Pilzbefall
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Definition & Überblick
Unter dem Begriff Pilzbefall (Fachbegriff: Mykose) versteht man eine Infektion durch pathogene Pilze, die Haut, Schleimhäute, Organe oder systemische Strukturen von Tieren befallen können. Mykosen zählen zu den häufigsten Hauterkrankungen in der Tiermedizin und betreffen nahezu alle Tierarten – von Hund und Katze über Pferde und Kaninchen bis hin zu Vögeln und Reptilien.
Je nach Erreger und betroffener Körperregion unterscheidet man verschiedene Formen: Dermatomykosen (Hautpilzinfektionen, auch Dermatophytosen genannt), Hefepilzinfektionen (z. B. durch Malassezia oder Candida) und systemische Mykosen, bei denen innere Organe betroffen sind. Die mit Abstand häufigste Form ist der Hautpilz, ausgelöst durch Dermatophyten der Gattungen Microsporum, Trichophyton und Epidermophyton. Besonders relevant ist, dass viele dieser Erreger Zoonosen darstellen – sie sind also vom Tier auf den Menschen übertragbar.
Ursachen & Risikofaktoren
Pilzinfektionen entstehen durch den Kontakt mit Pilzsporen, die in der Umwelt äußerst widerstandsfähig sind und monatelang in Teppichen, Decken, Bürsten oder im Erdreich überleben können. Die Übertragung erfolgt durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren, durch kontaminierte Gegenstände (Bürsten, Sattelzeug, Transportboxen) oder über die Umgebung.
Nicht jedes Tier, das mit Pilzsporen in Berührung kommt, erkrankt. Ob es zu einer manifesten Infektion kommt, hängt wesentlich vom Immunstatus des Tieres ab. Folgende Risikofaktoren begünstigen einen Pilzbefall:
- Geschwächtes Immunsystem – etwa durch chronische Erkrankungen, Stress, Parasitenbefall oder immunsuppressive Medikamente (z. B. Kortison)
- Junges oder hohes Alter – Welpen, Kitten und Senioren sind besonders anfällig
- Feucht-warmes Klima – Pilze gedeihen optimal bei Wärme und Feuchtigkeit
- Haltung in großen Gruppen – Tierheime, Zuchtbetriebe und Ställe bieten ideale Bedingungen für eine Ausbreitung
- Vorgeschädigte Haut – kleine Verletzungen, Ekzeme oder Parasitenbefall erleichtern das Eindringen der Sporen
- Mangelernährung und unzureichende Hygiene
Bei Katzen ist Microsporum canis der häufigste Erreger; bei Hunden spielen zusätzlich Trichophyton mentagrophytes und Microsporum gypseum eine wichtige Rolle. Pferde sind häufig von Trichophyton equinum betroffen.
Symptome & Erkennung
Das klinische Bild einer Mykose variiert je nach Erreger, betroffener Tierart und Lokalisation erheblich. Typische Anzeichen eines Hautpilzbefalls sind:
- Kreisrunder Haarausfall (Alopezie) – oft das auffälligste Symptom, besonders an Kopf, Ohren, Pfoten und Gliedmaßen
- Schuppige, krustige Hautstellen mit grau-weißlichen Belägen
- Rötung und Entzündung der betroffenen Areale
- Juckreiz (Pruritus) – unterschiedlich stark ausgeprägt; manche Tiere kratzen sich kaum, andere intensiv
- Brüchige, abgebrochene Haare im Randbereich der Läsionen
- Verdickung der Haut (Hyperkeratose) bei chronischem Verlauf
Bei Hefepilzinfektionen durch Malassezia pachydermatis – häufig bei Hunden – zeigen sich fettige, übelriechende Hautveränderungen, besonders in Hautfalten, am Gehörgang und zwischen den Zehen. Eine Otitis externa (äußere Gehörgangsentzündung) mit bräunlich-schmierigem Sekret kann ebenfalls durch Hefepilze verursacht sein.
Besondere Vorsicht ist bei Katzen geboten: Manche Katzen sind asymptomatische Träger, zeigen also keinerlei Symptome, scheiden aber massenhaft Sporen aus und infizieren andere Tiere und Menschen.
Diagnose
Eine zuverlässige Diagnose allein anhand des äußeren Erscheinungsbildes ist nicht möglich, da viele Hauterkrankungen ähnlich aussehen können. Dem Tierarzt stehen mehrere Diagnoseverfahren zur Verfügung:
- Wood'sche Lampe – Unter ultraviolettem Licht fluoreszieren bestimmte Microsporum canis-Stämme apfelgrün. Allerdings zeigen nur etwa 50 % der Stämme diese Fluoreszenz, sodass ein negatives Ergebnis einen Pilzbefall nicht ausschließt.
- Pilzkultur (mykologische Kultur) – gilt als Goldstandard. Haarproben und Hautgeschabsel werden auf speziellen Nährmedien (z. B. Sabouraud-Agar, DTM-Agar) kultiviert. Das Ergebnis liegt nach ein bis drei Wochen vor und ermöglicht eine genaue Erregerbestimmung.
- Mikroskopische Untersuchung (Trichogramm) – Haare und Schuppen werden unter dem Mikroskop auf Pilzsporen und -hyphen untersucht. Schnelle Methode, aber nicht immer eindeutig.
- PCR-Diagnostik (Polymerase-Kettenreaktion) – eine moderne, hochsensitive molekularbiologische Methode zum schnellen Erregernachweis, die zunehmend in der Praxis eingesetzt wird.
- Hautbiopsie – in unklaren oder chronischen Fällen