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Muräne

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Tierart – Fische > Sonstige Fische

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Familie Muraenidae
  • Ordnung: Aalartige (Anguilliformes)
  • Familie: Muränen (Muraenidae)
  • Gattungen: ca. 16, darunter Muraena, Gymnothorax, Echidna, Rhinomuraena
  • Artenzahl: über 200 beschriebene Arten
  • Lebensraum: Tropische und subtropische Meere, Korallenriffe, Felsküsten; wenige Arten im Brack- oder Süßwasser
  • Größe: je nach Art 15 cm (Zwergmuräne) bis über 3 m (Riesenmuräne, Gymnothorax javanicus)
  • Gewicht: bis etwa 30 kg bei den größten Arten
  • Lebenserwartung: 10–30 Jahre, in Aquarien teils über 30 Jahre

Aussehen & Merkmale

Muränen besitzen einen langgestreckten, seitlich leicht abgeflachten Körper, der auf den ersten Blick an eine Schlange erinnert. Bauchflossen und Brustflossen fehlen vollständig – ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal gegenüber vielen anderen aalartigen Fischen. Die Rückenflosse, die Schwanzflosse und die Afterflosse sind zu einem durchgehenden Flossensaum verschmolzen, der sich über den gesamten Rücken bis zur Unterseite erstreckt. Dieser Flossensaum dient der Fortbewegung und der Stabilisierung beim Schwimmen durch Riffstrukturen.

Die Haut der Muränen ist schuppenlos und von einer dicken Schleimschicht überzogen. Diese Schleimschicht schützt vor Parasiten, Abschürfungen am scharfkantigen Riffgestein und bei einigen Arten vor bakteriellen Infektionen. Bei manchen Gattungen, etwa bei der Gelbmaulmuräne (Gymnothorax nudivomer), enthält der Schleim toxische Substanzen.

Das Maul ist weit und mit kräftigen, nach hinten gebogenen Zähnen besetzt. Ein anatomisch einzigartiges Merkmal der Muränen ist das sogenannte Pharyngealkiefer-System: Ein zweiter, innenliegender Kiefersatz im Schlund kann nach vorne geschoben werden, um Beutetiere zu greifen und in den Rachen zu ziehen. Dieser Mechanismus wurde erst 2007 wissenschaftlich im Detail beschrieben und ist unter Knochenfischen in dieser Ausprägung einmalig.

Die Färbung variiert stark zwischen den Arten: von einfarbig braun oder schwarz über gefleckt, gestreift bis hin zu leuchtend blau bei der Geistermuräne (Rhinomuraena quaesita). Diese Farbvielfalt spielt sowohl bei der Tarnung als auch bei der Arterkennung eine Rolle.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Muränen umfasst nahezu alle tropischen und subtropischen Meeresregionen. Der Schwerpunkt der Artenvielfalt liegt im Indopazifik, besonders in den Korallenriffen Südostasiens, des Roten Meeres und der pazifischen Inselwelt. Im Atlantik kommen ebenfalls zahlreiche Arten vor, darunter die Mittelmeermuräne (Muraena helena), die an den Küsten Südeuropas und Nordafrikas verbreitet ist.

Als typisches Habitat dienen Korallenriffe, Felsriffe, Geröllfelder und Spalten in Küstennähe. Die Tiere bevorzugen Bereiche mit zahlreichen Höhlen und Versteckmöglichkeiten. Die meisten Arten leben in Tiefen zwischen 1 und 50 Metern, einige Tiefwasserarten wurden jedoch in über 300 Metern Tiefe nachgewiesen. Wenige Arten, etwa Vertreter der Gattung Gymnothorax, dringen gelegentlich in Brackwasser oder sogar Süßwasser vor.

Ernährung

Muränen sind Raubfische und ernähren sich je nach Art und Körpergröße von Fischen, Krebstieren, Tintenfischen und anderen wirbellosen Tieren. Die Zusammensetzung der Nahrung hängt stark von der Zahnmorphologie ab: Arten mit spitzen, nadelartigen Zähnen wie die Netzmuräne (Gymnothorax favagineus) jagen vorwiegend Fische, während Arten mit stumpfen, mahlzahnähnlichen Zähnen wie die Sternmuräne (Echidna nebulosa) auf hartschalige Krebstiere spezialisiert sind.

Bei der Jagd verlassen sich Muränen in erster Linie auf ihren ausgeprägten Geruchssinn. Die Augen sind relativ klein und spielen bei der Beutesuche eine untergeordnete Rolle. Beobachtungen im Roten Meer und an der Great Barrier Reef zeigten, dass Muränen gelegentlich kooperativ mit Zackenbarschen jagen: Der Zackenbarsch signalisiert der Muräne die Position einer versteckten Beute, woraufhin diese in die Spalten eindringt und den Fisch aufscheucht.

Verhalten & Lebensweise

Die meisten Muränenarten sind nachtaktiv. Tagsüber verbergen sie sich in Höhlen und Felsspalten, wobei häufig nur der Kopf aus dem Versteck herausragt. Das dabei ständig geöffnete Maul dient nicht der Drohung, sondern der Atmung: Muränen pumpen so aktiv Wasser über ihre Kiemen, da sie aufgrund des Fehlens von Kiemendeckeln auf diese Atembewegung angewiesen sind.

Muränen leben einzelgängerisch und verteidigen ein festes Revier, das aus einer oder mehreren Stammhöhlen besteht. Gegenüber Artgenossen verhalten sie sich außerhalb der Paarungszeit territorial. Manche Arten, etwa die Weißaugenmuräne (Gymnothorax thyrsoideus), wurden allerdings auch in lockeren Ansammlungen mehrerer Individuen in derselben Höhle beobachtet.

Trotz ihres aggressiven Rufs gehen Muränen Konfrontationen mit Menschen in der Regel aus dem Weg. Bisse ereignen sich fast ausschließlich, wenn Taucher in Höhlen greifen oder die Tiere füttern. Die Bisswunden können aufgrund der scharfen Zähne und der im Schleim enthaltenen Bakterien allerdings schwere Infektionen verursachen.