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Muskel

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Anatomie & Körperbau > Körperbau – allgemein

Definition & Überblick

Ein Muskel (lat. Musculus, Plural: Musculi) ist ein kontraktiles Organ, das aus spezialisierten Zellen – den Myozyten – aufgebaut ist und durch aktive Verkürzung (Kontraktion) mechanische Arbeit verrichtet. Muskeln ermöglichen Bewegung, Haltung, Wärmeproduktion und den Transport von Stoffen innerhalb des Körpers. Bei Haussäugetieren macht die Skelettmuskulatur je nach Art und Ernährungszustand zwischen 30 und 60 Prozent der gesamten Körpermasse aus. Die Gesamtheit der Muskulatur wird als Myologie bezeichnet und ist ein zentrales Teilgebiet der veterinäranatomischen Lehre.

Grundsätzlich werden drei Muskelgewebetypen unterschieden: die quergestreifte Skelettmuskulatur (Textus muscularis striatus skeletalis), die quergestreifte Herzmuskulatur (Textus muscularis striatus cardiacus) und die glatte Muskulatur (Textus muscularis nonstriatus). Diese Einteilung gilt für sämtliche Wirbeltiere und beruht auf mikroskopischen, funktionellen und neurophysiologischen Unterschieden.

Aufbau & Struktur

Der einzelne Skelettmuskel besitzt einen hierarchischen Aufbau. Die kleinste funktionelle Einheit ist das Sarkomer, begrenzt durch zwei Z-Scheiben (Lineae Z). Innerhalb des Sarkomers überlappen die dünnen Aktinfilamente und die dicken Myosinfilamente, deren Interaktion nach der Gleitfilamenttheorie die Kontraktion ermöglicht. Hunderte Sarkomere reihen sich zu Myofibrillen aneinander, die wiederum das Innere einer einzelnen Muskelfaser (Myofibra) ausfüllen.

Jede Muskelfaser ist von einer dünnen Bindegewebshülle, dem Endomysium, umgeben. Mehrere Fasern werden durch das Perimysium zu Faserbündeln (Fasciculi) zusammengefasst. Der gesamte Muskel erhält schließlich seine äußere Hülle durch das Epimysium, das in die derbe Faszie (Fascia) übergeht. Blutgefäße und Nerven treten am Muskelhilus ein.

Am Muskel unterscheidet man den fleischigen Muskelbauch (Venter) von den sehnigen Enden: Der Ursprung (Origo) liegt meist proximal oder rumpfnah, der Ansatz (Insertio) distal am bewegten Skelettabschnitt. Die Kraftübertragung auf den Knochen erfolgt über Sehnen (Tendines) aus straffem, kollagenem Bindegewebe oder über flächige Aponeurosen.

Muskeln werden nach ihrer Faserarchitektur klassifiziert:

  • Parallelfaserig (z. B. M. sartorius) – lange Fasern, großer Bewegungsumfang
  • Gefiedert (penniform, z. B. M. rectus femoris) – schräge Faseranordnung, hohe Kraftentwicklung
  • Ringförmig (Sphinktermuskulatur, z. B. M. sphincter ani externus)

Funktion

Die Hauptfunktion der Skelettmuskulatur besteht in der Lokomotion: Muskeln bewegen Gelenke, indem sie als Agonisten (Spieler), Antagonisten (Gegenspieler), Synergisten (Hilfsmuskeln) oder Fixatoren zusammenwirken. Die Steuerung erfolgt willkürlich über motorische Neurone des somatischen Nervensystems. Eine motorische Nervenfaser und die von ihr innervierten Muskelfasern bilden eine motorische Einheit. Je kleiner diese Einheit, desto feiner die mögliche Bewegungsabstufung – ein Prinzip, das etwa bei der Augenmuskulatur von Greifvögeln besonders ausgeprägt ist.

Die glatte Muskulatur arbeitet unwillkürlich unter vegetativer Kontrolle und findet sich in Hohlorganen wie Magen-Darm-Trakt, Harnblase, Uterus und Gefäßwänden. Sie erzeugt langsame, rhythmische Kontraktionen (Peristaltik) und reguliert den Tonus der Blutgefäße.

Die Herzmuskulatur (Myokard) nimmt eine Sonderstellung ein: Sie ist quergestreift, kontrahiert jedoch autonom-rhythmisch über das Erregungsleitungssystem und lässt sich willentlich nicht beeinflussen. Ihre Zellen sind über Glanzstreifen (Disci intercalares) elektrisch gekoppelt, was eine synchrone Kontraktion des gesamten Herzens gewährleistet.

Unterschiede zwischen Tierarten

Der relative Anteil und die Differenzierung der Muskulatur variieren erheblich zwischen den Spezies. Beim Pferd dominieren Typ-II-Fasern (schnelle, glykolytische Fasern) in der Kruppenmuskulatur, was die enorme Sprintleistung erklärt. Ausdauerrassen wie Araber zeigen einen höheren Anteil an Typ-I-Fasern (langsame, oxidative Fasern). Beim Hund variiert die Muskelmasse zwischen Rassen gravierend: Ein Greyhound besitzt proportional deutlich mehr Skelettmuskulatur als ein Dackel.

Bei Wiederkäuern ist die Kaumuskulatur – insbesondere der M. masseter und der M. pterygoideus medialis – besonders kräftig entwickelt, um die seitlichen Mahlbewegungen beim Wiederkäuen zu ermöglichen. Der Pansen von Rind und Schaf verfügt über eine zweischichtige glatte Muskulatur, deren koordinierte Kontraktion die Schichtung und den Weitertransport des Futterbreis steuert.

Vögel besitzen mit dem M. pectoralis und dem M. supracoracoideus zwei hochspezialisierte Flugmuskeln, die zusammen bis zu 35 Prozent der Körpermasse ausmachen können