Rotmilan
RTierart – Vögel > Greifvögel
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Milvus milvus
- Ordnung: Greifvögel (Accipitriformes)
- Familie: Habichtartige (Accipitridae)
- Gattung: Milane (Milvus)
- Lebensraum: Offene und halboffene Kulturlandschaften, Waldränder, Agrarflächen
- Größe: 60–73 cm Körperlänge, Flügelspannweite 150–180 cm
- Gewicht: 800–1.300 g (Männchen), 950–1.600 g (Weibchen)
- Lebenserwartung: 25–28 Jahre in freier Wildbahn, in Einzelfällen über 30 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Rotmilan gehört zu den elegantesten Greifvögeln Europas. Sein auffälligstes Merkmal ist der tief gegabelte, rostrote Schwanz, der ihm im Englischen den Namen „Red Kite" eingebracht hat. Das Gefieder an der Oberseite ist rotbraun mit dunkleren Federzentren, die dem Rücken eine gestreifte Musterung verleihen. Die Unterseite wirkt heller, mit rostfarbener Brust und dunklen Schaftstrichen. Im Flug fallen die hellen, fast weißlichen Felder auf der Unterseite der Handflügel auf, die einen deutlichen Kontrast zu den dunklen Flügelspitzen bilden.
Der Kopf ist grau bis weißlich gefärbt und wirkt im Vergleich zum Körper relativ klein. Die Augen sind bernsteinfarben bis gelb, der Schnabel ist an der Basis gelb und endet in einer dunklen, hakenförmigen Spitze – typisch für die Familie der Habichtartigen. Die Fänge (Greiffüße) sind gelb und im Vergleich zu anderen Greifvögeln ähnlicher Größe eher schwach gebaut, was auf seine vorwiegend aasfressende Ernährungsweise hinweist.
Vom nah verwandten Schwarzmilan (Milvus migrans) lässt sich der Rotmilan durch die stärker gegabelte Schwanzform, das insgesamt hellere und kontrastreichere Gefieder sowie den helleren Kopf unterscheiden. Im Flug zeigt der Rotmilan zudem längere, schmalere Flügel.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Rotmilans ist im globalen Vergleich sehr begrenzt. Die Art ist nahezu ein europäischer Endemit: Etwa 95 Prozent der Weltpopulation brüten in Europa. Deutschland trägt dabei eine besondere Verantwortung, da hier mit rund 12.000 bis 18.000 Brutpaaren mehr als die Hälfte des gesamten Weltbestands lebt. Weitere bedeutende Vorkommen bestehen in Frankreich, Spanien, der Schweiz, Polen und Großbritannien, wo eine erfolgreiche Wiederansiedlung stattfand.
Als bevorzugtes Habitat nutzt der Rotmilan halboffene Kulturlandschaften, in denen sich Waldinseln, Feldgehölze und Baumreihen mit ausgedehnten Agrarflächen abwechseln. Diese Mischung bietet sowohl geeignete Horstbäume zum Brüten als auch offene Flächen zur Nahrungssuche. Reine Wälder und geschlossene Siedlungsgebiete meidet er weitgehend, während extensiv bewirtschaftete Grünlandgebiete und Flussniederungen besonders dicht besiedelt werden.
Ein Teil der mitteleuropäischen Population zieht im Herbst in Richtung Südwesteuropa, vor allem auf die Iberische Halbinsel und nach Südfrankreich. In den letzten Jahrzehnten überwintern jedoch zunehmend mehr Rotmilane in Mitteleuropa, was unter anderem auf mildere Winter und ein ganzjährig verfügbares Nahrungsangebot zurückgeführt wird. Der Rotmilan gilt daher als Teilzieher.
Ernährung
Der Rotmilan ist ein ausgesprochener Nahrungsopportunist. Sein Spektrum umfasst Kleinsäuger wie Feldmäuse und Maulwürfe, Vögel, Regenwürmer, Insekten, Fische sowie in erheblichem Umfang Aas. An Straßen verendete Tiere stellen gerade im Winter eine wesentliche Nahrungsquelle dar. Auch Abfälle auf Mülldeponien und Kompostierungsanlagen werden regelmäßig aufgesucht – ein Verhalten, das in Spanien und Großbritannien besonders ausgeprägt ist.
Die Jagdtechnik besteht überwiegend im niedrigen, suchenden Gleiten über offene Flächen. Der gegabelte Schwanz fungiert dabei als hocheffizientes Steuerruder und ermöglicht abrupte Richtungswechsel bei geringem Energieaufwand. Aktive Verfolgungsjagden auf schnelle Beutetiere sind selten; stattdessen nutzt der Rotmilan seine hervorragende Sehkraft, um Beute am Boden zu entdecken, und greift sie in einem kurzen Sturzflug. Gelegentlich stiehlt er anderen Greifvögeln, Krähen oder Reihern die Beute – ein Verhalten, das als Kleptoparasitismus bezeichnet wird.
Verhalten & Lebensweise
Der Rotmilan ist tagaktiv und verbringt einen großen Teil des Tages in der Luft. Sein Flugbild ist durch langes, müheloses Gleiten mit leicht angewinkelten Flügeln und ständigem Drehen des Gabelschwanzes gekennzeichnet. Er nutzt Thermik und Aufwinde, um ohne nennenswerten Flügelschlag große Gebiete abzusuchen.
Außerhalb der Brutzeit zeigt der Rotmilan ein ausgeprägtes Gemeinschaftsverhalten. An günstigen Schlafplätzen – meist in hohen Bäumen an Waldrändern – versammeln sich regelmäßig Dutzende bis Hunderte von Individuen zu sogenannten Schlafplatzgemeinschaften. In Spanien wurden Winterschlafplätze mit über tausend Vögeln dokumentiert. Während der Brutzeit dagegen verteidigen die Paare ein Revier rund um den Horstbaum, wobei sie andere Artgenossen und potenzielle Nesträuber aktiv vertreiben.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Balz beginnt bereits im Februar bis März, kurz nach der Rückkehr aus den Überwinterungsgebieten. Die Balzflüge umfassen kreisende Segelflüge beider Partner, steile Sturzflüge und gemeinsame Wendungen. Rotm