Niesen
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Definition & Überblick
Niesen (medizinisch: Sternutation) ist ein explosionsartiger, reflexartiger Ausstoß von Luft durch die Nase und den Mund. Es handelt sich dabei um einen physiologischen Schutzreflex, der die Nasenhöhle von Fremdkörpern, Reizstoffen oder überschüssigem Sekret befreit. Der Niesreflex wird über den Nervus trigeminus (fünfter Hirnnerv) ausgelöst, der die Schleimhäute der Nasenhöhle sensibel versorgt.
Gelegentliches Niesen ist bei nahezu allen Säugetieren, Vögeln und einigen Reptilienarten ein vollkommen normales Verhalten und kein Grund zur Beunruhigung. Tritt das Niesen jedoch gehäuft, anfallsartig oder in Verbindung mit weiteren Symptomen wie Nasenausfluss, Blutungen oder Atemnot auf, kann es auf eine zugrunde liegende Erkrankung hinweisen. Besonders häufig betroffen sind Katzen, Hunde, Kaninchen und Heimvögel. Die Ursachen reichen von harmlosen Reizungen bis hin zu ernsthaften Infektionskrankheiten oder Tumorerkrankungen, weshalb chronisches oder wiederkehrendes Niesen stets tierärztlich abgeklärt werden sollte.
Ursachen & Risikofaktoren
Die Ursachen für Niesen bei Tieren sind vielfältig und lassen sich in mehrere Kategorien einteilen:
- Infektiöse Ursachen: Virale Erkrankungen wie der Katzenschnupfenkomplex (Felines Herpesvirus, Felines Calicivirus), die Staupe beim Hund oder die Myxomatose beim Kaninchen gehören zu den häufigsten Auslösern. Bakterielle Infektionen mit Bordetella bronchiseptica, Chlamydia felis, Pasteurella multocida oder Mycoplasma-Spezies spielen ebenfalls eine bedeutende Rolle. Pilzinfektionen der Nasenhöhle (nasale Aspergillose, vor allem beim Hund) verursachen häufig chronisches Niesen mit eitrigem oder blutigem Nasenausfluss.
- Fremdkörper: Grannen, Grashalme, Samen oder kleine Insekten können in die Nasenhöhle gelangen und heftiges, plötzlich einsetzendes Niesen auslösen. Betroffen sind vor allem Hunde, die intensiv in hohem Gras schnüffeln.
- Allergien und Umweltreize: Pollen, Hausstaub, Schimmelpilzsporen, Zigarettenrauch, Parfüm, Reinigungsmittel oder staubige Einstreu können die Nasenschleimhaut reizen und allergische Rhinitis mit Niesanfällen hervorrufen.
- Zahnerkrankungen: Bei Hunden und Katzen können Zahnwurzelabszesse der oberen Backenzähne in die Nasenhöhle durchbrechen und eine sogenannte oronasale Fistel bilden, die chronisches Niesen und einseitigen Nasenausfluss verursacht.
- Neoplasien: Nasentumoren wie Adenokarzinome, Lymphome oder Plattenepithelkarzinome treten vor allem bei älteren Tieren auf und führen zu progressivem Niesen, häufig mit blutigem Ausfluss (Epistaxis).
- Anatomische Besonderheiten: Brachyzephale Rassen (Mops, Perserkatze, Französische Bulldogge) neigen aufgrund ihrer verkürzten Nasengänge und verengten Atemwege vermehrt zu Niesen und Atemwegsproblemen.
Zu den Risikofaktoren zählen ein geschwächtes Immunsystem (bei Jungtieren, alten oder immunsupprimierten Tieren), fehlender Impfschutz, Haltung in Gruppen mit hohem Infektionsdruck sowie Stress durch Umgebungswechsel oder Vergesellschaftung.
Symptome & Erkennung
Einzelnes, gelegentliches Niesen ohne Begleitsymptome ist in der Regel harmlos. Aufmerksamkeit ist geboten, wenn folgende Anzeichen auftreten:
- Nasenausfluss (Rhinorrhoe): Serös (klar und wässrig), mukös (schleimig), mukopurulent (eitrig-schleimig) oder hämorrhagisch (blutig). Die Beschaffenheit und Seitigkeit des Ausflusses liefern wichtige diagnostische Hinweise. Einseitiger Ausfluss deutet eher auf Fremdkörper, Zahnprobleme oder Tumoren hin, beidseitiger Ausfluss eher auf Infektionen oder Allergien.
- Rückwärtsniesen (Reverse Sneezing): Besonders bei Hunden häufig; ein anfallsartiges, schnarchendes Einziehen von Luft durch die Nase, das durch Reizung des Nasopharynx ausgelöst wird. Meist harmlos, kann aber bei gehäuftem Auftreten abklärungsbedürftig sein.
- Begleitsymptome: Augenausfluss (Epiphora), Konjunktivitis, Husten, Würgen, Appetitlosigkeit, Fieber, Gesichtsschwellung oder -asymmetrie, laute Atemgeräusche (Stridor) sowie Abgeschlagenheit.
- Verhaltensänderungen: Häufiges Reiben der Nase mit den Pfoten, Kopfschütteln, reduzierte Futteraufnahme (insbesondere bei Katzen, die stark auf den Geruchssinn angewiesen sind).
Diagnose
Die Diagnostik beginnt mit einer gründlichen Anamnese – Dauer und Häufigkeit des Niesens, Impfstatus, Haltungsbedingungen, mögliche Allergenexposition – und einer klinischen Allgemeinuntersuchung. Darauf aufbauend stehen verschiedene weiterführende Verfahren zur Verfügung:
- Rhinoskopie: Die endoskopische Untersuchung der Nasenhöhle unter Narkose ermöglicht die direkte Visualisierung von Fremdkörpern, Schleimhautveränderungen, Polypen oder Tumoren und erlaubt die Entnahme von Biopsien.
- Bildgebende Verfahren: Röntgenaufnahmen des Schädels geben Hinweise auf Knochenzerstörung oder Verschattungen. Die Computertomographie (CT) ist