Pyodermie
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Definition & Überblick
Der Begriff Pyodermie (von griechisch „pyon" = Eiter und „derma" = Haut) bezeichnet eine bakterielle Hautinfektion, die mit eitriger Entzündung einhergeht. Sie zählt zu den häufigsten dermatologischen Erkrankungen in der Tiermedizin und betrifft vor allem Hunde, seltener Katzen, Pferde oder andere Tierarten. Die Erkrankung kann oberflächlich begrenzt bleiben oder tiefere Hautschichten erfassen, wobei der Schweregrad von milden, lokal begrenzten Pusteln bis hin zu schweren, großflächigen Infektionen mit Gewebezerstörung reicht.
Man unterscheidet grundsätzlich drei Formen nach Tiefe der Infektion:
- Oberflächenpyodermie (Surface Pyodermie): Die Infektion betrifft ausschließlich die äußerste Hornschicht (Stratum corneum) der Epidermis. Typische Erscheinungsbilder sind die sogenannte Intertrigo (Hautfaltendermatitis) und die akute nässende Dermatitis (Hot Spot).
- Oberflächliche Pyodermie (Superficial Pyodermie): Hier sind die gesamte Epidermis und die Haarfollikel betroffen. Typisch sind die bakterielle Follikulitis und das sogenannte Impetigo, das besonders bei Jungtieren auftritt.
- Tiefe Pyodermie (Deep Pyodermie): Die Infektion erstreckt sich über die Basalmembran hinaus in die Dermis und das subkutane Gewebe. Es können sich Furunkel, Karbunkel oder Zellulitis (Phlegmone) entwickeln.
Ursachen & Risikofaktoren
Der mit Abstand häufigste Erreger bei der caninen Pyodermie ist Staphylococcus pseudintermedius, ein Bakterium, das zur normalen Hautflora des Hundes gehört. Unter bestimmten Bedingungen kann es sich jedoch unkontrolliert vermehren und eine Infektion auslösen. Seltener sind Staphylococcus aureus, Streptokokken oder gramnegative Bakterien wie Pseudomonas aeruginosa beteiligt.
Entscheidend ist, dass eine Pyodermie fast nie als eigenständige Primärerkrankung auftritt. Nahezu immer liegt eine zugrunde liegende Ursache vor, die das Hautmilieu oder das Immunsystem des Tieres beeinträchtigt:
- Allergien: Umweltallergien (atopische Dermatitis), Futtermittelallergien und Flohspeichelallergie sind die häufigsten Auslöser. Der damit verbundene Juckreiz (Pruritus) führt zu Selbsttraumatisierung durch Kratzen und Lecken, wodurch die Hautbarriere geschädigt wird.
- Endokrinopathien: Hormonstörungen wie Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) oder Hyperadrenokortizismus (Cushing-Syndrom) schwächen die Immunabwehr der Haut erheblich.
- Ektoparasiten: Demodikose (Haarbalgmilbenbefall), Sarkoptesräude oder starker Flohbefall begünstigen sekundäre Pyodermien.
- Hautfalten und Feuchtigkeit: Brachyzephale Rassen wie Bulldoggen, Shar-Pei oder Mops sind durch übermäßige Hautfaltenbildung besonders anfällig für feuchte, warme Hautnischen, in denen Bakterien gedeihen.
- Immunsuppression: Medikamentöse Immunsuppression (z. B. Langzeitgabe von Glukokortikoiden), Grunderkrankungen oder altersbedingte Immunschwäche erhöhen das Risiko.
- Trauma und Pflegefehler: Mikroläsionen durch Schermaschinen, unsachgemäße Pflege oder chronische Mazeration der Haut durch ständige Feuchtigkeit.
Symptome & Erkennung
Das klinische Erscheinungsbild variiert stark je nach Tiefe und Ausdehnung der Infektion. Bei der oberflächlichen Form zeigen sich häufig Papeln (kleine, erhabene Hautknötchen), Pusteln (eitergefüllte Bläschen) und sogenannte epidermale Kollaretten – ringförmige Schuppenkränze, die durch geplatzte Pusteln entstehen. Begleitend treten Rötung (Erythem), Haarausfall (Alopezie), Schuppen und Krustenbildung auf. Betroffene Stellen finden sich bevorzugt am Bauch, in der Leistenregion, an den Innenschenkeln und zwischen den Zehen.
Die tiefe Pyodermie äußert sich durch schmerzhafte, geschwollene Hautareale mit Knotenbildung, Fisteln (Gangbildungen, aus denen Eiter austritt) und hämorrhagisch-eitrigem Sekret. Das Gewebe kann nekrotisch werden. Begleitend sind Fieber, Mattigkeit und Appetitlosigkeit möglich. Bei der Pododermatitis – einer tiefen Pyodermie an den Pfoten – kommt es zu starker Schwellung der Zwischenzehenräume, Lahmheit und deutlichem Schmerzverhalten.
Starker Juckreiz kann, muss aber nicht auftreten. Er ist häufiger bei allergisch bedingten oberflächlichen Pyodermien zu beobachten, während tiefe Formen eher schmerzbetont sind.
Diagnose
Die Verdachtsdiagnose wird anhand des klinischen Erscheinungsbildes gestellt. Zur Bestätigung und zur Unterscheidung von anderen Hauterkrankungen stehen dem Tierarzt mehrere diagnostische Verfahren zur Verfügung:
- Zytologische Untersuchung: Ein Abklatschpräparat (Impression Smear) oder ein Abstrich von Pusteln wird auf einen Objektträger gebracht, gefärbt (z. B. Diff-Quick-Färbung) und mikroskopisch untersucht. Der Nachweis von neutrophilen Granulozyten mit intrazellulären Kokken gilt als diagnostisch beweisend.
- Bakterielle Kultur und Antibiogramm: Besonders bei tiefen Pyodermien, bei Therapieversagen oder bei Verdacht auf eine Infektion mit methicillinresistenten Staphylokokken (MRSP/MRSA) ist eine bakteriologische Kultur mit Resistenztest unverzichtbar. So kann die antibiotische