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Merlin

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Tierart – Vögel > Greifvögel

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Falco columbarius
  • Ordnung: Falkenartige (Falconiformes)
  • Familie: Falken (Falconidae)
  • Gattung: Falken (Falco)
  • Lebensraum: Offene und halboffene Landschaften, Moorgebiete, Tundra, Küstenregionen, lichte Wälder
  • Größe: 25–33 cm Körperlänge, Flügelspannweite 50–67 cm
  • Gewicht: Männchen 150–210 g, Weibchen 210–300 g
  • Lebenserwartung: Bis zu 12 Jahre in freier Wildbahn, in Einzelfällen über 15 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Merlin ist der kleinste in Europa vorkommende Falke und zählt zugleich zu den kompaktesten Vertretern seiner Gattung. Der Körperbau ist gedrungen, mit relativ kurzen, spitz zulaufenden Flügeln und einem mittellangen Schwanz. Das Gefieder zeigt einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus: Männchen tragen auf der Oberseite ein schieferblaugraues Federkleid, während die Unterseite rostbraun bis orangefarben gestreift ist. Weibchen und Jungvögel sind oberseits dunkelbraun gefärbt und zeigen auf der Unterseite eine kräftige, dunkelbraune Längsstreifung auf cremeweißem Grund.

Im Vergleich zum Turmfalken (Falco tinnunculus) oder zum Baumfalken (Falco subbuteo) fehlt dem Merlin der markante dunkle Bartstreif weitgehend – er ist allenfalls schwach angedeutet. Die Wachshaut an der Schnabelbasis ist gelblich, die Iris dunkelbraun. Die Beine und Zehen sind gelb und mit kräftigen, scharfen Krallen versehen. Im Flugbild wirkt der Merlin kompakt und schnell, mit raschen, flachen Flügelschlägen, die an eine Drossel erinnern können. Dieses Flugbild ist eines der verlässlichsten Bestimmungsmerkmale im Feld.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Merlins erstreckt sich über weite Teile der Nordhalbkugel. In der Paläarktis brütet er von Island und den Britischen Inseln über Skandinavien und Nordrussland bis nach Kamtschatka. In der Nearktis besiedelt er die boreale Zone Nordamerikas von Alaska bis Neufundland. Es werden mehrere Unterarten unterschieden, darunter Falco columbarius aesalon (Eurasien), Falco columbarius columbarius (Nordamerika) und Falco columbarius subaesalon (Island).

Als bevorzugtes Habitat dienen offene und halboffene Landschaften: Hochmoore, Heideflächen, Tundra, Waldränder und Küstenstreifen. Der Merlin meidet geschlossene Waldgebiete, nutzt aber lichte Taiga und Waldlichtungen als Brutbiotop. In Mitteleuropa tritt er vorwiegend als Durchzügler und Wintergast auf. Überwinterungsgebiete liegen in gemäßigten Breiten, darunter Mittel- und Südeuropa, Nordafrika, der Mittlere Osten sowie die südlichen USA und Mittelamerika. Einige Populationen, etwa auf den Britischen Inseln, sind Standvögel oder Kurzstreckenzieher.

Ernährung

Der Merlin ist ein ausgesprochener Vogeljäger. Kleine Singvögel machen den Großteil seiner Nahrung aus – Feldlerchen, Wiesenpieper, Finken, Drosseln und Stare gehören zu den häufigsten Beutetieren. Ergänzend erbeutet er Insekten, vor allem Libellen und Großschmetterlinge, sowie gelegentlich kleine Säugetiere wie Wühlmäuse.

Die Jagdtechnik des Merlins unterscheidet sich deutlich von der vieler anderer Falken. Er stößt selten aus großer Höhe im steilen Sturzflug herab, sondern jagt bevorzugt in niedrigem, schnellem Verfolgungsflug dicht über dem Boden. Dabei nutzt er Geländestrukturen wie Hecken, Geländekanten und Bodenwellen geschickt als Deckung, um seine Beute zu überraschen. Diese wendige, bodennahe Jagdweise macht ihn zu einem der agilsten Greifvögel seiner Größenklasse. Gelegentlich jagen Paare kooperativ, wobei ein Partner die Beute auftreibt und der andere den Fangschlag ausführt.

Verhalten & Lebensweise

Der Merlin ist tagaktiv und zeigt seine höchste Aktivität in den Morgen- und Abendstunden. Außerhalb der Brutzeit lebt er einzelgängerisch und verteidigt ein lockeres Winterrevier, das je nach Nahrungsangebot unterschiedlich groß ausfallen kann. In den Überwinterungsgebieten sind Merline häufig in Küstenniederungen, an Flussmündungen und auf landwirtschaftlich genutzten Flächen anzutreffen, wo sich Schwärme kleiner Singvögel konzentrieren.

Der Flug ist schnell und direkt, mit raschen Flügelschlägen und kurzen Gleitphasen. Im Gegensatz zum Turmfalken rüttelt der Merlin nur selten. Gegenüber größeren Greifvögeln und Rabenvögeln zeigt er ein ausgeprägtes Hassverhalten und attackiert Eindringlinge in Nestnähe aggressiv. Die Stimme ist ein schnelles, hohes „ki-ki-ki-ki", das vor allem in Nestnähe und bei Störungen zu hören ist.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Balz beginnt je nach Breitengrad zwischen März und Mai. Während der Balzzeit führen die Männchen auffällige Flugspiele mit schnellen Wendungen, Sturzflügen und lautem Rufen auf. Der Merlin baut kein eigenes Nest, sondern nutzt verlassene Nester anderer Vogelarten – bevorzugt Krähennester in Bäumen oder Horste anderer Greifvögel. In baumlosen Gebieten brütet er direkt am Boden, etwa in Heidekraut oder auf Felsvorsprüngen.

Das Gelege umfasst in der Regel drei bis fünf Eier, die rostbraun gefleckt sind. Die Brutdauer beträgt etwa 28 bis 32 Tage. Hauptsächlich das Weibchen brütet, während das Männchen die Nahrungsversorgung übernimmt. Die Nest