriever und Deutscher Schäferhund: Werden häufig im professionellen Rettungshundewesen eingesetzt und zeigen hohe Lernbereitschaft bei der Personensuche.
Auch Mischlinge und Rassen ohne jagdlichen Hintergrund können erfolgreich im Mantrailing arbeiten. Entscheidend sind Motivation, Gesundheit und eine positive Verknüpfung mit der Suchaufgabe. Welpen können bereits ab einem Alter von etwa acht Wochen spielerisch an erste kurze Trails herangeführt werden.
Trainingsaufbau und Methodik
Das Training beginnt mit einfachen, kurzen Trails über wenige Meter, bei denen die Zielperson (der sogenannte Runner) sich vom Hund entfernt und in Sichtweite versteckt. Der Hund lernt so, dass das Verfolgen des Geruchs zum Erfolg führt – die Belohnung erfolgt durch die Zielperson selbst, meist in Form von Futter oder Spiel.
Im weiteren Verlauf werden die Trails schrittweise komplexer gestaltet:
- Verlängerung der Distanz von wenigen Metern auf mehrere Kilometer
- Erhöhung des Trail-Alters (Zeitspanne zwischen dem Legen der Spur und dem Suchbeginn)
- Einbau von Richtungswechseln, Kreuzungen und Ablenkungen
- Wechsel der Umgebung: von ruhigen Feldwegen über Wohngebiete bis hin zu belebten Innenstädten
- Einführung von Negativanzeigen: Der Hund lernt anzuzeigen, wenn die gesuchte Person nicht anwesend ist
Ein strukturierter Trainingsplan und die Anleitung durch erfahrene Trainer oder eine Mantrailing-Gruppe sind empfehlenswert. Fehler im Aufbau – etwa zu frühe Überforderung oder unklare Belohnungsstrukturen – können die Motivation des Hundes nachhaltig beeinträchtigen.
Einsatzbereiche
Im professionellen Bereich setzen Polizei, Rettungshundestaffeln und private Suchdienste ausgebildete Mantrailer zur Suche nach vermissten Personen ein – etwa bei demenzerkrankten Menschen, vermissten Kindern oder flüchtigen