Piranha
PTierart – Fische > Sonstige Fische
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Serrasalmidae (Familie), bekannteste Gattungen: Pygocentrus, Serrasalmus, Pristobrycon
- Ordnung: Salmlerartige (Characiformes)
- Familie: Sägesalmler (Serrasalmidae)
- Lebensraum: Süßgewässer Südamerikas – Flüsse, Überschwemmungsgebiete, Seen
- Größe: 15–45 cm je nach Art, Ausnahmen bis 50 cm
- Gewicht: 0,5–4 kg, beim Schwarzen Piranha (Serrasalmus rhombeus) gelegentlich über 4 kg
- Lebenserwartung: 10–25 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis 30 Jahre
Aussehen & Merkmale
Piranhas besitzen einen hochrückigen, seitlich stark abgeflachten Körperbau, der ihnen eine scheibenförmige Silhouette verleiht. Die Schuppen sind klein, fest sitzend und meist silbrig bis grau gefärbt, wobei artspezifische Unterschiede auftreten. Der Rote Piranha (Pygocentrus nattereri), die bekannteste Art, zeigt eine auffällig rot-orange gefärbte Bauch- und Kehlregion, die sich während der Laichzeit intensiviert. Der Schwarze Piranha hingegen ist nahezu einheitlich dunkelgrau bis schwarz.
Das auffälligste Merkmal ist das Gebiss. Piranhas tragen in beiden Kiefern eine einzelne Reihe dreieckiger, rasiermesserscharfer Zähne, die ineinandergreifen wie die Klingen einer Zickzackschere. Die Zähne werden regelmäßig ersetzt – jeweils ein ganzes Kieferviertel gleichzeitig, sodass stets funktionstüchtige Zähne vorhanden sind. Die Beißkraft ist im Verhältnis zur Körpergröße außergewöhnlich hoch. Der Unterkiefer ist kräftig und leicht vorstehend, was dem Kopf ein bulliges Profil gibt. Die Augen sind verhältnismäßig groß und ermöglichen gutes Sehen auch in trübem Wasser.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Piranhas erstreckt sich über weite Teile des tropischen und subtropischen Südamerika. Die höchste Artenvielfalt findet sich in den Flusssystemen des Amazonas, des Orinoco und des Río Paraguay-Paraná. Sie besiedeln unterschiedliche aquatische Habitate: langsam fließende Flussabschnitte, saisonale Überschwemmungswälder (Várzea und Igapó), Altarme, Lagunen und stehende Gewässer.
Die Wassertemperaturen in ihrem Biotop liegen typischerweise zwischen 24 und 30 °C. Piranhas bevorzugen Gewässerabschnitte mit dichter Ufervegetation, Totholz und anderen Strukturen, die als Deckung und Laichsubstrat dienen. In einigen Regionen außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets – etwa in Flüssen Nordamerikas und Asiens – wurden vereinzelt ausgesetzte Exemplare nachgewiesen, ohne dass sich bislang stabile Populationen etabliert hätten.
Ernährung
Piranhas sind keineswegs reine Fleischfresser, wie es der populäre Mythos suggeriert. Die Ernährungsweise variiert erheblich zwischen den rund 30 bis 60 beschriebenen Arten. Die meisten Vertreter sind omnivor und ernähren sich opportunistisch. Der Rote Piranha frisst Fische, Insekten, Krebstiere, Würmer, Aas und pflanzliches Material wie Früchte und Samen, die ins Wasser fallen. Einige Arten wie Tometes und Myloplus, die taxonomisch eng mit den Piranhas verwandt sind, ernähren sich sogar überwiegend herbivor.
Das berüchtigte Schwarmfressen, bei dem Piranhas innerhalb von Minuten große Beutetiere bis auf das Skelett abnagen, kommt tatsächlich vor – allerdings fast ausschließlich unter extremen Bedingungen. Während Trockenperioden, wenn Fische in schrumpfenden Gewässern auf engem Raum zusammengedrängt werden und Nahrung knapp ist, können sich Gruppen von Piranhas in einen Fressrausch steigern. Im Normalbetrieb jagen sie eher einzelne, geschwächte oder verletzte Fische und fressen sich keineswegs täglich satt.
Verhalten & Lebensweise
Piranhas leben überwiegend in Gruppen, die je nach Art und Umweltbedingungen wenige Dutzend bis mehrere Hundert Individuen umfassen. Diese Schwarmbildung dient allerdings weniger der kooperativen Jagd als vielmehr dem Schutz vor Fressfeinden. Piranhas stehen auf dem Speiseplan zahlreicher Raubfische, Kaimane, Riesenotter, Kormorane und Reiher. Innerhalb des Schwarms nehmen die Tiere keine klar definierten Reviere ein, zeigen aber durchaus Dominanzhierarchien.
Die Aktivitätsphasen verteilen sich über den gesamten Tag, wobei die Nahrungssuche vor allem in den Morgen- und Abendstunden stattfindet. Piranhas sind keine nachtaktiven Fische, reduzieren ihre Aktivität nach Einbruch der Dunkelheit jedoch deutlich. Zur Wahrnehmung ihrer Umgebung nutzen sie neben dem Sehsinn ein gut ausgebildetes Seitenlinienorgan, das Druckwellen und Vibrationen im Wasser registriert. Geruchsreize spielen eine zentrale Rolle bei der Ortung von Nahrung – Blut im Wasser können sie in minimalen Konzentrationen wahrnehmen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzung der Piranhas ist an die saisonalen Wasserstandsschwankungen der südamerikanischen Flusssysteme gekoppelt. Die Laichzeit fällt in der Regel in die Regenzeit, wenn steigende Wasserpegel neue Lebensräume erschließen und das Nahrungsangebot zunimmt. Die Balz beim Roten Piranha umfasst Farbintensivierung, kreisende Schwimmbewegungen und das gemeinsame Säubern eines Laichplatzes.
Die Eier werden portionsweise in dichte Unterwasservegetation, Wurzelgeflechte oder Nester im Substrat abgelegt. Ein Gelege umfasst je nach Art zwischen 500 und