Rückruf
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Definition und Bedeutung des Rückrufs
Der Rückruf gehört zu den grundlegenden Kommandos in der Hundeerziehung und bezeichnet das zuverlässige Herankommen des Hundes auf ein Signal seines Halters. Ob als gesprochenes Kommando wie „Hier", „Komm" oder durch einen Pfiff – der Rückruf verlangt vom Hund, seine aktuelle Tätigkeit sofort zu unterbrechen und direkt zum Menschen zurückzukehren. In der Hundeausbildung gilt ein sicher funktionierender Rückruf als eine der anspruchsvollsten Übungen, da der Hund lernen muss, selbst unter starker Ablenkung verlässlich zu reagieren. Gleichzeitig ist dieses Signal eines der wichtigsten überhaupt: Es gewährleistet die Sicherheit des Hundes, anderer Tiere und Menschen im Alltag und ist Voraussetzung für entspannten Freilauf.
Warum der Rückruf so schwierig ist
Aus Sicht des Hundes steht der Rückruf in direkter Konkurrenz zu allem, was die Umwelt gerade bietet: eine interessante Fährte, spielende Artgenossen, ein flüchtendes Kaninchen oder ein spannender Geruch am Wegesrand. Der Hund soll auf Abruf einen natürlichen Impuls unterdrücken und sich gegen den Reiz der Umwelt für die Rückkehr zum Menschen entscheiden. Diese Impulskontrolle erfordert ein hohes Maß an Übung und eine stabile Mensch-Hund-Beziehung.
Hinzu kommt, dass viele Halter den Rückruf unbewusst durch Fehler im Training schwächen. Häufige Probleme sind:
- Inflationärer Gebrauch: Das Kommando wird ständig wiederholt, obwohl der Hund nicht reagiert. Dadurch lernt er, das Signal zu ignorieren.
- Negative Verknüpfung: Der Hund wird nach dem Herankommen angeleint und der Spaziergang endet. So verbindet er den Rückruf mit dem Ende des Spaßes.
- Zu spätes Training: Wird der Rückruf erst aufgebaut, wenn der Hund bereits gelernt hat, dass Weglaufen lohnender ist, gestaltet sich das Training ungleich schwieriger.
- Inkonsequenz: Der Hund wird manchmal gerufen und manchmal nicht, wenn er sich entfernt. Fehlende Klarheit untergräbt die Zuverlässigkeit des Signals.
Aufbau und Trainingsmethoden
Der Rückruf wird über positive Verstärkung aufgebaut. Das Prinzip: Jedes Herankommen lohnt sich für den Hund. Am Anfang steht das Training in einer reizarmen Umgebung – etwa in der Wohnung oder im eingezäunten Garten. Der Halter ruft den Hund, und sobald dieser kommt, erhält er eine hochwertige Belohnung. Geeignet sind besonders schmackhafte Leckerli, kurze Spielsequenzen mit dem Lieblingsspielzeug oder ausgiebiges Lob.
Das Training gliedert sich typischerweise in mehrere Phasen:
- Phase 1 – Signalaufbau: Das Rückrufsignal wird mit einer positiven Erwartung verknüpft. Viele Trainer empfehlen, hierfür ein völlig neues Wort oder einen speziellen Pfeifton zu verwenden, der noch nicht durch Fehler vorbelastet ist.
- Phase 2 – Festigung ohne Ablenkung: Der Hund übt das Herankommen in verschiedenen reizarmen Situationen, wobei Entfernung und Dauer schrittweise gesteigert werden.
- Phase 3 – Ablenkung steigern: Nach und nach werden kontrollierte Ablenkungsreize eingeführt. Der Hund lernt, auch in Gegenwart anderer Hunde, bei Gerüchen oder Geräuschen zuverlässig zu reagieren.
- Phase 4 – Generalisierung: Der Rückruf wird an unterschiedlichen Orten und in wechselnden Situationen geübt, damit der Hund das Signal ortsunabhängig befolgt.
Eine bewährte Technik ist das sogenannte Jackpot-Prinzip: Der Hund erhält nicht jedes Mal die gleiche Belohnung, sondern wird gelegentlich mit einer besonders großzügigen Belohnung überrascht. Dieses variable Verstärkungsschema hält die Motivation langfristig hoch – ähnlich wie bei einem Spielautomaten, der durch gelegentliche Gewinne die Spannung aufrechterhält.
Hilfsmittel im Rückruftraining
Verschiedene Hilfsmittel unterstützen den Trainingsaufbau. Die Schleppleine – eine lange Leine von fünf bis zehn Metern – ermöglicht es, dem Hund scheinbare Freiheit zu geben, ohne die Kontrolle zu verlieren. So kann verhindert werden, dass der Hund sich selbst belohnt, indem er trotz Rückruf weiterläuft. Die Schleppleine sollte stets an einem gut sitzenden Brustgeschirr befestigt werden, niemals am Halsband, um Verletzungen im Nackenbereich zu vermeiden.
Die Pfeife – insbesondere die Acme-Pfeife in verschiedenen Frequenzen – bietet gegenüber dem gesprochenen Wort mehrere Vorteile: Der Ton ist immer gleich, unabhängig von der Stimmungslage des Halters. Er trägt über weite Distanzen und wird vom Hund leichter aus Umgebungsgeräuschen herausgefiltert. Gängig ist ein Doppelpfiff als Rückrufsignal.
Häufige Fehler und deren Vermeidung
Der gravierendste Fehler besteht darin, den Hund nach dem Herankommen zu bestrafen – sei es durch Schimpfen, Anleinen oder das Ende des Spaziergangs. Der Hund verknüpft die Strafe nicht mit dem vorherigen Weglaufen, sondern mit dem letzten Verhalten: dem Zurückkommen. Dadurch wird genau das bestraft, was man eigentlich fördern möchte.
Ebenso problematisch ist das Hinterherlaufen. Wer seinem Hund nachrennt, löst häufig ein Jagd- oder Spielverhalten aus, das die Situation verschärft. Effektiver ist es, sich in die entgegengesetzte Richtung zu bewegen oder sich hinzuhocken, um das Interesse des Hundes zu wecken.
Ein weiterer verbreiteter Fehler ist das Rufen über zu große Distanzen oder in Situationen, in denen der Hund offensichtlich nicht reagieren wird – etwa mitten im intensiven Spiel mit Artgenossen. Jeder gescheiterte Rück