T Tierlexikon.net
← Lexikon

Schneesperling

S

Tierart – Vögel > Singvögel – Schwalben & Spatzen

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Montifringilla nivalis
  • Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
  • Familie: Sperlinge (Passeridae)
  • Gattung: Montifringilla
  • Lebensraum: Alpine Hochlagen, Geröllfelder, Felsregionen oberhalb der Baumgrenze
  • Größe: 16–19 cm Körperlänge, Flügelspannweite ca. 34–38 cm
  • Gewicht: 30–50 g
  • Lebenserwartung: Bis zu 8–10 Jahre in freier Wildbahn

Aussehen & Merkmale

Der Schneesperling ist ein kräftig gebauter Singvogel, der deutlich größer als der verwandte Haussperling (Passer domesticus) ausfällt. Das Gefieder zeigt eine kontrastreiche Zeichnung: Der Kopf ist graubraun gefärbt, die Oberseite überwiegend erdbraun mit dunkleren Federmitten. Besonders auffällig sind die weißen Flügelfelder, die im Flug weithin sichtbar sind und dem Vogel ein unverwechselbares Erscheinungsbild verleihen. Die Unterseite ist weißlich bis cremefarben. Der Schwanz zeigt weiße Außenfedern mit dunkler Mittelfeder.

Männchen und Weibchen ähneln sich im Gefieder, wobei das Männchen zur Brutzeit einen schwarzen Kehlfleck ausbildet, der im Schlichtkleid durch helle Federsäume verdeckt wird. Der Schnabel ist im Sommer schwarz und verfärbt sich im Winter gelblich mit dunkler Spitze. Die Beine sind dunkelbraun bis schwarz. Jungvögel wirken insgesamt matter gefärbt und zeigen weniger Kontrast in den Flügelfeldern.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Schneesperlings erstreckt sich über die Hochgebirge der Paläarktis. In Europa besiedelt er die Alpen, die Pyrenäen, den Apennin, die Gebirge des Balkans sowie Teile der Karpaten. Weiter östlich kommt er im Kaukasus, in den Gebirgen Zentralasiens, im Himalaya und bis in die westchinesischen Hochgebirge vor. In den Alpen stellt er einen der höchstbrütenden Singvögel dar.

Sein bevorzugtes Habitat liegt oberhalb der Baumgrenze, typischerweise zwischen 1.800 und 3.500 Metern Höhe, in den asiatischen Gebirgszügen auch deutlich darüber. Er bewohnt Felsregionen, Geröllfelder, Grasmatten und die Umgebung von Gletschern und Schneefeldern. Gebäude in alpinen Lagen wie Berghütten, Seilbahnstationen und Skiliftstützen werden gerne als Niststandorte angenommen. Im Winter kommt es zu Vertikalwanderungen in tiefere Lagen, wobei der Schneesperling selten unter 1.000 Meter absteigt. Ein echter Zugvogel ist er nicht – die Art gilt als Standvogel beziehungsweise Strichvogel.

Ernährung

Die Nahrung des Schneesperlings ist jahreszeitlich unterschiedlich zusammengesetzt. Im Sommer bilden Insekten und deren Larven die Hauptnahrungsquelle. Gefressen werden vor allem Käfer, Heuschrecken, Fliegen, Schmetterlingsraupen und Spinnen. Die Vögel suchen ihre Beute am Boden, zwischen Steinen und auf Schneefeldern, wo sich durch den Wind verdriftete Insekten sammeln – ein Phänomen, das als Anemoplanktion bezeichnet wird.

Im Winter, wenn Insektennahrung kaum verfügbar ist, stellen Schneesperlinge ihre Ernährung auf Sämereien und andere pflanzliche Kost um. Gräser, Kräuter und alpine Stauden liefern dann den Großteil der Nahrung. In der Nähe von Berghütten und touristischer Infrastruktur nehmen die Vögel bereitwillig Essensreste und Brotkrumen auf. Diese Nahrungsquelle hat an manchen Standorten erhebliche Bedeutung für das Überleben im Winter.

Verhalten & Lebensweise

Der Schneesperling ist tagaktiv und gesellig. Außerhalb der Brutzeit schließen sich die Vögel zu Schwärmen zusammen, die mehrere Dutzend, gelegentlich auch über hundert Individuen umfassen können. Diese Trupps durchstreifen gemeinsam die alpinen Lagen auf Nahrungssuche. Der Flug ist wellenförmig, ähnlich dem der Finken, wobei die weißen Flügelfelder ein auffallendes Flugbild erzeugen.

Die Stimme ist ein kurzes, hartes „prit" oder „tschütt", das häufig im Flug geäußert wird. Der Gesang des Männchens besteht aus monoton wiederholten, etwas rauen Strophen, die von exponierten Felskanten oder Dachfirsten vorgetragen werden. Schneesperlinge zeigen eine geringe Scheu gegenüber Menschen, was sie an Berghütten und Gipfelstationen zu vertrauten Erscheinungen macht.

In kalten Nächten übernachten die Vögel in Felsspalten, Mauerlöchern oder unter Dachvorsprüngen. Gelegentlich wurde beobachtet, dass sich mehrere Individuen in einer Nische zusammendrängen, um Wärme zu sparen – ein Verhalten, das von anderen Arten der Familie Passeridae ebenfalls bekannt ist.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Brutzeit beginnt je nach Höhenlage und Witterung im Mai oder Juni. Der Schneesperling ist ein Höhlenbrüter, der natürliche Felsspalten, Mauerlöcher und Nischen in Gebäuden als Nistplatz nutzt. Das Nest wird von beiden Partnern errichtet und besteht aus Grashalmen, Moos, Wurzeln und Federn. Es wird mit Haaren, Wolle und Pflanzenfasern weich ausgepolstert.

Das Gelege umfasst in der Regel vier bis sechs weiße, ungefleckte Eier. Die Bebrütung dauert 13 bis 14 Tage und wird hauptsächlich vom Weibchen übernommen. Beide Elternvögel füttern die Nestlinge, die nach etwa 20 bis 22 Tagen das Nest verlassen. Die Jungvögel werden noch einige Zeit nach dem Ausfliegen von den Altvögeln betreut und mit Nahrung versorgt. In günstigen Jahren kann eine zweite Brut stattfinden,