Orca
OTierart – Säugetiere > Meeressäuger – Wale
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Orcinus orca
- Ordnung: Wale (Cetacea)
- Unterordnung: Zahnwale (Odontoceti)
- Familie: Delfine (Delphinidae)
- Gattung: Orcinus
- Lebensraum: Alle Ozeane, von der Arktis bis zur Antarktis; küstennahe und pelagische Gewässer
- Größe: Männchen bis 9,8 m, Weibchen bis 8,5 m
- Gewicht: Männchen bis 6.600 kg, Weibchen bis 4.700 kg
- Lebenserwartung: Weibchen 50–80 Jahre, Männchen 30–50 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Orca, im Deutschen auch als Schwertwal oder Großer Schwertwal bezeichnet, ist die größte Art innerhalb der Familie der Delfine (Delphinidae). Sein Körperbau ist kräftig und stromlinienförmig, mit einem massigen, torpedoartigen Rumpf. Auffälligstes äußeres Merkmal ist die schwarz-weiße Kontrastfärbung: Die Oberseite des Körpers, einschließlich Rücken, Flanken und Flossen, ist tiefschwarz, während die Unterseite vom Unterkiefer bis in den Bauchbereich reinweiß gefärbt ist. Hinter jedem Auge befindet sich ein ovaler, weißer Augenfleck, der individuell variiert und zur Identifikation einzelner Tiere herangezogen werden kann. Ein grauer bis weißlicher Sattelfleck sitzt hinter der Rückenfinne.
Die Rückenflosse (Finne) zeigt einen deutlichen Geschlechtsdimorphismus: Bei ausgewachsenen Männchen kann sie bis zu 1,8 m hoch werden und steht nahezu senkrecht, während sie bei Weibchen und Jungtieren kleiner und sichelförmig gebogen ist. Die Brustflossen (Pectoralflossen) sind breit und paddelförmig. Im Oberkiefer und Unterkiefer sitzen jeweils 10 bis 14 konische, ineinandergreifende Zähne pro Kieferhälfte, die bis zu 13 cm lang werden können. Wie bei allen Zahnwalen dienen sie dem Ergreifen der Beute, nicht dem Kauen.
Die Haut des Orcas ist glatt, haarlos und von einer dicken Fettschicht (Blubber) unterlegt, die als Wärmeisolierung und Energiespeicher fungiert. Diese Speckschicht kann bis zu 10 cm dick sein.
Lebensraum & Verbreitung
Kein anderes Säugetier außer dem Menschen besitzt ein vergleichbar weiträumiges Verbreitungsgebiet. Orcas besiedeln sämtliche Ozeane von den Tropen bis zu den Polarmeeren. Besonders hohe Populationsdichten finden sich in kühleren, nährstoffreichen Gewässern wie dem Nordpazifik vor British Columbia und Alaska, den Gewässern um Island und Norwegen sowie rund um die Antarktis. Sie bewohnen sowohl küstennahe Habitate mit flachen Schelfgebieten als auch offene, pelagische Zonen in der Hochsee. Einzelne Populationen dringen regelmäßig in Flussmündungen und Fjorde vor. Das Biotop wird maßgeblich durch das Nahrungsangebot bestimmt, weshalb viele Gruppen saisonale Wanderungen unternehmen.
Ernährung
Der Orca ist ein Spitzenprädator, der an der Spitze der marinen Nahrungskette steht. Sein englischer Beiname „Killer Whale" geht auf die Beobachtung baskischer Walfänger zurück, die ihn als „Walkiller" bezeichneten, da er selbst große Bartenwale angreift. Das Nahrungsspektrum ist je nach Population und Ökotyp sehr unterschiedlich. Im Nordostpazifik werden drei Ökotypen unterschieden: Residente Gruppen ernähren sich überwiegend von Fischen, insbesondere von Lachsen (vor allem Königslachs, Oncorhynchus tshawytscha). Transiente Gruppen (auch Bigg's-Orcas genannt) jagen dagegen vorwiegend marine Säugetiere wie Robben, Seelöwen, Seeotter und andere Walarten. Offshore-Orcas haben sich auf Haie und andere Knorpelfische spezialisiert.
Die Jagdstrategien sind hochentwickelt und werden innerhalb der Gruppe kulturell weitergegeben. Bekannt ist das gezielte Anspülen auf Strände, um Robben zu erbeuten (sogenanntes „Intentional Stranding"), das koordinierte Erzeugen von Wellen, um Robben von Eisschollen zu waschen (Wellenwaschen), sowie das Zusammentreiben von Fischschwärmen durch Luftblasen und Schwanzschläge (Karussell-Fütterung).
Verhalten & Lebensweise
Orcas sind hochsoziale Tiere, die in stabilen Familienverbänden leben. Die Grundeinheit ist die Mutterlinie (Matrilinie), bestehend aus einem Weibchen, seinen Nachkommen und deren Jungtieren. Mehrere Matrilinien bilden einen Pod, der zwischen 5 und 50 Tiere umfassen kann. Die sozialen Bindungen innerhalb einer Matrilinie sind außerordentlich eng; bei residenten Populationen verlassen weder Söhne noch Töchter dauerhaft die Gruppe der Mutter. Dieses matrilineare System ist unter Säugetieren selten.
Die Kommunikation erfolgt über ein komplexes Repertoire aus Klicklauten, Pfeifen und gepulsten Rufen. Jeder Pod verfügt über einen eigenen Dialekt – ein spezifisches Set wiederkehrender Rufe, das kulturell von Generation zu Generation weitergegeben wird. Zur Echoortung setzen Orcas hochfrequente Klicklaute ein, die über das Organ der Melone gebündelt und ausgesendet werden.
Orcas sind sowohl tag- als auch nachtaktiv und zeigen keine strikte Bindung an einen Tagesrhythmus. Ihre Tauchgänge erreichen Tiefen von bis zu 300 m, gewöhnlich halten sie sich jedoch in den oberen 100 m der Wassersäule auf. Die Schwimmgeschwindigkeit liegt im Normalfall bei 6–10 km/h, kann bei der Jagd aber auf über 55 km/h ansteigen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Weibchen erreichen die Geschlechtsreife mit 12 bis 16 Jahren, Männchen mit etwa 15 Jahren, wobei ihre volle körperliche Reife erst um das 21. Leben