Mohair
MTierprodukte & Erzeugnisse > Tierprodukte & Erzeugnisse
Definition und Überblick
Mohair ist eine Naturfaser, die aus dem Fell der Angoraziege (Capra aegagrus hircus) gewonnen wird. Der Begriff wird häufig mit Angorawolle verwechselt, die jedoch vom Angorakaninchen stammt. Mohair zählt zu den edelsten und teuersten Tierhaaren auf dem Weltmarkt. Die Faser zeichnet sich durch einen seidigen Glanz, hohe Elastizität und eine beachtliche Reißfestigkeit aus. Sie wird in der Textil- und Modeindustrie für hochwertige Stoffe, Strickgarne, Decken und Polsterstoffe verwendet.
Herkunft und Geschichte
Die Angoraziege stammt ursprünglich aus der zentralanatolischen Region um die türkische Stadt Ankara (historisch: Angora), die der Rasse ihren Namen gab. Bereits seit dem 16. Jahrhundert wurde Mohair in der Türkei produziert und über Handelswege nach Europa exportiert. Die osmanischen Sultane kontrollierten den Handel streng und verboten zeitweise die Ausfuhr lebender Angoraziegen, um das Monopol auf die begehrte Faser zu sichern.
Im 19. Jahrhundert gelangten die ersten Angoraziegen nach Südafrika und in die Vereinigten Staaten. Südafrika entwickelte sich in der Folge zum weltweit größten Mohairproduzenten – eine Position, die das Land bis heute innehat. Rund 50 Prozent der globalen Mohairproduktion stammen aus der südafrikanischen Karoo-Region. Weitere bedeutende Erzeugerländer sind die Türkei, die USA (insbesondere Texas), Argentinien und Lesotho.
Die Angoraziege als Faserlieferant
Angoraziegen sind mittelgroße Ziegen mit einem Körpergewicht von 30 bis 55 Kilogramm. Ihr gesamter Körper ist von langen, lockigen Haarsträhnen bedeckt, die als Vlies bezeichnet werden. Das Fell wächst gleichmäßig und wird in der Regel zweimal jährlich geschoren – im Frühjahr und im Herbst. Ein erwachsenes Tier liefert pro Schur zwischen 2,5 und 5 Kilogramm Rohfaser.
Die Tiere stellen vergleichsweise hohe Ansprüche an Haltung und Fütterung. Sie sind kälteempfindlicher als andere Ziegenrassen, da ihr Fell nach der Schur kaum Schutz bietet. Stressfaktoren wie Kälte, Nässe oder Mangelernährung wirken sich direkt auf die Faserqualität aus und können zu sogenannten Hungerfeinheiten im Haar führen – dünnen Stellen, an denen die Faser leicht bricht.
Eigenschaften der Mohairfaser
Mohair unterscheidet sich in mehreren Punkten deutlich von Schafwolle und anderen Tierfasern:
- Glanz: Mohair besitzt einen natürlichen, seidenartigen Schimmer, der durch die glatte Schuppenstruktur der Faseroberfläche entsteht. Diese Eigenschaft macht die Faser besonders attraktiv für Textilien mit Lüstereffekt.
- Festigkeit: Die Faser gehört zu den reißfestesten Naturfasern. Sie lässt sich stark dehnen, ohne zu brechen, und kehrt nach Belastung in ihre Ursprungsform zurück.
- Feuchtigkeitsregulierung: Wie alle Keratinfasern kann Mohair bis zu 30 Prozent seines Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich nass anzufühlen. Mohair wirkt temperaturausgleichend und eignet sich daher sowohl für Sommer- als auch Winterbekleidung.
- Färbbarkeit: Mohair nimmt Farbstoffe besonders gut und gleichmäßig auf, was zu leuchtenden, dauerhaften Farben führt.
- Schmutzabweisung: Die glatte Oberfläche der Faser sorgt dafür, dass Schmutz und Staub weniger stark haften als bei Schafwolle.
Die Feinheit der Faser variiert je nach Alter des Tieres erheblich. Kid Mohair, das Haar von Zicklein bei der ersten oder zweiten Schur, hat einen Durchmesser von etwa 24 bis 27 Mikrometern und ist besonders weich. Es gilt als hochwertigste Qualitätsstufe. Mit zunehmendem Alter der Ziege wird das Haar gröber und erreicht bei ausgewachsenen Tieren Durchmesser von 30 bis 40 Mikrometern. Dieses gröbere Haar eignet sich besonders für strapazierfähige Textilien wie Möbelstoffe und Teppiche.
Gewinnung und Verarbeitung
Die Schur erfolgt mit elektrischen Schermaschinen und dauert pro Tier etwa 15 bis 20 Minuten. Das geschorene Vlies wird anschließend nach Körperregion und Qualität sortiert. Die Rohfaser enthält Lanolin, Schweiß und Schmutz und muss vor der Weiterverarbeitung gewaschen werden. Dieser Reinigungsprozess wird als Wollwäsche oder Entschweißung bezeichnet. Nach dem Trocknen wird die Faser kardiert (gekämmt), zu Kammzug verarbeitet und schließlich zu Garn gesponnen.
In der industriellen Textilherstellung wird Mohair häufig mit anderen Fasern wie Schurwolle, Seide oder synthetischen Garnen gemischt. Bereits ein Mohairanteil von 20 bis 30 Prozent verleiht dem Endprodukt den charakteristischen Glanz und erhöht die Haltbarkeit des Gewebes.
Verwendung und Produkte
Die Einsatzgebiete von Mohair sind vielfältig. In der Modeindustrie wird die Faser für Anzugstoffe, Schals, Pullover und Mäntel verarbeitet. Kid Mohair findet sich in hochwertiger Damenoberbekleidung und feinen Strickwaren. Gröberes Mohair dient als Polsterstoff für Möbel, als Material für Vorhänge, Teppiche und Decken. Ein historisch bedeutendes Produkt ist Plüsch auf Mohairbasis, der traditionell für Teddybären und Stofftiere verwendet wird und bei Sammlern nach wie vor gefragt ist.
Tierschutz und ethische Aspekte
Die Mohairproduktion steht seit einigen Jahren verstärkt in der öffentlichen Diskussion. Tierschutzorganisationen wie PETA dokumentierten 2018 Missstände auf südafrikanischen Farmen, darunter unsachgemäße Schur, Verletzungen und mangelhafte Haltungsbedingungen. Als Reaktion darauf stellten zahlreiche Modemarken den Einkauf von Moh