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Quieken

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Tierlaute > Tierlaute & Lautäußerungen

Definition & Überblick

Als Quieken wird eine hochfrequente, meist kurze und durchdringende Lautäußerung bezeichnet, die bei zahlreichen Säugetierarten auftritt. Der Laut zeichnet sich durch eine charakteristisch hohe Tonlage aus, die häufig im Bereich zwischen 1.000 und 8.000 Hertz liegt, bei manchen Arten aber auch deutlich darüber. In der Ethologie wird Quieken den sogenannten Distress-Calls oder Kontaktrufen zugeordnet – je nach Kontext, in dem es auftritt. Von verwandten Lautäußerungen wie Fiepen, Schreien oder Kreischen unterscheidet sich Quieken durch seine vergleichsweise kurze Dauer, die gepresste Klangqualität und das typisch abrupte Einsetzen. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Begriff häufig lautmalerisch (onomatopoetisch) verwendet und mit Schweinen assoziiert, doch das Phänomen ist im Tierreich erheblich weiter verbreitet.

Biologischer Hintergrund

Die Erzeugung von Quieklauten erfolgt bei Säugetieren über den Kehlkopf (Larynx), wobei die Stimmlippen durch einen erhöhten subglottalen Luftdruck in besonders schnelle Schwingungen versetzt werden. Die hohe Frequenz ergibt sich aus der starken Spannung der Stimmlippen und dem vergleichsweise geringen Durchmesser des Stimmapparats – weshalb Jungtiere und kleinere Arten besonders häufig quieken. Neurophysiologisch wird die Lautproduktion über das periaquäduktale Grau im Mittelhirn gesteuert, eine Struktur, die emotionale Vokalisation unmittelbar mit dem limbischen System verknüpft. Das bedeutet, dass Quieken in den meisten Fällen kein erlerntes, sondern ein angeborenes Verhalten darstellt – ein Instinkt, der ohne vorherige Erfahrung abrufbar ist.

Gleichwohl kann Quieken durch Konditionierung modifiziert werden. Tiere, die gelernt haben, dass ein bestimmter Quieklaut eine Reaktion ihres Halters oder ihrer Sozialpartner auslöst, setzen diesen Laut gezielt und häufiger ein. Dieses Phänomen wurde insbesondere bei domestizierten Arten wie Meerschweinchen und Hausschweinen eingehend untersucht.

Bei welchen Tieren tritt es auf?

Quieken ist bei einer Vielzahl von Säugetieren dokumentiert. Besonders prominent tritt es bei folgenden Tiergruppen auf:

  • Hausschweine und Wildschweine (Suidae): Das Quieken ist ein zentraler Bestandteil ihres umfangreichen Lautrepertoires. Ferkel quieken intensiv bei Trennung von der Muttersau, bei Schmerz oder im Konkurrenzkampf am Gesäuge.
  • Meerschweinchen (Cavia porcellus): Das charakteristische, lang gezogene Quieken – im Englischen als „wheeking" bezeichnet – ist einer der bekanntesten Tierlaute in der Heimtierhaltung und dient primär der Kontaktaufnahme sowie der Futterbitte.
  • Ratten und Mäuse (Muridae): Nagerartige quieken sowohl im hörbaren als auch im Ultraschallbereich. Jungtiere erzeugen Isolationsrufe, adulte Tiere äußern Quieklaute bei sozialen Konflikten oder als Ausdruck von Unbehagen.
  • Kaninchen (Oryctolagus cuniculus): Normalerweise stille Tiere, die aber bei akutem Schmerz oder Todesangst ein durchdringendes, schrilles Quieken ausstoßen.
  • Hunde (Canis lupus familiaris): Besonders Welpen quieken bei Isolation, Unsicherheit oder Aufregung. Auch adulte Hunde können quiekende Laute produzieren, etwa bei überschwänglicher Begrüßung.
  • Delfine und andere Zahnwale (Odontoceti): Bestimmte hochfrequente Pfeiflaute werden in der deutschsprachigen Fachliteratur gelegentlich als Quieken klassifiziert und stehen im Zusammenhang mit der sozialen Kommunikation innerhalb einer Schule.

Auslöser & Funktion

Die Auslöser für Quieken lassen sich in mehrere funktionale Kategorien einordnen, die je nach Art und Situation variieren:

  • Schmerzäußerung (Algesie-Ruf): Quieken als unmittelbare Reaktion auf einen Schmerzreiz ist bei fast allen Säugetierarten beschrieben. Der Laut erfüllt eine doppelte Funktion: Er signalisiert dem Verursacher, das schmerzauslösende Verhalten einzustellen, und alarmiert gleichzeitig Sozialpartner.
  • Trennungsstress (Isolationsruf): Jungtiere zahlreicher Arten quieken, wenn sie von der Mutter oder der Gruppe getrennt werden. Dieser Laut löst bei der Mutter Suchverhalten und Zuwendung aus – ein fundamentaler Mechanismus der Mutter-Kind-Bindung.
  • Soziale Kommunikation: Im Rahmen des Sozialverhaltens kann Quieken Unterwerfung signalisieren, etwa bei Rangordnungsauseinandersetzungen. Ein unterlegenes Tier quiekt, um Deeskalation einzuleiten und weitere Aggression des dominanten Artgenossen zu unterbinden.
  • Futterbezogene Erregung: Bei domestizierten Arten – allen voran Meerschweinchen – tritt Quieken als konditionierter Appetenzlaut auf. Die Tiere verknüpfen bestimmte Reize (Rascheln einer Futterbeutelverpackung, Öffnen des Kühlschranks) mit Futterangebot und reagieren mit lautem, wiederholtem Quieken.
  • Abwehr und Territorialverhalten: In einigen Kontexten dient Quieken der akustischen Abgrenzung des Territoriums oder der Verteidigung einer Ressource, beispielsweise eines bevorzugten Schlafplatzes.

Bedeutung für die Haltung

Für Tierhalter ist das Verständnis von Quieken ein unverzichtbares diagnostisches Werkzeug. Ein plötzlich auftretendes, ungewohntes Quieken kann auf Schmerzen, Verletzungen oder Erkrankungen hinweisen und sollte stets ernst genommen werden. Bei Meerschweinchen etwa kann anhaltendes, klagend klingendes Quieken