Rohfütterung
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Definition & Überblick
Unter Rohfütterung versteht man die Ernährung von Heimtieren mit rohen, unverarbeiteten Futtermitteln tierischen und pflanzlichen Ursprungs. Im deutschsprachigen Raum hat sich dafür das Akronym BARF etabliert, das für „Biologisch Artgerechtes Rohes Futter" steht. Das Grundprinzip orientiert sich an der natürlichen Ernährung wildlebender Vorfahren: Rohes Muskelfleisch, Innereien, Knochen, Gemüse, Obst und ausgewählte Zusätze werden zu einer bedarfsgerechten Futterration zusammengestellt.
Die Rohfütterung ist kein Alleinfuttermittel im klassischen Sinn, sondern ein Fütterungskonzept, bei dem der Halter selbst die Verantwortung für die vollständige Nährstoffversorgung übernimmt. Anders als bei industriell hergestelltem Fertigfutter gibt es keine standardisierte Rezeptur – jede Ration wird individuell auf das jeweilige Tier abgestimmt. Genau darin liegt sowohl die große Stärke als auch die größte Herausforderung dieses Ansatzes.
Zusammensetzung & Inhaltsstoffe
Eine ausgewogene Rohfütterungsration setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen, die gemeinsam den Bedarf an Protein, Fett, Rohfaser, Vitaminen und Mineralstoffen decken sollen:
- Muskelfleisch (ca. 40–50 % der Gesamtration): Hauptlieferant für hochwertiges Protein und essentielle Aminosäuren. Geeignet sind Rind, Lamm, Geflügel, Wild, Pferd oder Fisch.
- Innereien (ca. 15–20 %): Leber, Niere, Milz und Herz liefern fettlösliche Vitamine (A, D, E, K), B-Vitamine, Eisen, Zink und Kupfer. Besonders Leber ist ein konzentrierter Nährstofflieferant und sollte dosiert eingesetzt werden.
- Rohe fleischige Knochen (RFK) (ca. 15–20 %): Hühnerhälse, Karkassen oder Lammrippen versorgen das Tier mit Calcium, Phosphor und weiteren Mineralstoffen. Gleichzeitig fördern sie die Zahnreinigung und Kaumuskulatur.
- Gemüse und Obst (ca. 15–20 %): Püriert oder zerkleinert liefern sie Rohfaser, sekundäre Pflanzenstoffe, Vitamine (C, Beta-Carotin) und Ballaststoffe, die eine gesunde Darmflora unterstützen.
- Öle und Fette: Lachsöl, Leinöl oder Hanföl ergänzen essentielle Fettsäuren wie Omega-3 und Omega-6.
- Zusätze: Je nach Bedarf kommen Seealgenmehl (Jod), Eierschalenpulver (Calcium), Bierhefe (B-Vitamine) oder Lebertran (Vitamin D) als Ergänzungsfuttermittel hinzu.
Der durchschnittliche Proteingehalt einer typischen Rohfütterungsration liegt bei 15–20 % in der Frischsubstanz, der Fettgehalt bei 8–15 % – abhängig von Fleischsorte und Aktivitätslevel des Tieres.
Für welche Tiere geeignet?
Die Rohfütterung wird überwiegend bei Hunden praktiziert und ist dort am besten dokumentiert. Auch Katzen können roh ernährt werden, wobei ihre Bedarfswerte an Taurin, Arachidonsäure und Vitamin A eine besonders sorgfältige Rationsgestaltung erfordern. Katzen sind obligate Karnivoren – der pflanzliche Anteil fällt bei ihnen deutlich geringer aus oder entfällt ganz.
Für Frettchen eignet sich die Rohfütterung ebenfalls gut, da sie als strikte Fleischfresser von der hohen biologischen Wertigkeit roher tierischer Proteinquellen profitieren. Bei Kaninchen, Meerschweinchen und anderen Pflanzenfressern ist der Begriff „Rohfütterung" nicht gebräuchlich, obwohl deren natürliche Ernährung ohnehin aus rohen Pflanzenbestandteilen besteht.
Nicht geeignet ist die Rohfütterung für immunsupprimierte Tiere, Tiere mit schweren Leber- oder Nierenerkrankungen sowie für Welpen ohne fachkundige Begleitung – hier können Fehlversorgungen gravierende Folgen haben.
Fütterungsempfehlung
Die tägliche Futtermenge berechnet sich beim Hund in der Regel mit 2–3 % des Körpergewichts in der Frischsubstanz. Ein 25 kg schwerer, normal aktiver Hund erhält demnach etwa 500–750 g Rohfutter pro Tag. Welpen benötigen mit 4–8 % des Körpergewichts deutlich mehr, um das Wachstum zu unterstützen. Bei Katzen liegt die Futtermenge bei ca. 30–40 g pro Kilogramm Körpergewicht täglich.
Das Fütterungsintervall beträgt bei erwachsenen Hunden ein- bis zweimal täglich, bei Katzen sind zwei bis drei kleinere Mahlzeiten physiologischer. Welpen und Jungtiere erhalten drei bis vier Mahlzeiten.
Ein bewährter Wochenplan variiert die Proteinquellen über mindestens drei verschiedene Fleischsorten und wechselt zwischen verschiedenen Innereiensorten. Fisch sollte ein- bis zweimal wöchentlich auf dem Speiseplan stehen, um die Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren und Jod sicherzustellen.
Vorteile & Nachteile
Vorteile:
- Volle Kontrolle über Herkunft und Qualität jeder einzelnen Zutat
- Individuelle Anpassung an Allergien, Unverträglichkeiten und gesundheitliche Besonderheiten
- Hohe Akzeptanz – die meisten Hunde und Katzen fressen rohes Futter mit großer Begeisterung
- Häufig beobachtete Verbesserungen bei Fell, Zahngesundheit, Kotqualität und Vitalität
- Keine künstlichen Konservierungsstoffe, Farbstoffe oder Geschmacksverstärker