Polypterus
PTierart – Fische > Sonstige Fische
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Polypterus (Gattung mit ca. 14 anerkannten Arten)
- Ordnung: Polypteriformes (Flösselhechte)
- Familie: Polypteridae (Flösselhechte)
- Lebensraum: Süßgewässer Afrikas – Flüsse, Seen, Überschwemmungsgebiete und Sumpfregionen
- Größe: Je nach Art zwischen 25 cm (Polypterus mokelembembe) und über 70 cm (Polypterus bichir)
- Gewicht: Kleinere Arten wenige hundert Gramm, große Arten bis über 3 kg
- Lebenserwartung: 15–25 Jahre, in Gefangenschaft teils über 30 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Gattung Polypterus, im Deutschen als Flösselhechte bekannt, gehört zu den stammesgeschichtlich ältesten noch lebenden Strahlenflossern. Ihr Körperbau wirkt auf den ersten Blick reptilienhaft: Der Rumpf ist langgestreckt, zylindrisch und mit sehr harten, rhombischen Ganoidschuppen bedeckt. Diese Schuppen bestehen aus mehreren Schichten, darunter eine äußere Lage aus Ganoin – einem schmelzähnlichen Material, das bei modernen Knochenfischen nicht mehr vorkommt. Die Schuppen greifen gelenkartig ineinander und bilden einen regelrechten Panzer.
Namensgebend ist die Rückenflosse, die nicht als durchgehender Saum ausgebildet ist, sondern in eine Reihe einzelner Flösselchen (Pinnulae) aufgelöst wird. Je nach Art tragen die Tiere zwischen 5 und 18 solcher Flösselchen. Die Brustflossen sitzen auf einem fleischigen, muskulösen Stiel, der an die Extremitätenansätze früher Landwirbeltiere erinnert. Diese Flossenstruktur ermöglicht eine erstaunlich vielseitige Fortbewegung am Gewässergrund. Die Bauchflossen sitzen weit hinten am Körper, Schwanz- und Afterflosse sind abgerundet.
Ein weiteres archaisches Merkmal ist die paarige, lungenähnliche Schwimmblase. Im Gegensatz zu den meisten Knochenfischen dient sie nicht nur dem Auftrieb, sondern funktioniert als zusätzliches Atmungsorgan. Polypterus kann damit atmosphärische Luft aufnehmen – ein Vorteil in sauerstoffarmen Gewässern. Die Kiemen sind zwar voll funktionsfähig, doch ohne Zugang zur Wasseroberfläche ersticken die Tiere nach einiger Zeit.
Die Grundfärbung variiert artspezifisch von graubraun über olivgrün bis gelblich. Viele Arten zeigen dunkle Querbänder oder ein marmoriertes Muster, das der Tarnung im Habitat dient.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Gattung Polypterus erstreckt sich über weite Teile des tropischen und subtropischen Afrika. Schwerpunkte liegen im Einzugsgebiet des Nil, des Kongo, des Niger und des Tschadsees sowie in westafrikanischen Küstenflüssen. Die einzelnen Arten besetzen teils stark voneinander getrennte Areale, was die biogeographische Differenzierung innerhalb der Gattung erklärt.
Als Biotop bevorzugen Flösselhechte flache, pflanzenreiche Uferzonen, Überschwemmungsflächen, Sumpfgebiete und langsam fließende Flussabschnitte. Besonders häufig finden sie sich in Gewässern mit dichter Vegetation und schlammigem Grund, wo sie Deckung und Nahrung finden. Während der Regenzeit wandern mehrere Arten in saisonal überflutete Gebiete ein und nutzen das erweiterte Nahrungsangebot. In der Trockenzeit ziehen sie sich in permanente Gewässer zurück. Ihre Fähigkeit zur Luftatmung erlaubt es ihnen, auch extrem sauerstoffarme Habitate zu besiedeln, in denen andere Fischarten nicht überleben könnten.
Ernährung
Polypterus ist ein opportunistischer Raubfisch. Das Nahrungsspektrum umfasst Insektenlarven, Würmer, Krebstiere, kleine Fische und Amphibien. Die Beute wird überwiegend durch den Geruchssinn lokalisiert – die Augen sind relativ klein und das Sehvermögen spielt bei der Jagd eine untergeordnete Rolle. Die Tiere verfügen über gut entwickelte Nasenlöcher, die als röhrenartige Fortsätze am Kopf sichtbar sind und als chemosensorische Organe fungieren.
Die Nahrungsaufnahme erfolgt durch schnelles Zustoßen und Einsaugen der Beute. Größere Beutetiere werden mit den kräftigen Kiefern festgehalten und im Ganzen verschlungen. In Gefangenschaft nehmen Flösselhechte bereitwillig Frost- und Lebendfutter an, darunter Mückenlarven, Garnelen und Fischstücke.
Verhalten & Lebensweise
Flösselhechte sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber verbergen sie sich zwischen Wurzeln, Steinen oder dichter Vegetation am Gewässergrund. Mit Einbruch der Dunkelheit beginnen sie ihre Streifzüge entlang des Substrats. Die Fortbewegung erfolgt durch schlängelnde Körperbewegungen in Kombination mit dem Einsatz der Brustflossen, die fast wie primitive Beine eingesetzt werden können. Auf feuchtem Untergrund sind einzelne Arten sogar in der Lage, sich über kurze Strecken an Land zu bewegen.
Flösselhechte sind keine ausgesprochenen Schwarmfische, tolerieren aber Artgenossen in ausreichend großen Gewässerabschnitten. Territorialverhalten tritt vor allem bei ausgewachsenen Männchen auf, bleibt aber in der Regel auf Drohgebärden beschränkt. Die innerartliche Kommunikation erfolgt vermutlich vorwiegend über chemische Signale.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzung findet während der Regenzeit statt, wenn steigende Wasserstände und erhöhte Temperaturen die Laichbereitschaft auslösen. Die Balz ist bei mehreren Arten beobachtet worden: Das Männchen umkreist das Weibchen, berührt es mit der Schnauze und formt seine Afterflosse zu einer Art Tasche, mit der es die vom