Säugen
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Definition und Überblick
Unter Säugen versteht man die Ernährung von Jungtieren durch die Muttermilch, die über die Milchdrüsen (Mammae) des Muttertieres abgegeben wird. Dieser Vorgang ist das namensgebende Merkmal der gesamten Klasse der Säugetiere (Mammalia) und stellt eine der erfolgreichsten Strategien der Jungtierversorgung im Tierreich dar. Die Milch liefert dem Nachwuchs alle notwendigen Nährstoffe, Antikörper und Flüssigkeit in einer optimal angepassten Zusammensetzung. Der Saugakt selbst – auch als Laktation auf Seiten des Muttertieres bezeichnet – ist ein komplexes Zusammenspiel aus hormoneller Steuerung, angeborenem Saugreflex des Jungtieres und mütterlichem Verhalten.
Biologische Grundlagen der Laktation
Die Milchproduktion wird bereits während der Trächtigkeit vorbereitet. Hormone wie Progesteron, Östrogen und Prolaktin bewirken das Wachstum des Drüsengewebes in der Milchleiste. Unmittelbar nach der Geburt setzt die eigentliche Milchsekretion ein, ausgelöst durch den Abfall des Progesteronspiegels und den Anstieg von Prolaktin. Das Hormon Oxytocin spielt beim Säugen eine zentrale Rolle: Es wird durch den Saugreiz des Jungtieres an der Zitze freigesetzt und bewirkt die Kontraktion der Muskelzellen um die Milchdrüsenbläschen (Alveolen), wodurch die Milch in die Zisterne und schließlich zum Jungtier fließt. Dieser Vorgang wird als Milchejektionsreflex bezeichnet.
Die zuerst produzierte Milch heißt Kolostrum (Biestmilch). Sie unterscheidet sich deutlich von der späteren reifen Milch durch einen hohen Gehalt an Immunglobulinen, Proteinen und Vitaminen. Für Neugeborene ist die Aufnahme des Kolostrums innerhalb der ersten Lebensstunden entscheidend, da sie darüber den sogenannten passiven Immunschutz erhalten. Bei vielen Tierarten, etwa bei Fohlen, Kälbern und Lämmern, ist die Darmschleimhaut nur in einem begrenzten Zeitfenster nach der Geburt in der Lage, die großen Antikörpermoleküle aufzunehmen.
Zusammensetzung der Muttermilch
Die Milchzusammensetzung variiert erheblich zwischen den verschiedenen Tierarten und ist jeweils an die Bedürfnisse der Jungtiere angepasst:
- Kuhmilch enthält etwa 3,5 % Fett, 3,3 % Eiweiß und 4,6 % Laktose.
- Hundemilch ist mit rund 9 % Fett und 7,5 % Eiweiß deutlich gehaltvoller, passend zum schnellen Wachstum der Welpen.
- Kaninchenmilch zählt zu den nährstoffreichsten Milchsorten im Tierreich mit etwa 12–15 % Fett und über 10 % Protein. Kaninchenjunge werden nur ein- bis zweimal täglich gesäugt.
- Robbenmilch kann einen Fettgehalt von über 50 % erreichen, was den Jungtieren den schnellen Aufbau einer isolierenden Speckschicht ermöglicht.
Generell gilt: Je seltener das Muttertier säugt, desto konzentrierter ist die Milch. Tierarten, die ihre Jungen ständig bei sich tragen und häufig anlegen – etwa viele Primaten –, produzieren vergleichsweise verdünnte Milch.
Saugverhalten und Stillperiode
Das Saugverhalten ist bei den meisten Säugetieren ein angeborener Reflex. Neugeborene suchen instinktiv die Zitzen des Muttertieres, geleitet durch Wärme, Geruch und taktile Reize. Bei Nestflüchtern wie Fohlen, Kälbern oder Lämmerchen erfolgt das erste Säugen oft schon innerhalb der ersten Stunde nach der Geburt. Nesthocker wie Hundewelpen oder Katzenjunge sind blind und taub geboren und finden die Zitzen über den Tastsinn und Geruchsreize.
Die Dauer der Säugeperiode (auch Laktationsperiode) unterscheidet sich je nach Tierart erheblich. Mäuse säugen ihre Jungen etwa drei Wochen lang, Hunde und Katzen rund sechs bis acht Wochen. Bei Rindern erstreckt sich die natürliche Säugezeit über mehrere Monate, und bei Elefanten kann sie bis zu vier Jahre betragen. In der Nutztierhaltung wird die Säugedauer häufig durch den Menschen gesteuert und oft zugunsten einer früheren Absetzung verkürzt.
Säugen in der Zuchtpraxis
In der Tierzucht und Nutztierhaltung ist das Säugen ein zentraler Aspekt des Herdenmanagements. Bei Schweinen etwa säugt die Sau ihren Wurf in der Abferkelbucht, wobei die Ferkel feste Zitzenordnungen ausbilden. Die Milchleistung der Sau bestimmt maßgeblich die Aufzuchtrate. Bei unzureichender Milchproduktion oder dem Tod des Muttertieres kommen Ammen zum Einsatz – andere laktierende Weibchen, die fremde Jungtiere annehmen und mitversorgen. Alternativ wird auf Handaufzucht mit artgerechtem Milchaustauscher zurückgegriffen.
Das Absetzen – also das Ende der Säugeperiode und der Übergang zur festen Nahrung – ist ein kritischer Zeitpunkt in der Jungtierentwicklung. Ein zu frühes Absetzen kann zu Verdauungsstörungen, Wachstumsverzögerungen und Verhaltensstörungen führen. In der modernen Zuchtpraxis wird daher auf ein altersgerechtes Absetzmanagement geachtet, das den Übergang schrittweise gestaltet, etwa durch Beifütterung (Zufütterung fester Nahrung parallel zum Säugen).
Störungen und Probleme beim Säugen
Verschiedene Faktoren können das Säugen beeinträchtigen. Eine Mastitis (Gesäugeentzündung) gehört zu den häufigsten Erkrank