Nabelbruch
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Definition & Überblick
Ein Nabelbruch (medizinisch: Hernia umbilicalis) ist eine der häufigsten angeborenen Fehlbildungen bei Haustieren. Dabei tritt Gewebe – meist Bauchfell, Fettgewebe oder in schwereren Fällen Darmschlingen – durch eine unvollständig geschlossene Öffnung in der Bauchwand im Bereich des Nabels nach außen. Die Öffnung wird als Bruchpforte (Bruchring) bezeichnet, der ausgetretene Gewebeanteil als Bruchinhalt, und die ihn umgebende Hülle aus Haut und Unterhautgewebe als Bruchsack.
Betroffen sind vor allem Welpen, Kätzchen, Fohlen und Kälber. Die Vorwölbung am Nabel ist oft schon wenige Tage nach der Geburt sichtbar. Während viele kleine Nabelbrüche harmlos sind und sich bei Jungtieren spontan zurückbilden können, besteht bei größeren Defekten das Risiko einer Inkarzeration – also einer Einklemmung von Darmschlingen –, die einen lebensbedrohlichen Notfall darstellt.
Ursachen & Risikofaktoren
Der Nabelring ist die natürliche Öffnung in der Bauchwand, durch die während der Embryonalentwicklung die Nabelgefäße verlaufen. Normalerweise verschließt sich diese Öffnung in den ersten Lebenstagen bis -wochen durch Kontraktion der umliegenden Muskulatur und Bindegewebsneubildung. Bleibt dieser Verschluss aus oder ist er unvollständig, entsteht ein Nabelbruch.
Die Ursachen lassen sich in zwei Gruppen unterteilen:
- Angeborene (kongenitale) Faktoren: Eine genetische Prädisposition spielt eine wesentliche Rolle. Bei bestimmten Hunderassen – etwa Airedale Terrier, Basenji, Pekinese und Weimaraner – treten Nabelbrüche gehäuft auf. Man vermutet einen polygenen Erbgang, weshalb betroffene Tiere in der Zucht kritisch bewertet werden sollten.
- Erworbene Faktoren: Unsachgemäßes Abnabeln, starkes Zerren an der Nabelschnur durch das Muttertier, Nabelinfektionen (Omphalitis) oder übermäßiger Bauchdruck beim Jungtier – etwa durch anhaltendes Pressen bei Verstopfung – können den Verschluss des Nabelrings stören oder eine bereits instabile Bauchwand zusätzlich schwächen.
Auch ein erhöhter intraabdominaler Druck durch Bauchwassersucht (Aszites) oder starken Wurmbefall kann bei jungen Tieren zur Entstehung oder Vergrößerung eines Nabelbruchs beitragen.
Symptome & Erkennung
Das Leitsymptom eines Nabelbruchs ist eine weiche, meist schmerzlose Umfangsvermehrung im Nabelbereich. Die Schwellung kann wenige Millimeter bis mehrere Zentimeter groß sein. Typisch ist, dass sich der Bruchinhalt bei leichtem Druck in die Bauchhöhle zurückschieben lässt – man spricht dann von einem reponiblen Nabelbruch. Anschließend lässt sich die Bruchpforte als ringförmige Öffnung in der Bauchwand ertasten.
Ein irreponibeler Nabelbruch liegt vor, wenn sich der Inhalt nicht mehr zurückverlagern lässt. Die Ursachen dafür sind Verwachsungen oder eine Einklemmung. Folgende Warnsignale deuten auf eine Inkarzeration hin:
- Plötzliche Schwellung, die hart und schmerzhaft ist
- Rötung oder bläuliche Verfärbung der Haut über dem Bruch
- Fieber, Appetitlosigkeit und Apathie
- Erbrechen und fehlender Kotabsatz als Zeichen eines mechanischen Ileus (Darmverschluss)
- Deutliche Schmerzäußerungen bei Berührung des Bauches
Bei unkomplizierten Fällen zeigen die Tiere in der Regel keinerlei Beeinträchtigung. Die Schwellung fällt Tierhaltern häufig zufällig beim Streicheln oder bei der Pflege auf.
Diagnose
Die Diagnose eines Nabelbruchs erfolgt in den meisten Fällen durch die klinische Untersuchung (Adspektion und Palpation). Der Tierarzt beurteilt die Größe der Bruchpforte, die Beschaffenheit des Bruchinhalts und die Reponierbarkeit. Bereits durch sorgfältiges Abtasten lässt sich häufig einschätzen, ob es sich beim Bruchinhalt um Fettgewebe oder um Darmschlingen handelt.
Ergänzend wird in unklaren Fällen eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) des Nabelbereichs durchgeführt. Sie ermöglicht eine genaue Beurteilung des Bruchinhalts, der Bruchpfortengröße und der Durchblutungsverhältnisse. So lassen sich Einklemmungen und Durchblutungsstörungen frühzeitig erkennen. In seltenen Fällen kann eine Röntgenaufnahme – gegebenenfalls mit Kontrastmittel – notwendig sein, um einen Darmverschluss auszuschließen.
Differenzialdiagnostisch müssen Nabelabszesse, Nabeltumore sowie ein persistierender Urachus (eine offene Verbindung zwischen Harnblase und Nabel) abgegrenzt werden.
Behandlung & Therapie
Die Therapie richtet sich nach der Größe des Bruchs, dem Alter des Tieres und dem Risiko einer Einklemmung.
- Abwartende Beobachtung: Bei sehr kleinen, reponiblen Nabelbrüchen (Bruchpforte unter etwa 1 cm) kann bei Welpen und Kätzchen zunächst abgewartet werden. Viele dieser Brüche verschließen sich in den ersten sechs Lebensmonaten spontan. Regelmäßige Kontrolle durch den Tierarzt ist dabei unerlässlich.
- Chirurgische Versorgung (Herniotomie/Herniorrhaphie): Die operative Korrektur ist die Therapie der Wahl bei größeren Brüchen, bei persistierenden Defekten sowie bei jeder Form der Einklemmung