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Roter Piranha

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Tierart – Fische > Sonstige Fische

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Pygocentrus nattereri
  • Ordnung: Salmlerartige (Characiformes)
  • Familie: Sägesalmler (Serrasalmidae)
  • Gattung: Pygocentrus
  • Lebensraum: Süßgewässer Südamerikas – Flüsse, Überschwemmungsgebiete, Seen
  • Größe: 25–35 cm, maximal bis 50 cm
  • Gewicht: 1–2 kg, in Ausnahmefällen bis 3,5 kg
  • Lebenserwartung: 10–15 Jahre in freier Wildbahn, bis 25 Jahre in Gefangenschaft

Aussehen & Merkmale

Der Rote Piranha besitzt einen hochrückigen, seitlich stark abgeflachten Körper, der ihm eine scheibenförmige Silhouette verleiht. Die Grundfärbung der Flanken ist silbrig-grau mit zahlreichen kleinen, dunklen Flecken, die vor allem bei Jungtieren deutlich ausgeprägt sind. Das namengebende Merkmal ist die intensiv rot bis orange gefärbte Bauch- und Brustregion, die mit zunehmendem Alter und je nach Ernährungszustand kräftiger hervortritt. Die Rückenfärbung tendiert zu Olivgrün bis Dunkelgrau.

Das Gebiss ist das wohl auffälligste anatomische Merkmal dieser Art. Beide Kiefer tragen eine einzelne Reihe dreieckiger, rasiermesserscharfer Zähne, die ineinandergreifen wie die Klingen einer Schere. Die Zähne sind in den Kieferknochen fest verankert und werden bei Verlust durch nachrückende Zähne ersetzt – ein Vorgang, der jeweils eine gesamte Kieferhälfte betrifft. Die Beißkraft ist im Verhältnis zur Körpergröße außerordentlich hoch und ermöglicht es dem Fisch, Fleischstücke mühelos aus Beute herauszureißen.

Die Schuppen sind klein, fest anliegend und von einer Schleimschicht überzogen. Die Fettflosse – ein typisches Merkmal der Salmlerartigen – ist vorhanden. Die Schwanzflosse ist leicht gegabelt und dunkel gefärbt, oft mit einem hellen Saum am hinteren Rand. Die Afterflosse ist lang und erstreckt sich über einen beträchtlichen Teil der Bauchunterseite.

Lebensraum & Verbreitung

Das natürliche Verbreitungsgebiet des Roten Piranhas erstreckt sich über weite Teile Südamerikas. Die Art kommt in den Flusssystemen des Amazonas, des Orinoco, des Río Paraguay und des Río Paraná vor. Sie besiedelt damit Gebiete in Brasilien, Venezuela, Kolumbien, Peru, Bolivien, Ecuador, Argentinien, Uruguay und Guyana.

Als Habitat bevorzugt Pygocentrus nattereri langsam fließende oder stehende Gewässer. Typische Biotope sind Flussarme, Altarme, Überschwemmungswälder (Várzea und Igapó), Lagunen und saisonale Seen. Während der Regenzeit dringen die Tiere in die überfluteten Uferbereiche und Auenwälder vor, wo sie ein reichhaltiges Nahrungsangebot vorfinden. In der Trockenzeit ziehen sie sich in die verbleibenden Hauptgewässer zurück, wo sie sich in höherer Dichte konzentrieren. Die Art toleriert ein breites Spektrum an Wasserparametern, bevorzugt jedoch Wassertemperaturen zwischen 24 und 28 °C und leicht saure bis neutrale pH-Werte.

Ernährung

Entgegen dem verbreiteten Bild eines reinen Fleischfressers ist der Rote Piranha ein opportunistischer Allesfresser. Der Speiseplan umfasst Fische, Insekten, Krebstiere, Würmer, Schnecken, Aas und pflanzliches Material wie Samen und Früchte. Insbesondere während der Überschwemmungszeit, wenn Früchte ins Wasser fallen, kann der pflanzliche Anteil an der Nahrung erheblich sein.

Die Jagd auf lebende Fische erfolgt häufig im Schwarm. Dabei nutzen die Piranhas ihre Geschwindigkeit und Wendigkeit, um Beutestücke aus Fischen herauszubeißen – eine Technik, die als „Fin-nipping" bezeichnet wird, wenn gezielt Flossen anderer Fische abgebissen werden. Geschwächte, kranke oder verletzte Tiere werden bevorzugt angegriffen. Die oft beschriebenen Fressattacken auf große Wirbeltiere treten in der Natur selten auf und sind meist an extreme Bedingungen geknüpft, etwa bei Niedrigwasser mit hoher Fischdichte und knappem Nahrungsangebot.

Verhalten & Lebensweise

Rote Piranhas sind tagaktive Schwarmfische, die in Gruppen von wenigen Dutzend bis mehreren Hundert Individuen leben. Die Schwarmbildung dient dabei weniger der koordinierten Jagd als vielmehr dem Schutz vor Fressfeinden – eine Strategie, die als Verdünnungseffekt bekannt ist. Zu den natürlichen Feinden zählen unter anderem Kaimane, Flussdelfine, Reiher, Kormorane und größere Raubfische wie der Arapaima.

Innerhalb des Schwarms besteht eine lockere Hierarchie, die durch kurze aggressive Interaktionen aufrechterhalten wird. Die Kommunikation erfolgt auch akustisch: Rote Piranhas erzeugen mit ihrer Schwimmblase verschiedene Laute – ein tiefes Trommeln bei Konfrontationen, ein Bellen bei Kämpfen um Nahrung und ein leiseres Knurren beim Drohen. Trotz ihres Rufs als aggressive Räuber verhalten sich Piranhas gegenüber größeren Tieren und Menschen in der Regel scheu und ergreifen die Flucht.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Fortpflanzungszeit fällt mit dem Beginn der Regenzeit zusammen, wenn steigende Wasserstände neue Laichplätze in überfluteten Gebieten erschließen. Die Balz äußert sich in einer Intensivierung der Rotfärbung bei beiden Geschlechtern, besonders beim Männchen. Das Männchen wählt einen geschützten Platz – häufig zwischen Wasserpflanzen oder über sandigem Untergrund – und bereitet dort eine flache Mulde als Laichgrube vor.

Das Weibchen legt mehrere Tausend Eier in Klumpen ab, die am Substrat oder an Pflanzenwurzeln haften. Ein Gelege umf