Sabbern
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Definition & Überblick
Sabbern – in der tiermedizinischen Fachsprache als Hypersalivation oder Ptyalismus bezeichnet – beschreibt eine übermäßige Produktion oder einen unkontrollierten Abfluss von Speichel aus der Maulhöhle. Grundsätzlich ist Speichelfluss ein normaler physiologischer Vorgang: Die Speicheldrüsen (Glandulae salivales) produzieren Speichel, der die Nahrung gleitfähig macht, Enzyme zur Vorverdauung enthält und die Mundschleimhaut schützt. Zum Problem wird Sabbern dann, wenn es in ungewöhnlich starkem Ausmaß auftritt, plötzlich einsetzt oder von weiteren Krankheitssymptomen begleitet wird.
Betroffen sein können grundsätzlich alle Tierarten. Besonders häufig wird Hypersalivation bei Hunden und Katzen beobachtet, seltener bei Kaninchen, Meerschweinchen und Pferden. Bei bestimmten Hunderassen – etwa Bernhardiner, Neufundländer, Mastiff oder Bordeauxdogge – gehört ein gewisser Grad an Sabbern zur rassetypischen Norm, da die lockere Lefzenstruktur den Speichel schlecht zurückhält. Hier spricht man von Pseudoptyalismus: Die Speichelmenge ist normal, kann aber anatomisch bedingt nicht im Maul gehalten werden.
Ursachen & Risikofaktoren
Die Ursachen für übermäßiges Sabbern sind vielfältig und reichen von harmlosen Auslösern bis zu ernsthaften Erkrankungen:
- Erkrankungen der Maulhöhle: Zahnstein, Zahnfleischentzündung (Gingivitis), gebrochene Zähne, Zahnwurzelabszesse, Stomatitis (Entzündung der Mundschleimhaut), Tumoren im Maul- oder Rachenraum sowie FORL (feline odontoklastische resorptive Läsionen) bei Katzen zählen zu den häufigsten Ursachen.
- Fremdkörper: Knochensplitter, Holzstücke, Grashalme oder Nähnadeln, die sich zwischen den Zähnen, im Gaumen oder in der Speiseröhre verfangen, lösen reflexartig verstärkten Speichelfluss aus.
- Vergiftungen und Intoxikationen: Kontakt mit giftigen Pflanzen (z. B. Lilien, Dieffenbachia, Oleander), Aufnahme von Reinigungsmitteln, Insektiziden, Schneckenkorn oder bestimmten Medikamenten kann akutes Sabbern verursachen. Auch der Kontakt mit Kröten (Bufo-Toxine) führt zu massiver Hypersalivation.
- Übelkeit und Magen-Darm-Erkrankungen: Gastritis, Magenulzera, Darmverschluss (Ileus), Pankreatitis oder Reisekrankheit (Kinetose) gehen häufig mit vermehrtem Speichelfluss einher.
- Infektionskrankheiten: Tollwut (Rabies) ist die bekannteste, wenn auch in Mitteleuropa dank Impfprogrammen seltene Ursache. Katzenschnupfenkomplex (Calicivirus, Herpesvirus) und felines Immundefizienzvirus (FIV) können ebenfalls zu chronischer Hypersalivation führen.
- Neurologische Störungen: Erkrankungen der Hirnnerven, insbesondere des Nervus facialis oder des Nervus glossopharyngeus, Epilepsie oder Schädel-Hirn-Traumata können die Speichelkontrolle beeinträchtigen.
- Speicheldrüsenerkrankungen: Sialozelen (Speichelzysten), Sialolithiasis (Speichelsteine) oder Tumoren der Speicheldrüsen sind seltenere, aber relevante Ursachen.
- Psychogene Faktoren: Stress, Angst, Aufregung oder freudige Erwartung (etwa bei Futtergabe) können kurzfristiges Sabbern auslösen. Bei Katzen wird dies häufig beim Schnurren oder Kneten beobachtet und ist in der Regel harmlos.
- Hitze und Hitzschlag: Überhitzung führt besonders bei Hunden zu verstärktem Hecheln und Sabbern als Versuch der Thermoregulation.
Risikofaktoren umfassen mangelnde Zahnpflege, unbeaufsichtigten Freilauf mit Zugang zu Giftstoffen, fehlende Impfungen sowie brachyzephale Schädelformen, die die Maulhöhlenarchitektur verändern.
Symptome & Erkennung
Neben dem offensichtlichen Speichelfluss aus dem Maul sollten Tierhalter auf Begleitsymptome achten, die Hinweise auf die zugrunde liegende Ursache geben:
- Nasses Fell an Kinn, Brust und Vorderpfoten
- Ständiges Schlucken oder Würgen
- Verweigerung von Futter oder Wasser (Dysphagie)
- Mundgeruch (Halitosis), der auf Zahnerkrankungen oder Infektionen hindeuten kann
- Blutiger oder verfärbter Speichel
- Reiben des Mauls mit den Pfoten oder an Gegenständen
- Apathie, Erbrechen, Durchfall
- Verhaltensänderungen wie Aggressivität oder Desorientiertheit (Hinweis auf neurologische Ursachen)
- Schwellung im Bereich des Unterkiefers oder Halses
Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen akutem und chronischem Sabbern. Plötzlich einsetzendes, heftiges Sabbern deutet eher auf Fremdkörper, Vergiftung oder akute Verletzung hin, während schleichend zunehmendes Sabbern häufiger bei Zahnerkrankungen, Tumoren oder chronischen Infektionen auftritt.
Diagnose
Die tierärztliche Diagnostik folgt einem systematischen Vorgehen. Am Anfang steht eine ausführliche Anamnese: Seit wann besteht das Sabbern? Gibt es Zugang zu Giftstoffen? Wurde Futter verweigert? Bestehen Vorerkrankungen?
Die klinische Allgemeinuntersuchung umfasst die Überprüfung von Vitalparametern, Lymphknoten und Allgemeinzustand. Eine gründliche Maulhöhlenins