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Säugezeit

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Zucht & Fortpflanzung > Fortpflanzung – Begriffe

Definition und Überblick

Die Säugezeit bezeichnet den Zeitraum, in dem ein Muttertier seinen Nachwuchs mit Muttermilch ernährt. Sie beginnt unmittelbar nach der Geburt und endet mit dem vollständigen Absetzen der Jungtiere, also dem Zeitpunkt, an dem diese keine Milch mehr von der Mutter aufnehmen. Die Säugezeit ist eines der namensgebenden Merkmale der Klasse der Säugetiere (Mammalia) und stellt eine biologisch hochentwickelte Form der Jungenaufzucht dar. Ihre Dauer variiert erheblich zwischen den einzelnen Tierarten und wird durch Faktoren wie Körpergröße, Entwicklungsstand der Neugeborenen, ökologische Nische und bei Nutztieren auch durch züchterische Entscheidungen beeinflusst.

Biologische Grundlagen

Die Milchproduktion – fachsprachlich Laktation – wird hormonell gesteuert. Während der Trächtigkeit bereiten die Hormone Östrogen und Progesteron das Gesäuge bzw. die Milchdrüsen auf die bevorstehende Milchbildung vor. Nach der Geburt sorgt das Hormon Prolaktin für die Einleitung und Aufrechterhaltung der Milchsekretion. Das Hormon Oxytocin bewirkt den sogenannten Milcheinschuss, also die Abgabe der Milch aus den Drüsenzellen in die Milchgänge und Zitzen. Der Saugreiz der Jungtiere ist dabei ein entscheidender Stimulus: Je häufiger und intensiver die Jungen saugen, desto stärker wird die Milchproduktion angeregt.

In den ersten Stunden und Tagen nach der Geburt produziert das Muttertier die sogenannte Kolostralmilch (Biestmilch, Kolostrum). Diese Erstmilch unterscheidet sich deutlich von der späteren reifen Milch. Sie enthält hohe Konzentrationen an Immunglobulinen (Antikörpern), die dem Neugeborenen einen passiven Immunschutz verleihen. Besonders bei Huftieren, deren Plazenta keine Antikörper von der Mutter auf den Fötus überträgt, ist die rechtzeitige Aufnahme des Kolostrums überlebenswichtig.

Dauer der Säugezeit bei verschiedenen Tierarten

Die Länge der Säugeperiode steht in engem Zusammenhang mit dem Reifegrad der Neugeborenen und der Körpergröße der jeweiligen Art. Grundsätzlich lässt sich beobachten, dass größere Säugetiere tendenziell längere Säugezeiten aufweisen als kleinere.

  • Kaninchen: etwa 4–6 Wochen. Die Jungtiere werden als Nesthocker nackt und blind geboren und sind in den ersten Lebenswochen vollständig auf die Muttermilch angewiesen.
  • Hunde und Katzen: circa 6–8 Wochen. Die Welpen bzw. Kitten beginnen ab der dritten bis vierten Lebenswoche, zusätzlich feste Nahrung aufzunehmen (Zufütterung).
  • Schweine: In der Natur säugt die Bache ihre Ferkel etwa 12–17 Wochen. In der konventionellen Schweinehaltung werden Ferkel häufig bereits nach 3–4 Wochen abgesetzt.
  • Rinder: Bei Mutterkuhhaltung beträgt die natürliche Säugezeit rund 6–10 Monate. In der Milchviehhaltung werden Kälber dagegen oft innerhalb der ersten Lebenstage von der Mutter getrennt.
  • Pferde: Fohlen saugen unter natürlichen Bedingungen 6–9 Monate, manchmal bis zu einem Jahr.
  • Elefanten: Die Säugezeit kann 2–4 Jahre betragen, wobei die Jungtiere bereits nach einigen Monaten ergänzend pflanzliche Nahrung zu sich nehmen.
  • Mäuse: lediglich etwa 3 Wochen – eine der kürzesten Säugeperioden unter den Säugetieren.

Übergang zur festen Nahrung

Das Ende der Säugezeit ist kein abrupter Vorgang, sondern ein gradueller Prozess, der als Entwöhnung oder Absetzen (englisch: weaning) bezeichnet wird. Während der Übergangsphase nehmen die Jungtiere zunehmend feste Nahrung auf, während der Anteil der Muttermilch an der Gesamternährung stetig sinkt. Bei vielen Arten beginnt diese Phase, sobald die ersten Zähne durchbrechen. Die Mutter reguliert den Prozess aktiv mit, indem sie die Jungtiere mit fortschreitender Entwicklung häufiger vom Gesäuge abdrängt oder sich ihnen entzieht.

Der Verdauungstrakt der Jungtiere durchläuft während der Entwöhnung eine tiefgreifende Umstellung. Bei Wiederkäuern wie Rindern, Schafen und Ziegen entwickeln sich die Vormägen erst nach und nach zu voller Funktionsfähigkeit. Solange die Jungtiere ausschließlich Milch trinken, wird diese über die sogenannte Schlundrinne direkt in den Labmagen geleitet, unter Umgehung der noch unreifen Vormägen.

Bedeutung in Zucht und Tierhaltung

In der Nutztierhaltung und in der Zucht ist die Steuerung der Säugezeit ein zentraler Aspekt des Herdenmanagements. Ein frühes Absetzen kann wirtschaftliche Vorteile bieten, etwa eine schnellere erneute Zuchtreife des Muttertieres oder eine gezieltere Fütterung der Jungtiere. Gleichzeitig birgt ein zu frühes Absetzen Risiken: Die Jungtiere sind anfälliger für Durchfallerkrankungen und Infektionen, da ihr Immunsystem und ihr Verdauungssystem noch nicht ausreichend entwickelt sind. Auch Verhaltensstörungen wie gegenseitiges Besaugen bei Kälbern oder Schwanzbeißen bei Ferkeln können Folge eines verfrühten Absetzens sein.

In der Hundezucht und Katzenzucht gilt eine ausreichend lange Säugezeit als Voraussetzung für eine gesunde körperliche und soziale Entwicklung. Seriöse Züchter geben Welpen und Kitten in der Regel nicht vor der achten Lebenswoche ab, wobei die Jungtiere zu diesem