Milan
MTierart – Vögel > Greifvögel
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Milvus milvus (Rotmilan), Milvus migrans (Schwarzmilan)
- Ordnung: Greifvögel (Accipitriformes)
- Familie: Habichtartige (Accipitridae)
- Gattung: Milane (Milvus)
- Lebensraum: Offene und halboffene Landschaften, Waldränder, Flusstäler, Agrarland
- Größe: 55–70 cm Körperlänge, Flügelspannweite 140–170 cm
- Gewicht: 750–1.300 g (Rotmilan), 630–940 g (Schwarzmilan)
- Lebenserwartung: 20–25 Jahre in freier Wildbahn, in Ausnahmefällen über 30 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die beiden in Europa heimischen Milanarten – Rotmilan und Schwarzmilan – gehören zu den mittelgroßen Greifvögeln und sind im Flug an ihrem charakteristisch gegabelten Schwanz gut zu erkennen. Dieses Merkmal unterscheidet sie zuverlässig von Bussarden und Adlern, deren Stoß am Ende gerundet oder gerade abgeschnitten ist.
Der Rotmilan (Milvus milvus) zeigt ein rostrotes Gefieder an Brust und Bauch, das im Kontrast zu den dunkelbraunen Oberflügeln steht. Der Kopf ist auffällig hell, oft grauweißlich gestreift. Im Flug fallen die hellen Fenster an der Unterseite der Handschwingen auf. Der tief gegabelte Schwanz ist roströtlich und dient als Steuerruder bei den typischen, elegant gleitenden Flugmanövern.
Der Schwarzmilan (Milvus migrans) ist insgesamt dunkler gefärbt – sein Gefieder erscheint überwiegend dunkelbraun mit einer weniger kontrastreichen Unterseite. Der Schwanz ist deutlich schwächer gegabelt als beim Rotmilan, was die Unterscheidung im Feld gelegentlich erschwert. Beide Arten besitzen einen relativ schwachen, leicht nach unten gebogenen Schnabel und vergleichsweise zierliche Fänge – ein Hinweis auf ihr wenig spezialisiertes Beutespektrum.
Lebensraum & Verbreitung
Der Rotmilan ist ein überwiegend europäischer Greifvogel. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich von der Iberischen Halbinsel über Frankreich und Mitteleuropa bis nach Schweden und in den Westen Polens. Deutschland trägt eine besondere Verantwortung für den Arterhalt: Mehr als die Hälfte des weltweiten Brutbestandes – schätzungsweise 12.000 bis 18.000 Brutpaare – brütet hier. Als Habitat bevorzugt der Rotmilan mosaikartige Landschaften mit einem Wechsel aus Wäldern, Feldfluren und Grünland. Die Nähe zu Waldrändern, an denen er seinen Horst errichtet, und offene Flächen zur Nahrungssuche sind entscheidende Biotopfaktoren.
Der Schwarzmilan ist weitaus weiter verbreitet und besiedelt neben Europa auch weite Teile Asiens, Afrikas und Australiens. Er zählt damit zu den häufigsten Greifvögeln weltweit. Sein Habitat umfasst oft Gewässernähe – Flussauen, Seen und Küstengebiete –, wo er leicht an Nahrung gelangt. In Mitteleuropa ist der Schwarzmilan ein Zugvogel, der zum Überwintern nach Afrika südlich der Sahara zieht. Auch der Rotmilan verlässt seine nördlichen Brutgebiete im Herbst, doch ein wachsender Anteil der mitteleuropäischen Population überwintert inzwischen in milden Regionen Deutschlands, Frankreichs und Spaniens – ein Trend, der vermutlich mit dem Klimawandel zusammenhängt.
Ernährung
Milane sind ausgeprägte Nahrungsopportunisten. Ihr Spektrum umfasst Kleinsäuger wie Feldmäuse und Maulwürfe, Jungvögel, Reptilien, Amphibien, Regenwürmer, größere Insekten und Fische. Beide Arten nutzen darüber hinaus intensiv Aas – ein Verhalten, das sie an Straßenränder und Mülldeponien führt und ihnen gelegentlich zum Verhängnis wird.
Der Schwarzmilan ist stärker an Gewässer gebunden und erbeutet häufiger tote oder kranke Fische, die er geschickt von der Wasseroberfläche greift. Der Rotmilan jagt bevorzugt über frisch gemähten Wiesen und Feldern, wo Kleinsäuger und Wirbellose freigelegt werden. Ein kleptoparasitisches Verhalten – das Stehlen von Beute bei anderen Greifvögeln, Krähen oder Reihern – ist bei beiden Arten dokumentiert und unterstreicht ihre opportunistische Lebensweise.
Verhalten & Lebensweise
Milane sind tagaktive Greifvögel, die einen Großteil des Tages im Suchflug über offenem Gelände verbringen. Ihr Flugstil ist charakteristisch: Langgestreckte Gleitphasen, bei denen sie Thermik und Aufwinde nutzen, werden durch gelegentliche, langsame Flügelschläge unterbrochen. Der gegabelte Schwanz dient dabei als hocheffizientes Steuerorgan, das rasche Richtungswechsel ohne nennenswerten Energieaufwand ermöglicht.
Außerhalb der Brutzeit zeigen Milane ein geselliges Verhalten. Insbesondere an Schlafplätzen können sich im Winter Dutzende bis Hunderte Individuen versammeln. In Spanien und Wales sind Rotmilanschlafplätze mit mehreren Hundert Vögeln bekannt. Während der Brutzeit etablieren die Paare ein Revier um den Horstbaum, das gegen Artgenossen und andere Greifvögel verteidigt wird – allerdings weniger aggressiv als bei territorialeren Arten wie dem Habicht.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Balz beginnt beim Rotmilan ab März, beim Schwarzmilan nach Ankunft aus dem Winterquartier ab April. Sie äußert sich in gemeinsamen Kreisflügen, Sturzflügen und dem sogenannten Girlandenflug, bei dem die Vögel wellenförmig durch die Luft gleiten. Milane sind in der Regel monogam und nutzen ihren Horst – eine Plattform aus Zweigen, häufig in der Krone alter Laubbäume – über mehr