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Ohrräude

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Definition & Überblick

Die Ohrräude, in der veterinärmedizinischen Fachsprache als Otoacariasis oder Otodectes-Räude bezeichnet, ist eine parasitäre Erkrankung des äußeren Gehörgangs, die durch die Ohrmilbe Otodectes cynotis verursacht wird. Sie zählt zu den häufigsten Ursachen für Ohrenentzündungen bei Hunden und Katzen, wobei Katzen – insbesondere junge Tiere und solche mit Freigang – deutlich häufiger betroffen sind. Auch Frettchen, Kaninchen und andere Heimtiere können erkranken.

Die Ohrmilben sind winzige, mit bloßem Auge kaum sichtbare Spinnentiere (Arachnida), die sich an der Oberfläche des Gehörgangs aufhalten. Sie ernähren sich von Gewebeflüssigkeit, Lymphe und abgeschilferten Hautzellen. Ihr gesamter Lebenszyklus – vom Ei über Larve und Nymphe bis zum adulten Parasiten – spielt sich innerhalb von etwa drei Wochen im Ohr des Wirtstieres ab. Ein einzelnes befallenes Tier kann dabei mehrere Tausend Milben beherbergen.

Unbehandelt führt die Ohrräude zu einer chronischen Entzündung des äußeren Gehörgangs (Otitis externa), die sich in schweren Fällen auf das Mittel- und Innenohr ausbreiten kann. Sekundäre bakterielle oder Pilzinfektionen sind häufige Komplikationen.

Ursachen & Risikofaktoren

Einzige Ursache der Ohrräude ist der Befall mit der Milbenart Otodectes cynotis. Die Übertragung erfolgt durch direkten Körperkontakt zwischen Tieren – etwa beim Spielen, Schlafen auf gemeinsamen Liegeplätzen oder während der Aufzucht von Welpen und Kitten durch das Muttertier. Eine indirekte Übertragung über kontaminierte Gegenstände wie Decken, Bürsten oder Transportboxen ist möglich, spielt aber eine untergeordnete Rolle, da die Milben außerhalb des Wirts nur begrenzt überlebensfähig sind.

Bestimmte Faktoren erhöhen das Erkrankungsrisiko:

  • Junges Alter: Welpen und Kitten sind besonders anfällig, da ihr Immunsystem noch nicht vollständig ausgereift ist.
  • Freigang und Kontakt zu Artgenossen: Tiere in Mehrtierhaushaltungen, Tierheimen, Zuchten oder mit Freigang haben ein erhöhtes Ansteckungsrisiko.
  • Geschwächtes Immunsystem: Chronische Erkrankungen, Stress oder immunsuppressive Therapien begünstigen einen stärkeren Befall.
  • Fehlende Parasitenprophylaxe: Tiere ohne regelmäßigen Parasitenschutz sind naturgemäß stärker gefährdet.

Eine Übertragung auf den Menschen ist extrem selten und führt allenfalls zu vorübergehenden, selbstlimitierenden Hautirritationen. Otodectes cynotis ist kein dauerhafter Humanparasit.

Symptome & Erkennung

Das klinische Bild der Ohrräude ist oft recht charakteristisch, kann jedoch in seiner Ausprägung erheblich variieren. Manche Tiere zeigen bei massivem Befall erstaunlich wenig Symptome, während andere bereits bei geringer Milbenzahl starken Juckreiz entwickeln – letzteres deutet auf eine allergische Überempfindlichkeitsreaktion gegen Milbensekrete und Ausscheidungen hin.

Typische Anzeichen sind:

  • Intensiver Juckreiz (Pruritus): Häufiges und heftiges Kratzen an den Ohren, Schütteln und Schiefhalten des Kopfes.
  • Dunkelbrauner bis schwarzer, krümeliger Ohrenschmalz: Das Sekret wird oft als „kaffeesatzartig" beschrieben und ist das wohl typischste Merkmal der Erkrankung.
  • Rötung und Schwellung: Die Haut des Gehörgangs ist gerötet, gereizt und kann verdickt erscheinen.
  • Unangenehmer Geruch: Insbesondere bei sekundärer bakterieller Infektion entwickelt sich ein fauliger Geruch aus dem Gehörgang.
  • Kratzwunden und Krusten: Durch das intensive Kratzen entstehen Hautläsionen rund um die Ohren, am Hals und an den Wangen. Selten bildet sich ein Othämatom (Blutohr) durch die Schädigung kleiner Blutgefäße der Ohrmuschel.
  • Verhaltensänderungen: Unruhe, Berührungsempfindlichkeit am Kopf, Appetitlosigkeit in schweren Fällen.

In seltenen Fällen besiedeln die Milben auch andere Körperregionen wie Nacken, Rumpf oder Schwanzansatz und verursachen dort Hautveränderungen, die einer Dermatitis ähneln.

Diagnose

Die Verdachtsdiagnose ergibt sich häufig bereits aus der klinischen Untersuchung und dem typischen Erscheinungsbild des Ohrsekretes. Zur sicheren Diagnose stehen dem Tierarzt mehrere Verfahren zur Verfügung:

  • Otoskopie: Bei der Untersuchung des Gehörgangs mit einem Otoskop lassen sich die weißlichen, beweglichen Milben auf dem dunklen Untergrund des Ohrsekretes häufig direkt erkennen.
  • Mikroskopische Untersuchung: Ein Abstrich des Ohrsekretes wird auf einen Objektträger aufgebracht, gegebenenfalls mit Mineralöl oder Kalilauge aufbereitet und unter dem Lichtmikroskop betrachtet. Adulte Milben, Nymphen, Larven und Eier sind gut identifizierbar. Diese Methode gilt als diagnostischer Goldstandard.
  • Videoendoskopie: In spezialisierten Praxen kann eine vergrößernde Videoendoskopie des Gehörgangs durchgeführt werden, die eine besonders detaillierte Beurteilung ermöglicht.

Differentialdiagnostisch müssen andere Ursachen einer Otitis externa abgegrenzt werden, darunter bakterielle Infektionen, Hefepilzbefall (Malassezia), Fremdkörper im Gehörgang, Allergien oder andere Milbenarten.

Behandlung &