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Röhren

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Definition & Überblick

Als Röhren wird eine tiefe, langgezogene und weithin hörbare Lautäußerung bezeichnet, die vornehmlich bei männlichen Hirschen (Cervidae) während der Brunftzeit auftritt. Der Begriff leitet sich von der klanglichen Qualität des Lautes ab, der an das Blasen durch eine Röhre erinnert und je nach Art, Alter und körperlicher Verfassung des Tieres in Tonhöhe, Dauer und Intensität variiert. In der Ethologie wird das Röhren als ritualisierte Vokalisierung eingeordnet, die sowohl der intrasexuellen Konkurrenz (Rivalenkommunikation zwischen Männchen) als auch der intersexuellen Selektion (Partnerwerbung gegenüber Weibchen) dient. Es handelt es sich um ein angeborenes Verhaltensmuster, das durch hormonelle und saisonale Auslöser aktiviert wird und in seiner Grundstruktur einem Instinktverhalten entspricht, jedoch durch Erfahrung und individuelle Reifung in seiner Ausprägung moduliert werden kann.

Biologischer Hintergrund

Die Fähigkeit zum Röhren beruht auf einem komplexen Zusammenspiel aus Anatomie, Endokrinologie und neuronaler Steuerung. Der Kehlkopf (Larynx) männlicher Hirsche ist im Vergleich zu dem der Weibchen deutlich vergrößert und weist längere Stimmlippen auf, die tiefere Frequenzen erzeugen können. Beim Rothirsch (Cervus elaphus) senkt sich der Kehlkopf während der Brunft zusätzlich ab, wodurch der Vokaltrakt verlängert wird – ein Mechanismus, der den Formanten des Rufes tiefere Frequenzanteile verleiht und das Tier akustisch größer erscheinen lässt, als es tatsächlich ist.

Hormonell wird das Röhren durch einen starken Anstieg des Testosteronspiegels gesteuert, der mit der abnehmenden Tageslänge im Herbst korreliert. Dieser saisonale Rhythmus wird über die Zirbeldrüse (Glandula pinealis) und die Ausschüttung von Melatonin reguliert, welches wiederum die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse beeinflusst. Der Testosteronanstieg führt nicht nur zur Brunftbereitschaft, sondern auch zur Verdickung der Halsmuskulatur und zur Ausbildung der sogenannten Brunftmähne, die als optisches Signal die akustische Kommunikation ergänzt.

Bioakustische Analysen zeigen, dass die Grundfrequenz des Röhrens beim Rothirsch zwischen 80 und 150 Hertz liegt. Die Rufrate – also die Anzahl der Röhrlaute pro Zeiteinheit – gilt als ehrliches Signal für die körperliche Fitness des Individuums, da das ausdauernde Röhren über Stunden und Tage hinweg erhebliche Energiekosten verursacht und nur von Tieren in guter Kondition aufrechterhalten werden kann.

Bei welchen Tieren tritt es auf?

Das Röhren ist in erster Linie für Vertreter der Familie der Hirsche (Cervidae) charakteristisch, wobei die bekannteste Art der Rothirsch (Cervus elaphus) ist. Weitere Arten, bei denen vergleichbare Lautäußerungen während der Brunft dokumentiert sind:

  • Wapiti (Cervus canadensis) – erzeugt einen hohen, flötenartigen Brunftruf, der im Englischen als „bugling" bezeichnet wird und sich klanglich deutlich vom Röhren des Rothirsches unterscheidet
  • Sikahirsch (Cervus nippon) – produziert mehrstufige Pfeif- und Röhrlaute mit charakteristischem Crescendo
  • Damhirsch (Dama dama) – äußert während der Brunft ein rhythmisches, tiefes Rülpsen oder Grunzen, das funktional dem Röhren entspricht, akustisch jedoch verschieden ist
  • Elch (Alces alces) – die Bullen erzeugen tiefe, resonante Grunzlaute, während die Kühe durch lautes Rufen Bullen anlocken

Außerhalb der Hirsche wird der Begriff „Röhren" umgangssprachlich gelegentlich auf andere tiefe Vokalisierungen übertragen, etwa auf das Brüllen von Rindern oder das Rufen brunftiger Wisente. In der wissenschaftlichen Terminologie bleibt die Bezeichnung jedoch überwiegend den Cerviden vorbehalten.

Auslöser & Funktion

Das Röhren wird durch ein Zusammenspiel proximater und ultimater Faktoren ausgelöst. Zu den proximaten Ursachen zählen der hormonelle Zustand des Tieres, die Anwesenheit empfangsbereiter Weibchen (Kahlwild), die Präsenz rivalisierender Männchen und spezifische Umweltreize wie Temperatur und Lichtverhältnisse. Akustische Stimulation durch das Röhren anderer Hirsche kann eine Eskalation der Rufaktivität bewirken, ein Phänomen, das in der Verhaltensforschung als gegenseitige Stimulation oder soziale Fazilitation beschrieben wird.

Funktional erfüllt das Röhren mehrere Aufgaben im Rahmen des Sozialverhaltens:

  • Territoriale Abgrenzung – Der Brunftruf signalisiert rivalisierenden Männchen die Anwesenheit und Kampfbereitschaft eines Platzhalters auf dem Brunftplatz
  • Rivaleneinschätzung – Kontrahenten können anhand von Frequenz, Rufrate und Dauer die körperliche Verfassung eines Gegners beurteilen und kostspielige Kämpfe vermeiden
  • Weibchenbindung – Durch ausdauerndes Röhren hält der Hirsch seinen Harem zusammen und verhindert das Abwandern einzelner Tiere
  • Sexuelle Selektion – Weibchen bevorzugen nachweislich Männchen mit höherer Rufrate und tieferer Stimme, da diese Merkmale mit genetischer Qualität und Überlebensfähigkeit korrelieren

Kommt es trotz der akustischen Auseinandersetzung zu keiner Klärung der Rangverhältnisse, kann das Röhren in ein Parallelgehen und schließlich in einen physischen Geweihk