Riedbock
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Redunca redunca
- Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
- Familie: Hornträger (Bovidae)
- Unterfamilie: Reduncinae (Riedböcke und Wasserböcke)
- Gattung: Redunca
- Lebensraum: Feuchte Grassavannen, Überschwemmungsebenen, Schilfgebiete und Uferzonen in Afrika südlich der Sahara
- Größe: Schulterhöhe 65–90 cm, Körperlänge 100–135 cm
- Gewicht: 35–65 kg (Böcke schwerer als Weibchen)
- Lebenserwartung: 10–12 Jahre in freier Wildbahn, bis 15 Jahre in Gefangenschaft
Aussehen & Merkmale
Der Riedbock ist eine mittelgroße Antilope mit einem vergleichsweise gedrungenen Körperbau. Das Fell ist kurz und glatt, an der Oberseite gelblich-braun bis sandfarben, während die Unterseite deutlich heller, oft weiß gefärbt ist. An der Vorderseite der Vorderläufe zeichnet sich ein dunkler Streifen ab. Der buschige Schwanz ist relativ kurz und zeigt auf der Oberseite dieselbe Grundfärbung wie der Rücken, während die Unterseite weiß ist. Beim Flüchten wird der Schwanz hochgestellt, sodass die weiße Unterseite als Warnsignal für Artgenossen sichtbar wird.
Ein auffälliges Merkmal des Riedbocks ist der nackte, dunkel gefärbte Drüsenfleck unterhalb jedes Ohres. Diese Präaurikulardrüsen sondern ein wachsartiges Sekret ab, das bei der Reviermarkierung eine Rolle spielt. Nur die männlichen Tiere tragen Hörner. Diese sind nach vorn geschwungen, an der Basis geringelt und erreichen eine Länge von 25–35 cm. Weibchen sind insgesamt etwas kleiner und leichter als Böcke und hornlos.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Riedbocks erstreckt sich über weite Teile des subsaharischen Afrika. Die Art kommt von Senegal und Guinea im Westen über den Tschad und die Zentralafrikanische Republik bis nach Tansania und Mosambik im Osten und Südosten vor. Innerhalb dieses Areals besiedelt der Riedbock bevorzugt feuchte Habitate: Überschwemmungsebenen, hohe Grassavannen in der Nähe von Gewässern, Sumpfränder und Schilfgürtel. Das Biotop muss ausreichend hohe Vegetation bieten, in der sich die Tiere bei Gefahr ducken und verbergen können.
Eng verwandt sind der Großriedbock (Redunca arundinum), der im südlichen Afrika vorkommt, und der Bergriedbock (Redunca fulvorufula), der trockene, bergige Habitate bevorzugt. Alle drei Arten bilden zusammen die Gattung Redunca. Der hier behandelte Riedbock wird zur Unterscheidung gelegentlich auch als Gemeiner Riedbock oder Bohor-Riedbock bezeichnet.
Ernährung
Der Riedbock ist ein reiner Pflanzenfresser mit einer ausgeprägten Präferenz für Gräser. Als typischer Grasfresser (Graser) nimmt er vor allem junge, frische Halme verschiedener Süßgrasarten zu sich. In der Trockenzeit, wenn die Grasqualität abnimmt, weicht er gelegentlich auf Kräuter und krautige Pflanzen aus, frisst aber kaum Laub oder Zweige. Der hohe Wassergehalt frischer Gräser deckt einen erheblichen Teil seines Flüssigkeitsbedarfs, dennoch ist der Riedbock auf regelmäßigen Zugang zu offenen Wasserstellen angewiesen. Diese Abhängigkeit von Wasser und frischem Gras erklärt die enge Bindung der Art an feuchte Lebensräume.
Verhalten & Lebensweise
Der Riedbock ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber ruht er verborgen im hohen Gras oder Schilf und wird erst in den späten Nachmittagsstunden aktiv. Bei Beunruhigung drückt er sich zunächst flach auf den Boden, bevor er bei weiterer Annäherung mit hohen, federnden Sprüngen flüchtet. Dabei stößt er einen charakteristischen, schrillen Pfiff aus, der durch das Auspressen von Luft durch die Nasenlöcher entsteht – ein Laut, der auch von Artgenossen als Alarmruf wahrgenommen wird.
Riedböcke leben nicht in großen Herden. Typisch sind Paare oder kleine Gruppen von zwei bis fünf Tieren. Erwachsene Böcke beanspruchen Reviere, die sie gegenüber anderen Männchen verteidigen. Die Reviermarkierung erfolgt durch das Sekret der Präaurikulardrüsen, das an Grashalmen und Zweigen abgestreift wird, sowie durch Kotplätze. Junge Böcke, die noch kein eigenes Territorium besitzen, bilden mitunter lockere Junggesellengruppen. Weibchen bewegen sich relativ frei zwischen den Territorien der Böcke.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzung des Riedbocks ist nicht streng saisongebunden, allerdings häufen sich die Geburten in vielen Regionen gegen Ende der Regenzeit, wenn das Nahrungsangebot am besten ist. Nach einer Tragzeit von rund sieben bis acht Monaten bringt das Weibchen in der Regel ein einzelnes Jungtier zur Welt. Zwillingsgeburten sind äußerst selten.
Das Kalb wiegt bei der Geburt etwa 3–4 kg. Es gehört zum sogenannten Abliegertyp: In den ersten Wochen nach der Geburt bleibt es im hohen Gras verborgen liegen, während die Mutter sich zum Fressen entfernt und nur zum Säugen zurückkehrt. Diese Strategie reduziert die Entdeckungswahrscheinlichkeit durch Raubtiere wie Leoparden, Hyänen oder Afrikanische Wildhunde erheblich. Nach etwa zwei Monaten beginnt das Jungtier, der Mutter regelmäßig zu folgen. Die Entwöhnung erfolgt im Alter von sechs bis neun Monaten. Weibchen erreichen die Geschlechtsreife mit etwa einem Jahr, Böcke mit etwa eineinhalb