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Ortolan

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Tierart – Vögel > Singvögel – Finken & Ammern

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Emberiza hortulana
  • Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
  • Familie: Ammern (Emberizidae)
  • Gattung: Emberiza
  • Größe: 15–17 cm
  • Gewicht: 20–27 g
  • Flügelspannweite: 23–29 cm
  • Lebensraum: Offene, trockene Kulturlandschaften, lichte Waldränder, Weinberge, Brachflächen
  • Lebenserwartung: ca. 5–7 Jahre
  • Nahrung: Insekten, Sämereien, Getreidekörner
  • Zugverhalten: Langstreckenzieher, Überwinterung in Afrika südlich der Sahara

Aussehen & Merkmale

Der Ortolan, auch als Gartenammer bekannt, ist ein eher unscheinbarer Singvogel von schlanker Gestalt. Das Männchen zeigt im Prachtkleid einen olivgraugrünen Kopf mit einem deutlichen gelblichen Augenring und einem blassgelben Kehlfleck, der sich als schmaler Bartstreif nach unten zieht. Die Brust ist olivgrau bis grünlich getönt und geht in ein warmes Rostbraun am Bauch und an den Flanken über. Der Rücken ist braun mit dunklen Schaftstrichen, die Flügel sind dunkelbraun mit hellen Federsäumen.

Das Weibchen ist insgesamt matter gefärbt. Kopf und Brust wirken stärker gestreift, der Kehlfleck fällt weniger kontrastreich aus. Jungvögel ähneln dem Weibchen, sind jedoch noch dichter gestrichelt. Der Schnabel ist im Vergleich zu anderen Ammern recht kurz und kegelförmig, typisch rosafarben bis fleischfarben mit einer dunklen Firstlinie. Die Beine sind ebenfalls rosafarben – ein Merkmal, das den Ortolan von ähnlichen Arten wie der Zaunammer (Emberiza cirlus) oder der Zippammer (Emberiza cia) unterscheidet.

Im Gefieder lässt sich der Ortolan am besten durch die Kombination aus gelblichem Kehlfeld, grüngrauem Kopf und rostbrauner Unterseite identifizieren. Im Flug sind keine auffälligen weißen Schwanzaußenfedern zu erkennen, wie sie etwa bei der Goldammer (Emberiza citrinella) vorkommen.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Ortolans erstreckt sich von Westeuropa über Mittel- und Osteuropa bis nach Zentralasien. In Skandinavien erreicht die Art ihre nördliche Verbreitungsgrenze, im Mittelmeerraum die südliche innerhalb des europäischen Brutareals. In Deutschland kommt der Ortolan nur noch in wenigen Regionen vor, vor allem in der Lüneburger Heide, in Teilen Brandenburgs und Sachsen-Anhalts.

Als Biotop bevorzugt die Gartenammer offene, trockenwarme Landschaften mit lockerem Baumbestand. Typische Habitate sind extensiv bewirtschaftete Äcker, Weinberge, Streuobstwiesen, lichte Kiefernwaldränder und trockene Brachflächen. Entscheidend sind einzelne erhöhte Singwarten – etwa Bäume, Büsche oder Leitungsdrähte –, von denen aus das Männchen sein Revier akustisch markiert. Dicht bewaldete oder intensiv genutzte Agrarflächen werden gemieden.

Als Langstreckenzieher verlässt der Ortolan seine Brutgebiete im August und September und überwintert in der Sahelzone sowie in Ostafrika. Der Heimzug erfolgt spät, meist erst ab Ende April oder Anfang Mai.

Ernährung

Die Nahrung des Ortolans setzt sich je nach Jahreszeit unterschiedlich zusammen. Während der Brutzeit dominieren tierische Bestandteile: Käfer, Heuschrecken, Ameisen, Raupen und andere Insekten bilden die Hauptnahrung und sind für die Aufzucht der Nestlinge unverzichtbar. Außerhalb der Brutperiode und besonders vor dem Herbstzug steigt der Anteil pflanzlicher Kost deutlich an. Dann werden Sämereien von Gräsern und Kräutern, Getreidekörner und kleine Samen aufgenommen. Die Nahrungssuche findet überwiegend am Boden statt, wo der Vogel mit kurzen Hüpfschritten und gezieltem Picken nach Futter sucht.

Verhalten & Lebensweise

Der Ortolan ist tagaktiv und während der Brutzeit ausgesprochen standorttreu. Die Männchen besetzen ihre Reviere kurz nach der Ankunft aus dem Winterquartier und verteidigen sie durch ausdauernden Gesang. Der Reviergesang wird von einer exponierten Warte aus vorgetragen und besteht aus einer kurzen, klar strukturierten Strophe mit wenigen abfallenden Tönen – oft beschrieben als ein weiches, melancholisches „ziü-ziü-ziü-düh-düh". Jedes Männchen besitzt individuelle Strophenvarianten, die teils regional als Dialekte auftreten.

Außerhalb der Brutzeit ist der Ortolan geselliger und schließt sich auf dem Zug kleineren Trupps an, gelegentlich auch gemischt mit anderen Ammernarten. Der nächtliche Zug erfolgt in lockeren Gruppen über das Mittelmeer und die Sahara – eine erhebliche Leistung für einen nur rund 25 Gramm schweren Vogel.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Balz beginnt unmittelbar nach der Revierbesetzung im Mai. Das Männchen lockt das Weibchen durch intensiven Gesang und gelegentliche Balzflüge mit gespreiztem Schwanz und langsamen Flügelschlägen. Der Ortolan führt in der Regel eine monogame Saisonehe.

Das Nest wird vom Weibchen allein errichtet, meist gut versteckt am Boden in einer flachen Mulde unter Grashorsten, Stauden oder niedrigen Büschen. Es besteht aus trockenen Halmen, Wurzeln und feinen Gräsern und wird innen mit Tierhaaren oder Pflanzenfasern ausgepolstert. Das Gelege umfasst vier bis sechs Eier, die eine blassrosa bis grauweiße Grundfarbe mit dunklen Kritzeln und Flecken aufweisen.

Das Weibchen brütet allein über einen Zeitraum von 11 bis 13 Tagen. Die Nestlinge sind Nesthocker