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Milchdrüse

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Anatomie & Körperbau > Körperbau – allgemein

Definition & Überblick

Die Milchdrüse (lat. Glandula mammaria, Plural: Glandulae mammariae) ist eine modifizierte apokrino-tubuloalveoläre Hautdrüse, die in ihrer Entwicklungsgeschichte aus Schweißdrüsen der Epidermis hervorgegangen ist. Sie zählt zu den namensgebenden Merkmalen der Klasse der Säugetiere (Mammalia) und dient primär der Ernährung der Nachkommen durch die Produktion von Milch (Laktation). Die Milchdrüse ist bei beiden Geschlechtern embryonal angelegt, erreicht ihre volle funktionelle Ausprägung jedoch nur beim weiblichen Tier unter dem Einfluss von Geschlechtshormonen, insbesondere während der Trächtigkeit und nach der Geburt.

Der anatomische Gesamtkomplex aus Milchdrüse, umgebendem Fett- und Bindegewebe sowie der Zitze wird als Mamma (Plural: Mammae) bezeichnet. Die Gesamtheit aller Mammae bildet das Gesäuge (bei der Hündin), das Euter (bei Wiederkäuern und der Stute) oder die Milchleiste im embryologischen Kontext.

Aufbau & Struktur

Der Aufbau der Milchdrüse folgt einem hierarchischen Prinzip, das sich vom makroskopischen bis zum mikroskopischen Niveau gliedern lässt:

  • Drüsenparenchym (Corpus mammae): Das eigentliche Funktionsgewebe besteht aus zahlreichen Drüsenläppchen (Lobuli glandulae mammariae), die jeweils aus traubenförmig angeordneten Alveolen (Drüsenbläschen) aufgebaut sind. Die Alveolen sind von einschichtigem sekretorischem Epithel ausgekleidet und stellen den Ort der Milchsynthese dar.
  • Myoepitheliale Zellen: Jede Alveole wird von kontraktilen Myoepithelzellen (Korbzellen) umgeben, die unter dem Einfluss von Oxytocin kontrahieren und so die Milchejektion (Milchaustreib-Reflex) bewirken.
  • Ausführungsgangsystem (Ductus lactiferi): Die Alveolen entleeren sich über intralobuläre Milchgänge, die sich zu interlobulären und schließlich zu größeren Ductus lactiferi vereinigen. Diese münden – je nach Tierart – entweder in eine Zitzenzisterne (Sinus lactifer, bei Wiederkäuern) oder direkt in den Strichkanal (Ductus papillaris).
  • Stroma: Das Drüsenparenchym wird von Binde- und Fettgewebe (interlobuläres und interlobuläres Stroma) durchzogen, das eine Stützfunktion übernimmt. Beim Rind bildet das Ligamentum suspensorium mammae (Aufhängeband des Euters) eine essenzielle tragende Struktur.
  • Zitze (Papilla mammae): Die Zitze stellt den äußerlich sichtbaren Endabschnitt des Gangsystems dar. Ihr distales Ende weist eine oder mehrere Zitzenöffnungen auf, durch die die Milch abgegeben wird. Ein Schließmuskel (Musculus sphincter papillae) verhindert den unkontrollierten Milchaustritt.

Die Blutversorgung erfolgt je nach Lokalisation über Äste der Arteria pudenda externa (beim Rind) oder der Arteria epigastrica superficialis. Der venöse Abfluss wird über die entsprechenden Begleitvenen gewährleistet, wobei die Vena subcutanea abdominis (sogenannte „Milchader" beim Rind) eine besonders prominente Rolle spielt. Die Innervation ist vorwiegend sympathisch über Hautnerven der Lumbal- und Sakralsegmente organisiert.

Funktion

Die zentrale Funktion der Milchdrüse ist die Laktogenese – die Synthese und Sekretion von Milch. Dieser Prozess unterliegt einer komplexen endokrinen Steuerung:

  • Mammogenese: Die Entwicklung des Drüsengewebes während der Pubertät und Trächtigkeit wird durch Östrogen, Progesteron, Prolaktin, Wachstumshormon und plazentare Laktogene gesteuert.
  • Laktogenese I und II: Die Initiierung der Milchsekretion gegen Ende der Trächtigkeit (Phase I) und die eigentliche Milchproduktion nach der Geburt (Phase II) werden maßgeblich durch den Abfall des Progesteronspiegels und den Anstieg von Prolaktin ausgelöst.
  • Galaktopoese: Die Aufrechterhaltung der Milchproduktion während der Laktationsperiode erfordert den regelmäßigen Saugreiz bzw. das Melken, was über einen neuroendokrinen Reflexbogen die Prolaktin- und Oxytocinfreisetzung stimuliert.

Die Milch enthält artspezifisch zusammengesetzte Nährstoffe (Laktose, Kasein, Molkenproteine, Fette), Immunglobuline – besonders im Kolostrum (Erstmilch) – sowie Wachstumsfaktoren und antimikrobielle Substanzen wie Lysozym und Laktoferrin.

Unterschiede zwischen Tierarten

Die vergleichende Anatomie der Milchdrüse zeigt erhebliche Variationen hinsichtlich Anzahl, Lage und Struktur:

  • Rind: Vier Drüsenkomplexe bilden ein kompaktes Euter (Uber) in der Inguinalregion mit je einer Zitze pro Komplex. Charakteristisch ist das ausgedehnte Zisternensystem (Drüsen- und Zitzenzisterne) sowie die Rosette von Furstenberg als Übergangszone zwischen Zitzenzisterne und Strichkanal.
  • Pferd: Zwei Drüsenkomplexe mit je zwei Zitzenöffnungen pro Zitze in der Inguinalregion.
  • Schwein: Zehn bis achtzehn Mammakomplexe entlang zweier ventraler Milchleisten, die sich thorakal, abdominal und inguinal erstrecken. Jede Zitze besitzt zwei bis drei Strichkanäle und kein Zisternensystem.
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