T Tierlexikon.net
← Lexikon

Mauersegler

M

Tierart – Vögel > Singvögel – Schwalben & Spatzen

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Apus apus
  • Ordnung: Seglervögel (Apodiformes)
  • Familie: Segler (Apodidae)
  • Gattung: Apus
  • Lebensraum: Städte, Siedlungen, Felslandschaften; Langstreckenzieher mit Überwinterung in Afrika südlich der Sahara
  • Größe: 16–17 cm Körperlänge, Flügelspannweite ca. 42–48 cm
  • Gewicht: 30–50 g
  • Lebenserwartung: Durchschnittlich 10–15 Jahre, Einzelnachweise bis über 20 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Mauersegler ist ein mittelgroßer Vogel mit einem stromlinienförmigen Körperbau, der perfekt an ein Leben in der Luft angepasst ist. Das Gefieder ist nahezu einheitlich rußbraun bis schwarzbraun gefärbt und erscheint im Flug häufig schwarz. Lediglich an der Kehle zeigt sich ein kleiner, diffus abgegrenzter heller Fleck von grauweißer Färbung. Die Geschlechter sind äußerlich nicht zu unterscheiden – ein bei vielen Seglern verbreitetes Merkmal.

Besonders auffällig sind die langen, sichelförmig gebogenen Flügel, die dem Mauersegler seine charakteristische Silhouette verleihen. Der Schwanz ist kurz und gegabelt. Die Beine sind extrem verkürzt; der wissenschaftliche Gattungsname Apus (griech. „fußlos") nimmt darauf Bezug. Die vier Zehen sind sämtlich nach vorne gerichtet – eine Anpassung, die das Klammern an senkrechten Flächen ermöglicht, das Laufen auf ebenem Boden aber nahezu unmöglich macht. Der Schnabel ist klein, der Rachen jedoch weit aufsperrbar, was beim Insektenfang in der Luft von großem Vorteil ist.

Auf den ersten Blick ähnelt der Mauersegler den Schwalben, etwa der Mehlschwalbe oder der Rauchschwalbe. Trotz dieser oberflächlichen Ähnlichkeit sind Segler und Schwalben nicht näher verwandt. Schwalben gehören zur Ordnung der Sperlingsvögel (Passeriformes), während Mauersegler innerhalb der Ordnung Apodiformes stehen und damit taxonomisch näher mit Kolibris verwandt sind als mit Schwalben.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Mauerseglers erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis – von Westeuropa und Nordafrika ostwärts bis nach China. In Mitteleuropa ist die Art ein verbreiteter Brutvogel, der bevorzugt in Städten und größeren Ortschaften anzutreffen ist. Ursprünglich nutzte der Mauersegler Felsspalten und Baumhöhlen als Bruthabitat, doch seit Jahrhunderten hat er sich eng an menschliche Bauwerke gebunden. Heute brütet er vor allem in Hohlräumen unter Dachziegeln, in Mauernischen, Rollladenkästen und ähnlichen Strukturen älterer Gebäude.

Als ausgeprägter Langstreckenzieher verbringt der Mauersegler den europäischen Winter in Afrika südlich der Sahara. Die Vögel treffen in Mitteleuropa meist Ende April bis Anfang Mai ein und verlassen die Brutgebiete bereits wieder im Juli oder August. Damit gehört der Mauersegler zu den Vogelarten mit der kürzesten Aufenthaltsdauer im Brutgebiet.

Ernährung

Mauersegler ernähren sich ausschließlich von Fluginsekten und anderen in der Luft schwebenden Gliedertieren, die sie im Flug erbeuten. Dieses als „Aerial Plankton" bezeichnete Nahrungsspektrum umfasst Blattläuse, kleine Käfer, Fliegen, Mücken, Spinnen an ihren Flugfäden sowie geflügelte Ameisen. Die Nahrung wird mit dem weit geöffneten Schnabel im Flug aufgenommen. Erwachsene Vögel sammeln Insekten in einem Kehlsack und formen daraus sogenannte Futterballen, die sie an die Nestlinge verfüttern.

Bei Schlechtwetterperioden mit Kälte und Regen bricht das Angebot an Fluginsekten ein. Die Jungvögel können in solchen Phasen in eine Art Torpor – einen Zustand herabgesetzter Körpertemperatur und reduziertem Stoffwechsel – verfallen und so mehrere Tage ohne Nahrung überstehen. Die Altvögel weichen bei anhaltend ungünstiger Witterung großräumig in regenfreie Gebiete aus und können dabei mehrere Hundert Kilometer zurücklegen.

Verhalten & Lebensweise

Der Mauersegler verbringt den größten Teil seines Lebens fliegend. Außerhalb der Brutzeit verlässt er unter Umständen über zehn Monate lang nicht die Luft. Schlafen, Nahrungsaufnahme, Trinken und sogar die Paarung finden im Flug statt. Zum Trinken gleiten Mauersegler dicht über Wasseroberflächen und schöpfen mit dem Unterschnabel Wasser auf.

Während der Nacht steigen nichtbrütende Vögel in große Höhen auf – Radarmessungen belegen Flughöhen von über 2.000 Metern – und schlafen dort in kurzen Gleitphasen. Dieser sogenannte „Schlafflug" ist eine der außergewöhnlichsten Anpassungen im Vogelreich. Mauersegler sind tagaktiv und während der Brutsaison vor allem morgens und abends besonders aktiv. Ihre hohen, schrillen „sriii"-Rufe, oft im Chor von Gruppen vorgetragen, gehören zu den typischen Klängen sommerlicher Innenstädte.

Die Vögel sind gesellig und brüten häufig in lockeren Kolonien. Territorial sind sie vor allem in unmittelbarer Umgebung des Nistplatzes; ein ausgedehntes Revier im klassischen Sinn verteidigen sie nicht.

Fortpflanzung & Aufzucht

Mauersegler sind in der Regel monogam und nutzen denselben Nistplatz oft über viele Jahre. Die Balz findet teils im Flug statt: Paare jagen sich in rasanten Flugmanövern und stoßen dabei ihre charakteristischen Rufe aus. Das Nest ist eine einfache, flache Mulde aus Halmen, Federn und anderen Materialien, die im Flug aufgelesen und mit Speichel verklebt werden.